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Grundschule Migranten werden nicht diskriminiert

Kinder von Migranten kommen selten aufs Gymnasium. An den Vorurteilen der Lehrer liegt das nicht, zeigt eine aktuelle Studie. Das schlechte Abschneiden hat andere Gründe.

27.06.2012 16:50
Von Birgitta vom Lehn
Dass Kinder von Migranten selten aufs Gymnasium kommen, hat mit den niedrigen Bildungsabschlüssen vieler Eltern zu tun. Foto: Andreas Arnold

Auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hält: Eine Diskriminierung von Migrantenkindern am Ende der Grundschulzeit gibt es nicht. Zwar erhalten Kinder mit Migrationshintergrund seltener eine Gymnasialempfehlung als ihre Klassenkameraden ohne ausländische Wurzeln (20 bis 30 Prozent gegenüber mehr als 45 Prozent).

Dieser Nachteil könne aber vollständig auf niedrige soziale Schichtzugehörigkeit und geringere schulische Kompetenzen zurückgeführt werden, heißt es in einer aktuellen Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB).

Als Datengrundlage diente Soziologin Cornelia Gresch die TIMSS-Übergangsstudie 2007: Dafür wurden Viertklässler, Eltern und Lehrkräfte vor dem Wechsel in die weiterführende Schule befragt und getestet. „Bei gleichen sozialen und schulischen Voraussetzungen zeigen sich für Angehörige der zweiten Generation keine Nachteile mehr, vielmehr sogar teilweise leichte Vorteile“, lautet Greschs Fazit.

Lehrer diskriminieren nicht

Als „zweite Generation“ gelten Kinder, die selbst in Deutschland geboren wurden, aber zugewanderte Eltern haben. Vor allem bei Leistungen im Fach Deutsch habe sich gezeigt, dass Lehrer „offenbar weitere Kriterien hinzuziehen und andere Maßstäbe ansetzen als rein objektiv messbare Kompetenzen, wenn sie die Übergangsempfehlung ausstellen“.

In ihrer Studie habe sie keine Hinweise auf ungleiche Behandlungen im Sinne einer Diskriminierung von Seiten der Lehrkräfte feststellen können, sagt Gresch. Schüler mit Migrationshintergrund erhalten mindestens ebenso häufig eine Gymnasialempfehlung wie Kinder ohne ausländische Wurzeln, „wenn sie vergleichbare schulische Leistungen aufweisen und die Eltern einer ähnlichen Sozialschicht angehören“.

Sozial selektive Zuwanderung

Die Ursachen für das schlechte Abschneiden ausländischer Kinder bei den internationalen Vergleichstests Pisa und Iglu lägen teilweise in der Herkunft dieser Schülergruppen begründet. So sei in Deutschland die Zuwanderung in den 60er- und 70er-Jahren „sozial selektiv“ erfolgt. Vor allem niedrig Qualifizierte seien gesucht worden. Diese Zuwanderer und häufig auch ihre Nachkommen hätten niedrige Bildungsabschlüsse und verfügten über geringere Möglichkeiten, ihre Kinder zu unterstützen.

Interessanterweise habe sich aber gezeigt, dass die Übergangsempfehlung nach der vierten Klasse nicht ausschließlich von schulischen Kompetenzen abhänge, sondern Lehrer hier oft andere Beurteilungskriterien nutzen. Bei Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, seien Lehrer sich dieser schwierigen Ausgangslage meist bewusst.

So würden diese Kinder meist nach anderen Maßstäben bewertet als deutsche Kinder. Dadurch könnten Migrantenkinder „möglicherweise sogar besser beurteilt werden als vergleichbare Mitschüler ohne Migrationshintergrund“. Das könnte erklären, warum die zweite Generation bei gleichen Leistungen etwas häufiger eine Gymnasialempfehlung erhält als ihre deutschstämmigen Klassenkameraden.

Die Wissenschaftlerin warnt aber davor, von einem Migranten-Vorteil zu sprechen. Schließlich seien Kinder, deren Eltern nicht Deutsch sprechen, in der Schule und vor allem in Kompetenztests mehr gefordert, um die gleichen Leistungen wie ihre Mitschüler zu erzielen. Diese Anstrengung würden die Lehrer honorieren.

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