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Forscherin warnt Magen voll Müll

Die Biologin Stefanie Werner koordiniert im Umweltbundesamt (UBA) deutsche Aktivitäten gegen den Müll im Meer. Im Interview erklärt sie, was gegen die Plastiksuppe helfen würde.

18.08.2011 16:40
Stefanie Werner, Umweltbundesamt

Frau Werner, das Meer wird zur Plastiksuppe. Wie lässt sich der unheilvolle Trend stoppen?

Wir müssen dafür sorgen, dass weniger Müll vom Land ins Meer gelangt. Etwa durch die verstärkte Einführung des Kunststoffrecyclings. Ein großes Problem ist auch das Einbringen von Müll auf See. Entschärft werden könnte es durch eine international einheitliche, unkomplizierte und kostenlose Abnahme im Hafen. Vorbild ist Rotterdam: Nach der Einfahrt in den Hafen kommt ein Recyclingschiff, um den Müll ohne Bürokratie entgegen zu nehmen.

Gesetze reichen also nicht?

Nein. Es ist verboten, Plastikmüll ins Meer zu kippen. Und doch geschieht es immer wieder. So wird Kunststoffabfall häufig mit Essensresten geschreddert über Bord geworfen – für Lebensmittel ist diese Entsorgung in vielen Meeren legal. Das jetzt von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation beschlossene Null-Einbringungsgebot hilft, solche Tricksereien zu unterbinden. Wir brauchen zudem schärfere Kontrollen, Schulungen für Besatzungen und technische Lösungen. Ein Beispiel: Mit GPS-Sendern versehene Netze lassen sich nach Verlust orten und wieder hoch holen.

Wie weit ist Europa ?

Das Problem ist erkannt und jetzt wird hoffentlich auch gehandelt. Ein Meilenstein ist die 2008 verabschiedete Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie. Sie verpflichtet alle EU-Staaten, bis 2020 für einen guten Umweltzustand der europäischen Meere zu sorgen.

Also für Meere ohne Müll?

Derzeit wissen wir nicht einmal genau, wie stark unsere Meere belastet sind. Zu den ersten Schritten zählt die Erhebung des Ist-Zustandes an Küsten, am Meeresboden und im Meerwasser.

Haben Sie ein Beispiel?

Nehmen wir den Eissturmvogel, der sich ausschließlich aus dem Ozean ernährt. Deshalb ist er ein guter Indikator für die Müllbelastung. 95 Prozent aller toten Eissturmvögel haben Abfall im Magen, durchschnittlich 32 Teile. Auf den Menschen umgerechnet ist das eine Pausenbrotdose voll Müll. In relativ intakten Lebensräumen wie der kanadischen Arktis leben weniger als zehn Prozent der Vögel mit Müll im Bauch. Wären wir in Europa so weit, hätten wir viel erreicht.

Das Interview führte Lilo Berg.

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