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Bewertungsplattform im Netz Gutes Praktikum, schlechtes Praktikum

Die Suche nach einem guten Praktikumsplatz ist schwierig. Eine neue Internetseite hilft bei der Auswahl - und spart Zeit und Nerven.

16.02.2011 18:44
Michael Billig
Auf meinpraktikum.de teilen Praktikanten ihre Erfahrungen. Foto: Screenshot

Ob spickmich.de, meinprof.de oder docinsider.de – Bewertungsplattformen im Netz haben Hochkonjunktur. Mit meinpraktikum.de geht jetzt eine neue Internetseite für die Beurteilung von Praktika online. Die Betreiber haben dafür selbst eine Firma gegründet und kooperieren mit Unternehmen, die bewertet werden sollen. Für Studenten, die einen guten Praktikumsplatz suchen, kann der Blick auf die Bewertungen möglicherweise Zeit und Nerven sparen.

So kommt der Deutsche Bundestag etwa – gerade bei Juristen oder Politikstudenten beliebt – bei der Bewertung nur mäßig bis schlecht weg. „Langweilig, enttäuschend und anspruchslos“, lautet das Einzelurteil eines Hospitanten, der trotz eines Sieben-Stunden-Tages keinen Cent für seinen Einsatz bekam. „Noch nie habe ich bei einem Praktikum so viel kopiert“, schreibt er. Auch bei der Gesamtbewertung aller eingetragenen Praktikanten schneidet der Bundestag nur mau ab.

Deutlich positiver bewerten Studierende ihre Zeit bei der Deutschen Bank: „Ein Praktikum, welches mich persönlich und beruflich weitergebracht hat“, schreibt jemand. Besonders gefallen hat ihm, „Kredite für andere Leute“ zu berechnen und Finanzdienstleistungen zu verkaufen“.

Hinter dem Internetportal von Praktikanten für Praktikanten stehen die beiden Jungunternehmer Stefan Peuckert und Daniel Pütz von der Privat-Universität Witten-Herdecke. „Auf meinpraktikum.de können Nutzer anonym Unternehmen bewerten. Die Gesamtnote, die eine Firma bekommt, setzt sich aus verschiedenen Kategorien zusammen“, erklären sie. So seien Schwerpunkte erkennbar, etwa ob jemand auf gute Betreuung oder eher auf eigenständiges Arbeiten Wert legt.

Rund 1300 Bewertungen sind bereits eingegangen. Den Großteil sammelten die Seitenbetreiber, als sie im November durch 27 Hochschulen tourten, um für ihr Projekt zu werben. Das eigene Studium der Wirtschaftswissenschaften liegt vorerst auf Eis, weil ihr Vorhaben sie voll in Anspruch nimmt, so Peuckert und Pütz. Schließlich wollen sie damit auch Geld verdienen. Dazu haben sich die beiden ein Geschäftsmodell ausgedacht, das auch die Unternehmen auf die Plattform holt.

Firmen als Partner

Diese dürfen bei entsprechender Bezahlung neben die Bewertung der Nutzer Fotos, Videos und neue Nachrichten aus ihrem Hause stellen. „Studenten wollen ja wissen, wie ihr Arbeitsumfeld aussieht“, sagt Peuckert. Die Rechnung geht offenbar auf. Einige Firmen konnte er bereits für meinpraktikum.de gewinnen. Wer mitmacht, gilt als Partner der Bewertungsplattform. Zu dieser Partnerschaft gehört auch, dass die Seitenbetreiber Interviews führen. Darin erzählen Personalleiter, was sie Praktikanten bieten wollen und von ihnen erwarten. Peuckert sieht das pragmatisch. Seit Bachelor und Master bliebe Studierenden nur wenig Zeit, sich nach einem geeigneten Praktikumsplatz umzusehen. Er will ein „umfassendes Angebot“ bereitstellen; auch Stellenanzeigen sollen bald dazuzählen.

Fiese Manipulationsversuche

Die Sorge, dass Partnerfirmen unliebsame Bewertungen gern gelöscht sehen würden, hat Peuckert nicht. „Sie haben keinerlei Einfluss auf die Bewertung“, beteuert er felsenfest. Wenn eine schlechte Bewertung abgegeben werde, bekämen Unternehmen lediglich die Chance, dazu Stellung zu beziehen. Daneben gebe es klare Bewertungsregeln. So dürften Betriebsgeheimnisse nicht ausgeplaudert werden, Beleidigungen seien ebenfalls tabu.

Von Versuchen, Praktikabewertungen zu manipulieren, kann dagegen André Meier berichten. Er hat mit einem anderen Münchner Studenten vor zweieinhalb Jahren die Plattform prakti-test.de gestartet. Die Regeln sind ähnlich wie bei der neuen Konkurrenz. „Wir haben schon mal einen Personalleiter erwischt“, erzählt Meier. Der habe versucht, eine positive Bewertung abzugeben. Aufgeflogen sei der Betrüger, weil er sich mit der E-Mail-Adresse seines Arbeitgebers angemeldet hatte.

Seit prakti-test.de online ist, hat Meier etliche Briefe von Anwälten, die mit Klagen drohten, aus seinem Briefkasten gefischt. Anfangs mag er deswegen noch nervös gewesen sein. Heute sagt der 23-Jährige gelassen: „Das schadet nur den Unternehmen. In der Regel sind sie nach einem kurzen Telefonat einsichtig.“

Im Unterschied zu den Jungunternehmern aus Witten macht Meier aus seiner Plattform bislang kein Geschäft. Die bewerteten Firmen sind nicht seine Partner. „Wir stellen schlechte Praktika bloß und weisen auf gute hin“, sagt er. Allerdings wurden auf prakti-test.de erst rund 500 Bewertungen abgegeben, bei der DGB-Jugend, die ebenfalls eine Praktikumsseite unterhält, sind es mehr als 1300. Trotzdem ist Meiers Gesamtfazit positiv: „Die meisten Praktika sind gut.“

Im Deutschen Bundestag gab es im Dezember eine Debatte darüber, was ein faires Praktikum überhaupt ausmacht. Aus der Opposition hörte man etwa die Forderung, Studierende und Azubis im Praktikum sollten mindestens 300 Euro Aufwandsentschädigung erhalten. Außerdem dürfe die Laufzeit drei bis sechs Monate nicht überschreiten. Längst nicht alle Parlamentarier sind dieser Meinung. Und solange keine verbindlichen Regeln für Praktika existieren, sind unabhängige Bewertungsplattformen offenbar die einzige Chance, sich gegen Missbrauch zu wehren.

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