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Kommentar zum Sanierungsstau an Schulen Verpulvert

Ein neuer Wettbewerb nutzt allenfalls dem Bundesumweltminister, aber nicht der Umwelt.

12.01.2012 16:25
Von Torsten Harmsen

Wäldchen auf Pausenhöfen, Klima-Werbesäulen oder Energiespar-Waschsalons – an Schulen sollen die Ideen sprießen. Der Bundesumweltminister ruft zum Klima-Wettbewerb auf. Lehrer und Schüler können sich bis zum 13. März auf den Titel „Energiesparmeister“ bewerben.

Dagegen ist erst mal überhaupt nichts zu sagen. Die Themen Klimaschutz und Energiesparen gehören an die Schulen. Wohin sonst? Jedes Kind soll rechtzeitig lernen, dass man Energie nicht verpulvern darf.

Wenn doch aber alle Schulen Orte wären, an denen man so etwas erfahren kann! Was aber lernt man stattdessen? Dass Minister schöne Wettbewerbe veranstalten können, während das Thema im Schulalltag oft niemanden interessiert. Ein Schüler schreibt im Internet: „Als ich meinte, dass die Fenster undicht sind, bekam ich als Antwort, ich soll zur Tafel gucken und nicht zu den Fenstern.“

Sanierungsstau! Eines der am häufigsten gebrauchten Wörter, wenn es um Schulen geht. Der Investitionsbedarf an Schulen soll allein in Berlin eine Milliarde Euro groß sein, in der kleinen Stadt Kiel sind es noch 140 Millionen. Andere Städte werden sich so dazwischen einordnen. Man hört und liest von Dächern, durch die es in die Räume plätschert, von Löchern in Wänden, bröckelndem Putz, fehlenden Regenrinnen, verstopften Abflüssen, Schimmel in Fensternischen, zugigen Sporthallen und klappernden Fenstern, durch die die Energie abdampft, um das Weltall zu heizen.

Da können Schüler noch so eifrig mit Messgeräten durch die Räume ziehen – sie werden kaum etwas sparen.

Das mit der Energie ist überhaupt so eine Sache. Erst einmal muss man ja selbst welche haben, bevor man größere Probleme lösen kann. Alte, marode, stinkende Schulen lassen auch Lern- und Lebensenergien entschwinden. Ein Lehrer aus Braunschweig sagte jüngst im Fernsehen mit müden Augen über seine Schule, sie sei „hässlich, ganz ganz hässlich“.

Dennoch soll dieser kleine Ausflug in die energetische Welt nicht all zu pessimistisch enden. Vielleicht entwickelt sich ja doch etwas, wenn sich – wie im vergangenen Jahr – 10.000 Schüler mit 400 Bewerbungen am Wettstreit beteiligen. Zumindest sind die Themen Klima und Energie dann im Gespräch und man tüftelt einige Verbesserungen aus. Und vielleicht bewegt der Wettbewerb zugleich etwas bei den Geldgebern.

Auch kommt Hoffnung aus der Materialforschung. Baustoffe der Zukunft, so teilten gerade die TU Berlin und der Verein Deutsche Bauchemie mit, können auf wechselnde Klimabedingungen reagieren, Schadstoffe aus der Luft ziehen, Energie speichern, sich selbst „heilen“. Schnell für die Schulen vorbestellen!

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