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Windkraftanlagen Windkraft im Wald zerstört Leben

Eine neue Studie beschreibt die fatalen Folgen der Windkraft für Fledermäuse und gefährdete Vogelarten.

Für Rotmilane sind Windkraftanlagen besonders gefährlich. Foto: Hansueli Krapf

Ihre riesigen Rotorblätter drehen sich hoch über den Wipfeln der Bäume, ihre langen Türme fußen auf gerodeten Flächen, die immer für Fahrzeuge zugänglich sein müssen: Windkraftanlagen im Wald sind ein Szenario, das künftig in Deutschland häufiger zu sehen sein wird, geht es nach dem Willen der Politik und der beteiligten Konzerne. Aber es ist auch eine Aussicht, die viele Naturschützer mit Skepsis begleiten. Sie fürchten um die Unversehrtheit und die biologische Vielfalt dieses wichtigen Ökosystems. Eine neue Studie mit dem Titel „Energiewende und Naturschutz.

Windenergie im Lebensraum Wald“ bestätigt diese Bedenken. In Auftrag gegeben hat sie die Deutsche Wildtier Stiftung, Verfasser ist der Biologe Klaus Richarz. Er war von 1991 bis 2013 Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, ist Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz im Naturschutzbund Hessen, Vorsitzender des Bundesverbandes Wissenschaftlicher Vogelschutz und arbeitete an den Leitlinien der Länder für eine naturschutzverträgliche Nutzung der Windenergie mit.

Das Ergebnis seiner Studie gibt Anlass zur Sorge: Insbesondere für Fledermäuse und ohnehin gefährdete Vogelarten wie den Rotmilan könnte Windkraft im Wald zu einer Bedrohung des Bestands werden, weil viele Tiere umkommen, vor allem durch Kollisionen mit Rotorblättern. Richarz‘ Expertise ist die erste, die sich mit dem Einfluss von Windenergie auf die Fauna im Wald beschäftigt, ein Thema, bei dem Entscheidungsträger noch große „Wissensdefizite“ aufwiesen.

Hintergrund für die Initiative der Deutschen Wildtier Stiftung ist der politische Wille, die Windkraft als alternative Energiequelle auszubauen – und dafür verstärkt den Wald zu nutzen. Eine Studie des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystematik gibt das Potenzial mit bis zu 22 Prozent der Bundesfläche an. Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Brandenburg haben einer Nutzung bereits mit entsprechenden Erlassen den Boden bereitet.

Ein Tabubruch, sagt Richarz. Er betont, Windkraft grundsätzlich für sinnvoll zu halten. Doch Anlagen im Wald – das widerspreche dem eigentlich auch von der Politik formulierten Anspruch auf Schutz dieser Ökosysteme, die Lebensraum für viele, teils bedrohte Arten böten. Verluste bei den Populationen ließen sich nur langsam, manchmal gar nicht ausgleichen. Windkraftanlagen dürften daher nur dann in Wälder gebaut werden, wenn alle aus Sicht des Naturschutzes unbedenklichen Standorte auf offener Fläche ausgeschöpft seien; und auch dann müsste man sehr strenge Maßstäbe anlegen. Sommergrüne Laubwälder, insbesondere Buchenwälder, sollten grundsätzlich verschont bleiben.

Lichtungen rund um Windkraftanlagen locken Jäger an

Zu den Tieren, die extrem durch Windkraft gefährdet sind, gehören Fledermäuse: Sie können zwischen die Rotorblätter geraten und so regelrecht zerstückelt werden. Die von den Anlagen ausgehenden Druckverhältnisse können aber auch dazu führen, dass ihre Blutgefäße und Lungenbläschen platzen und sie dadurch sterben. Bei Arten wie dem Großen Abendsegler oder der Rauhautfledermaus ist das Risiko besonders groß, weil sie sehr hoch fliegen – was gerade Anlagen im Wald sehr gefährlich macht, weil diese bis zu 260 Meter in den Himmel ragen müssen, um die Barrierewirkung der Bäume auf den Wind auszugleichen.

