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Privatschulen Kampf um Schüler und Lehrer

Privatschulen verändern den Bildungsmarkt rasant. In den vergangenen zwanzig Jahren ist ihre Zahl nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um fast 70 Prozent gestiegen. Sie versprechen Alternativen zum verkrusteten, unterfinanzierten öffentlichen Schulwesen. Die Hintergründe des Booms.

15.02.2013 17:47
Von Frederik Bombosch
Die Privatschule lockt

Privatschulen verändern den Bildungsmarkt rasant. In den vergangenen zwanzig Jahren ist ihre Zahl nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um fast 70 Prozent gestiegen. Sie versprechen Alternativen zum verkrusteten, unterfinanzierten öffentlichen Schulwesen. Die Hintergründe des Booms.

Die Zahlen: In Deutschland gibt es laut der letzten Bundesstatistik von 2012 etwa 5 400 Privatschulen, darunter 3 370 allgemeinbildende, der Rest berufsbildende. Das bedeutet, dass inzwischen knapp jede achte Schule in Deutschland eine Privatschule ist, zusammen unterrrichten sie rund eine Million Schüler. Und sie wachsen in raschem Takt: Allein in den Jahren bis 2008 bis 2011 wuchs die Schülerzahl um fast vier Prozent auf heute fast eine Million von bundesweit 11,5 Millionen Schülern. Die höchsten Anteile mit 11,3 und 10,7 Prozent finden sich in Bayern und Hamburg, die geringsten in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit noch recht weit hinten. Zum Vergleich: In Frankreich besuchen 18 Prozent und in Spanien mehr als 30 Prozent der Schüler private Einrichtungen.

Die Gründe der Eltern: Mit dem erhöhten Zulauf zu den Privatschulen geht einher, dass sich das Image der öffentlichen Schulen verschlechtert hat, sagt Thomas Koinzer, Leiter der Arbeitsstelle Privatschulforschung an der der Humboldt-Universität. Die vielen Reformen und Meldungen über Gewaclt verunsicherten viele Eltern. „Weil sie für eine Privatschule Geld zahlen müssen, hoffen Sie darauf, dass dort auch ein besseres Umfeld geboten wird.“

Mehr als die Hälfte aller Eltern würde eine Privatschule wählen, falls sie das Geld hätte. Das ergab vor zwei Jahren eine Befragung von etwa tausend Eltern durch das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt am Main. Nach dem Grund gefragt, antworteten 42 Prozent: Mein Kind soll in einem besseren sozialen Milieu aufwachsen. Tatsächlich stammen die meisten Schüler an Privatschulen jedoch ohnehin aus privilegierten Verhältnissen. So ist die Zahl der Schüler aus bildungsnahen Haushalten zwischen 1997 und 2007 um 77 Prozent gestiegen, die der Kinder aus bildungsfernen Haushalten dagegen nur um zwölf Prozent. Auch der Anteil der Schüler ohne deutschen Pass ist nur rund halb so hoch wie an öffentlichen Schulen.

Das Geld: An Privatschulen mit staatlichem Zuschuss liegt das Schul- oder Fördergeld bei etwa 100 Euro pro Monat. Die Ganztagsbetreuung kostet zwischen 200 und 300 Euro. Kirchliche Privatschulen sind teilweise etwas günstiger. Schulbehörden gehen durchaus gegen Privatschulen vor, die zu viel Geld verlangen. So mahnte zum Beispiel Hamburg jüngst 13 Schulen ab, die mehr als 200 Euro monatlich erheben.

Die Leistungen der Schüler: Entgegen den Hoffnungen vieler Eltern erzielen Schüler an Privatschulen nicht höhere Leistungen. In der Pisa-Studie schnitten die 15-Jährigen an öffentlichen Gymnasien insgesamt sogar besser ab als an privaten. Und der Vorsprung der Schüler privater Realschulen liegt offenbar an dem hohen Mädchenanteil.

Die Perspektiven: Thomas Koinzer ist skeptisch, ob der Boom der Privatschulen anhält. Zum einen werde der Wettbewerb um die Schüler härter – immerhin werden die Schülerzahlen in den nächsten Jahrzehnten kontinuierlich sinken. Aber zunehmend werde es für die Schulen auch schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Nach wie vor böte der öffentliche Dienst eine deutlich bessere Bezahlung und auch bessere Ruhestandsregelungen. Hinzu kommt, dass die Bundesländer längst untereinander in einem Wettbewerb um Lehrkräftenachwuchs stehen.

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