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Leben in der Tiefsee Krustentiere können im Dauerdunklen bestimmte Farben sehen

Kein Licht dringt mehr hinunter in die Tiefsee: Es ist absolut finster. Tiefsee-Krebse erkennen jedoch ihre Beute am blauen Licht. Die Krustentiere können trotz Dauerdunkel bestimmte Farben sehen.

05.09.2012 15:26
Stechende Augen: Diese gruseligen Krebse können Korallen und winzigen Tierchen im dunklen ausmachen. Foto: dpa

Kein Licht dringt mehr hinunter in die Tiefsee: Es ist absolut finster. Tiefsee-Krebse erkennen jedoch ihre Beute am blauen Licht. Die Krustentiere können trotz Dauerdunkel bestimmte Farben sehen.

Obwohl sie in lichtlosen Tiefen des Ozeans leben, können Tiefsee-Krebse Farben sehen. Diese Fähigkeit hilft ihnen dabei, geeignete Beute ausfindig zu machen - denn sie können blau leuchtende, nahrhafte Einzeller von giftigen, eher grünlich-blau schimmernden Tiefseekorallen unterscheiden. Das haben US-amerikanische Forscher bei Untersuchungen in Meer vor den Bahamas herausgefunden. Sie hatten verschiedene Arten von Krustentiere in über 700 Metern Meerestiefe gefilmt und deren Augen im Labor untersucht. Die Sehorgane der Krebse hätten vor allem auf blaues und ultraviolettes Licht sensitiv reagiert. Das bestätige Vermutungen, wonach die Tiefseetiere an die Lichtsignale angepasst seien, die die leuchtenden Organismen ihrer Umgebung aussenden, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Journal of Experimental Biology“.

Krebse, die in der Tiefsee leben, haben gemessen an ihrer Körpergröße relativ große Augen - obwohl in ihren Lebensraum kein Sonnenlicht dringt. Um zu klären, warum diese Tiere trotzdem über so ausgeprägte Sehorgane verfügen, haben Wissenschaftler deren Struktur schon früher genau untersucht. Dabei habe man festgestellt, dass die Sinneszellen vor allem bläuliches Licht wahrzunehmen scheinen, wie Tamara Frank von der Nova Southeastern University in Dania Beach und ihre Kollegen berichten. Ob aber die Signale dieser Sinneszellen auch im Gehirn der Krebse ankommen und sie damit tatsächlich dieses farbige Licht wahrnehmen, habe man zuvor noch nicht untersucht - unter anderem, weil es wegen der großen Tiefe zuvor fast unmöglich gewesen sei, diese Tiere in ihrem Lebensraum zu beobachten und für Experimente einzufangen.

Videoaufnahmen belegen farbspezifische Reaktion

Um die besonderen Sehfähigkeiten der Krebse genauer zu untersuchen, machten die Forscher in der Nähe der Bahamas zunächst Video- und Fotoaufnahmen am Meeresgrund in über 700 Metern Tiefe. Dabei beobachten sie nicht nur das Fressverhalten von verschiedenen dort lebenden Krebsarten, sondern zeichneten auch auf, welches Licht die Tiere in der Umgebung der Krebse durch Biolumineszenz abgaben. Als Biolumineszenz bezeichnet man ein Leuchten, das Organismen durch biochemische Reaktionen hervorbringen. Auf den Videoaufnahmen sei deutlich zu sehen, dass die Krebse gezielt nach dem blau-leuchtenden, nahrhaften Plankton schnappten, berichten die Forscher. Die blau-grünlich leuchtenden und für sie giftigen Korallen, hätten sie hingegen verschmäht.

Acht Exemplare verschiedener Krebsarten fingen die Wissenschaftler ein und brachten sie in lichtdicht verschlossenen Behältern an die Wasseroberfläche. Im Schifflabor testeten sie die Reaktion der Tiere auf Licht verschiedener Wellenlängen und Intensitäten. Mit Hilfe von Mikroelektronen an den Augen der Krebse registrierten die Forscher dabei auch die jeweilige Aktivität der Sehsinneszellen. Die Tests ergaben, dass alle untersuchten Spezies extrem sensibel auf blaues Licht reagierten. Zwei von ihnen hätten zudem besonders gut UV-Licht wahrgenommen, berichten die Wissenschaftler.

Die Daten deuteten darauf hin, dass diese beiden Krebsarten auch zwei verschiedene Sorten von Sehsinneszellen im Auge besäßen - eine für blaues und eine für UV-Licht. „Das erleichtert die Unterscheidung zwischen den beiden Lichtfarben und ermöglicht den Tieren eine Art Farbensehen“, erklärt Koautor Sönke Johnsen von der Duke-University in Durham. (dapd)

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