Andere Arten wie der Kleine Abendsegler haben große Verluste, weil sie in Baumhöhlen leben und einen hindernisfreien Anflug ebenso wie mehrere Quartiere in enger räumlicher Nähe bevorzugen. Betroffen seien zudem nicht nur in Deutschland heimische Fledermäuse, sondern auch ziehende aus Nord- und Osteuropa. Fatal auch: Die rund um Windkraftanlagen entstehenden Lichtungen locken jagende Tiere geradezu an – und damit häufig in den Tod.

Verschärfend wirkt sich bei Fledermäusen zudem aus, dass die Weibchen vieler Arten nur ein Junges, andere maximal zwei im Jahr bekommen: „Deshalb ist davon auszugehen, dass der Verlust durch eine erhöhte Mortalität nur langsam ausgeglichen werden kann“, erklärt Richarz. Es bestehe die Gefahr, dass Windparks eine lokale Population „auslöschen“ und der ohnehin „ungünstige Erhaltungszustand“ in Deutschland dramatisch einbreche. Standorte mit „überdurchschnittlicher Fledermausaktivität“, sollten deshalb frei von Windkraft bleiben.

Bei den Vögeln machen Greifvögel mit 38 Prozent die größte Gruppe unter den Kollisionsopfern aus; was angesichts ihrer geringen Reproduktionsrate schwer wiegt. Gefährdet sind vor allem jene Arten, die kein „Meideverhalten“ zeigen, die Anlagen nicht großräumig umfliegen. Das gilt auch für den Rotmilan, für den Deutschland eine besondere Verantwortung hat, Denn, so Richarz, 60 Prozent aller weltweit vorkommenden Individuen leben hier. Die eleganten Greifvögel können leicht in die Rotorblätter geraten, sagt der Biologe. Die Gefahr steigt durch die waghalsigen Schleifen- und Sturzflüge über ihrem späteren Brutplatz während der Balz und wegen der erhöhten Aktivität auch in der Brutzeit – was besonders schlimm ist, denn wenn ein Altvogel stirbt, sind auch die Jungen gefährdet. Das Risiko lasse sich durch einen „Taburadius“ von mindestens 1500 Metern rund um Brutplätze verringern, sagt der Autor der Studie. Eine entsprechende Schutzzone für Vögel sei bereits von Experten im aktualisierten „Helgoländer Papier“ vorgeschlagen – dieses jedoch „von den Behörden ausgebremst und bis heute nicht veröffentlicht worden“.

Brutplätze in Gefahr

Auch bei Vögeln, die eher selten in Rotoren sterben, können die Anlagen zu einem Schrumpfen der Population führen: wenn sie sensibel darauf reagieren und sich gestört fühlen. Uhus, Ziegenmelker, Waldschnepfe und vor allem der Schwarzstorch zählen dazu – alle brüten sie im Wald.

Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen stünden dem Schutz von Tieren allerdings häufig entgegen, sagt Richarz: „Die Verpachtung von Waldflächen ist sehr rentabel. Außerdem will kein Bürger eine Anlage vor der eigenen Haustür haben. Sie sollen möglichst weit von der Bevölkerung wegrücken, deshalb kommt die Windkraft der schützenswerten Natur zu nahe.“

Der Biologe fordert strengere, einheitliche Regelungen, um den Wildwuchs bei den Genehmigungen einzudämmen. „Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Wir brauchen ein bundesweites Gesamtkonzept, eine Art TÜV für die Anlagen und qualifiziertere Gutachter. Leider soll meistens alles schnell, schnell gehen.“ Der „Druck“ müsse raus beim Bau von Windkraftanlagen, denn oft seien die Betreiber von der Angst getrieben, „irgendwann keine Förderung mehr zu bekommen“.

Für die Politik ist der Klimawandel ein wichtiges Argument, auf Windenergie zu setzen. Im Wald jedoch könne sich das kontraproduktiv auswirken, mahnt Klaus Richarz: „Bäume sind wichtige CO2-Speicher. Holzt man sie für Windkraftanlagen ab, geht dieser Effekt verloren.“

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