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CHE-Hochschulranking Uni Bonn will nicht mehr beurteilt werden

Das CHE rühmt sich für "das differenzierteste Hochschulranking in Deutschland". Doch die Kritik am Ranking nimmt zu. Immer mehr Fakultäten steigen aus. Von Birgitta vom Lehn

09.12.2009 00:12
Birgitta vom Lehn
Die Kritik am Che-Hochschulranking nimmt zu (im Bild Studenten der Martin-Luther-Universität in Halle). Foto: ddp

Für angehende Studenten gehört er dazu: der Blick ins Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Welcher Fachbereich hat wo am besten abgeschnitten? Wer bietet die beste, wer eine miserable Lehr- oder Forschungsumgebung?

Doch der Erfolg jedes Rankings steht und fällt mit der Teilnahme der Eingestuften. Und die beginnen immer lauter zu murren gegen die öffentliche Zeugnisvergabe. Die Folge: Mehr und mehr Fakultäten steigen aus. Das begann im Frühsommer mit der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni Kiel, dann zogen der Fachbereich Bildungswissenschaften der Uni Koblenz-Landau und mehrere Fachbereiche der Uni Siegen die Reißleine. Ganz aktuell schockt die gesamte Uni Bonn mit ihrem Komplettboykott.

Der Kieler Fakultätsdekan, Physikprofessor Lutz Kipp, begründete den Ausstieg in einem offenen Brief so: Das Ranking sei mit "erheblichem personellen und zeitlichen Mehraufwand" verbunden, der Ausstieg auch "ein Zeichen gegen die nachweislich zunehmende Einflussnahme wirtschaftsnaher Verbände und Stiftungen auf die Hochschulpolitik in Deutschland". Es sei nicht mit den Aufgaben einer Hochschule vereinbar, "Personal mit der Bereitstellung von Daten für kommerzielle Zwecke zu beschäftigen".

Auch "methodische Mängel" sowie "Manipulationsmöglichkeiten" warf er der CHE vor. CHE-Projektleiterin Petra Giebisch nennt die Vorwürfe "haltlos", HRK-Präsidentin Margret Wintermantel sagt, sie seien "überzogen". Martin Spiewak, Chefredakteur des Zeit-Studienführers, nannte die pauschale Kritik der Wirtschaftsnähe "ein Totschlagargument". Das Ranking sei "mehrdimensional" und damit "relativ realistisch". Manipulationen habe es zwar gegeben, aber die betreffenden Unis seien ausgeschlossen worden.

"Auf die Interessen der Studierenden ausgerichtet"

Im August versicherte das CHE dann auf seiner Internetseite, es verfolge "keine kommerziellen Interessen", sondern sei "auf die Interessen der Studieninteressenten und Studierenden ausgerichtet". Das hinderte die Uni Bonn nicht am Ausstieg: Sie verweigert sich damit der zurzeit anstehenden Datenerhebung in den Geistes- und Erziehungswissenschaften und im Fach Psychologie, deren Ergebnisse im Frühjahr veröffentlicht werden sollen.

Giebisch reagiert mit "Bedauern", denn es fehle "den Studenten jetzt halt die Information über eine bedeutende große Uni". Noch setzt sie allerdings auf einen Gesprächstermin im Januar. Ausschlaggebend für die Uni seien eventuell die Urteile der Studierenden gewesen, denn "bei den Forschungsindikatoren schneidet Bonn ja sehr gut ab".

Tatsächlich zeigt ein Blick in die letzten Ranglisten: Die Uni Bonn liegt in vielen Fächern in der Schlussgruppe, was Betreuung, Praxis- und Studienbezug und damit die gesamte Studiensituation betrifft. Bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen oder der Forschungsreputation sammelt sie dagegen in vielen Fächern Punkte: Jura, Zahnmedizin, Pharmazie, Biologie und Physik glänzen.

"Wir wehren uns gegen die pauschale Ampel", erklärt Andreas Archut, Sprecher der Uni Bonn. Damit meint er das Ranking-Farbsystem Rot-Gelb-Grün, das die Unis in Spitzen-, Mittel- und Schlussgruppe sortiert. "Wir kommen ja durchaus nicht schlecht weg. Aber auch ein Lob zählt nicht, wenn es auf einer mangelhaften Datenbasis beruht."

Archut kritisert "die handwerkliche Machart" und die "Rahmenbedingungen", unter denen das Ranking stattfinde. "Man kann Publikationsleistungen nicht durch Seitenzählen ermitteln. Außerdem spiegelt sich die Bedeutung der Forschung für die Lehre in den Kriterien nicht wider."

Wie die HRK den Boykott bewertet, kümmert Archut nicht: "Wir haben das Ranking lange genug erduldet. Der HRK tut es gut, wenn sie selbstbewusste Mitglieder hat, die nicht alle hinterher trotten." Dass große Unis in dem Ranking generell schlechter weg kämen als kleine, wie Archut beklagt, will Giebisch aber nicht so stehen lassen: "Das stimmt nicht."

"Sehr, sehr kritisch" sieht Wolfgang Schoop, Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der Uni Bonn, den Ranking-Ausstieg: "Bei Forschungsrankings ist Bonn jedes Mal top, aber Lehrrankings sind ein Flop - und dann begeht man Realitätsflucht. Das CHE-Ranking ist nicht perfekt, aber realistisch. In Bonn geht gute Forschung tatsächlich auf Kosten der Lehre."

Anders hatte der Kieler Asta reagiert, er zeigte Verständnis für das Nein seiner Professoren. "Es ist nicht erkennbar, warum besstimmte Professoren für die CHE-Befragung rausgepickt werden. Offenbar hängt das damit zusammen, wen man am besten kennt", mutmaßt Susanne Hoffmann vom Asta-Vorstand. Dass Studenten befragt würden, habe man "noch nie erlebt", und dass man sich "ein Zeit-Heft kaufen soll, um die Ergebnisse einzusehen ist unakzeptabel".

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