22. Februar 201713°C Frankfurt a. M.
Lade Inhalte...

Weltuntergang am 21.12.2012 „Maya-Götter haben gerne Party gemacht“

Ein Hamburger Museum feiert den vermeintlichen Weltuntergang mit einer Weltübergangsparty und fliegt extra dazu zwei Maya-Priester aus Guatemala ein.

18.12.2012 10:53
Zeremonie von Maya-Priestern in Qumarkaj. Foto: Museum für Völkerkunde Hamburg

Hellseher, Maya-Priester und Schamanen: An positiven Schwingungen wird es am vermeintlichen Weltuntergang kommende Woche nicht fehlen, wenn das Hamburger Völkerkundemuseum zur „Weltübergangsparty“ lädt. Anlass ist das viel beschworene Ende des Maya-Kalenders am 21.12.2012 und die damit einhergehende Apokalypse.

Dabei wussten die Maya selbst lange Zeit nichts von ihrem Schicksal. „Das Datum spielte bei den Maya bis vor wenigen Jahren keine Rolle“, sagt der Hamburger Professor für Lateinamerika-Studien, Bernd Schmelz, am Donnerstag bei der Vorstellung der Veranstaltung. Doch das Volk mache das Beste aus dem weltweiten Spektakel: Es feiere mit.

So reisen nächste Woche auch zwei Maya-Priester aus Guatemala auf Einladung des Hamburger Museums für Völkerkunde nach Deutschland, um mit der hiesigen Bevölkerung den Tag der Tage zu begehen. Das Museum ist nach eigenen Angaben die einzige Einrichtung im Bundesgebiet, die mit echten Maya-Priestern aufwarten kann.

Für dieses Privileg hat das Museum keine Kosten und Mühen gescheut: Für die beiden Geistlichen, die in Guatemala leben, ist es die erste Auslandsreise überhaupt. Einen Pass hatten sie bislang nicht. Um einen zu beantragen, mussten sie eine Tagesreise in die Hauptstadt Guatemala-Stadt unternehmen. „Es ist den Priestern selbst sehr wichtig, sich hier bei uns zu präsentieren“, betont Schmelz, der in den vergangenen zehn Jahren mehrfach in Guatemala war. Wenn alles klappt, werden die Priester am Mittwoch in der Hansestadt landen.

Vision nach „Konsum halluzinogener Drogen“

Im Gepäck haben diese dann auch Maya-Musikinstrumente und den Räucherharz Kopal. Dieser ist bei Zeremonien der Maya sehr wichtig und in der Anwendung mit Weihrauch zu vergleichen. „Ich hoffe nur, dass der Zoll den Priestern das Kopal nicht abnehmen wird“, äußert Schmelz Bedenken. Das feierliche Maya-Ritual soll im Innenhof des Museums, das einen Teil seiner Ausstellung dem Leben der Maya widmet, abgehalten werden. Dafür wird in einem Steinkreis ein Feuer angezündet. Kerzen, Blumen und Essen sollen das Ensemble abrunden.

Dabei glauben die Experten im Museum selbst nicht an einen Weltuntergang: „Das ist ein Missverständnis aus den 60er-Jahren“, sagt der Ethnologe Lars Frühsorge. Hintergrund dieses Missverständnisses sei der Glaube der Maya, dass nach der Zerstörung einer Welt eine neue entsteht. Vor einem halben Jahrhundert habe ein Wissenschaftler dann die These aufgestellt, dass das aktuelle Zeitalter der Maya genauso lange existieren werde wie das vergangene - also exakt 5.200 Jahre. Und die wären am 21.12.2012 rum.

Andere Autoren nahmen diese Idee auf und entwickelten sie weiter. „Diese Theorien basieren aber weniger auf Quellen der Maya, sondern berufen sich auf die Bibel, fernöstliche Lehren oder Visionen der Autoren nach dem Konsum halluzinogener Drogen“, kommentiert das Museum die Entwicklung. Inzwischen seien Inschriften gefunden worden, die eindeutig belegten, dass die Maya schon lange an einen Fortbestand ihrer Welt jenseits des 21.12.2012 glaubten.

Hellseherin und Tarotkartenleger mit von der Partie

Dennoch ist das Datum inzwischen auch für die weltweit etwa sechs Millionen Maya von großer Bedeutung: „Für diese ist es wie der Beginn eines neuen Jahrtausends, wie bei uns damals das Millennium“, erklärt Frühsorge. Das Datum werde als einschneidendes Erlebnis gefeiert, als Aufbruch in neue Zeiten.

„Es heißt, die Maya-Götter haben gerne Party gemacht“, sagt Frühsorge und lacht herzlich. Unter diesem Vorzeichen müsse auch die Feier am nächsten Wochenende verstanden werden. An eine Apokalypse glaubten die Maya nicht.

„Aber es gibt tatsächlich Leute, die wirklich Angst vor einem Weltuntergang haben“, berichtet Professor Schmelz. Einige davon seien sogar bei ihm vorbeigekommen und hätten um Rat gefragt. Dann habe er beschwichtigt: „Natürlich geht die Welt irgendwann unter, aber nicht jetzt“, sagt er. Humorvoll wird es wohl auch bei der Party im Völkerkundemuseum zugehen, zu der mehr als 1000 Gäste erwartet werden.

Neben den Maya-Priestern hat das Museum auch einen amerikanischen Schamanen engagiert, der trommelnd und singend die Wintersonnenwende feiern wird. Darüber hinaus schauen Hellseher und Tarotkartenleger in die Zukunft. Klangmassagen, Tai-Chi, ein marokkanisches Tee-Ritual, Konzerte und Vorträge runden das Programm ab. Mitgestaltet wurde dieses vom Hamburger Buchhändler und Experten für Esoterik, Jürgen Lipp. Er fasst den Auftrag für den Abend so zusammen: „Es soll keine Party im Rausch werden, sondern eher eine, bei der die Menschen zur Besinnung kommen.“ (dapd)


Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Kontakt
  • Wir über uns
  • Impressum