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Weltbildungsbericht Arme Mädchen sind oft am ärmsten dran

Die Bildungsorganisation der Vereinten Nationen kritisiert die Geberländer: Die vor elf Jahren versprochenen Finanzhilfen stagnieren. In der Folge bleibt etwa die Analphabetenrate sehr hoch. Frauen betrifft das besonders.

01.03.2011 19:33
Frauke Haß
Ihre Schule wurde wie Hunderte andere von Taliban zerbombt: Pakistanische Mädchen bergen ihre Bücher aus dem Schutt. Foto: dpa

Bildung für alle? Das schöne Ziel, im Jahr 2000 auf dem Weltbildungsforum in Dakar als Aktionsplan bis 2015 beschlossen, bleibt auf der Strecke. Elf Jahre später ist die Botschaft des Weltbildungsberichts der Unesco: „Die meisten der im Jahr 2000 formulierten Ziele werden deutlich verfehlt.“

Von den weltweit 67 Millionen Kindern, die keine Schule besuchen, leben 28 Millionen in Ländern, in denen Konflikte toben. „Sexuelle Gewalt, gezielte Angriffe auf Schulen und weitere Menschenrechtsverletzungen gefährden die Bildung von Kindern“, warnt die Bildungsorganisation der Vereinten Nationen. Allein in Afghanistan wurden laut Bericht 2009 mindestens 613 Schulen angegriffen (2008: 347). Im Nordjemen wurden 2009 und 2010 bei Kämpfen zwischen Regierungskräften und Rebellen 220 Schulen zerstört. Bewaffnete Konflikte seien seit Dakar „als Haupthindernis für das Ziel Bildung für alle“ erkannt. Allein von den 43 Millionen Vertriebenen weltweit ist die Hälfte ? Schätzungen zufolge ? jünger als 18. Unterrichtet werden sie oft nicht.

Doch nicht nur in den Entwicklungsländern und in Staaten mit bewaffneten Konflikten hapert es mit den Bildungszielen. Zwar steht die Mehrheit der reichen Länder kurz vor der Verwirklichung universeller Sekundarbildung, während die afrikanischen Länder südlich der Sahara nur eine Einschulungsrate von 34 Prozent in der Sekundarbildung erreichen. Und doch ist die Lage auch in den Industrieländern nicht nur rosig: „Fast jeder fünfte Schüler in den OECD-Staaten (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) erreicht keinen Abschluss einer höheren Sekundarschule“. Risikofaktoren seien Armut, niedrige Bildung der Eltern und Immigrantenstatus ? und zwar weltweit.

Afrika braucht Lehrer

Der Bericht senkt jedoch nicht nur den Daumen. So gebe es beim Ziel, bis 2015 Grundbildung für alle zu erreichen, wenigstens Fortschritte: Besuchten im Jahr 2000 noch rund 106 Millionen Kinder im Grundschulalter keine Schule, so waren es 2008 nur noch 67 Millionen Kinder. Allerdings deutet der Trend inzwischen wieder nach oben. Wollte man bis 2015 universelle Grundbildung erreichen ? wie auch in den Millenniumszielen der Vereinten Nationen (UN) festgehalten ?, müssten weltweit weitere 1,9 Millionen Lehrer eingestellt werden. Mehr als die Hälfte davon im südlich der Sahara gelegenen Afrika.

Auch die Analphabetenrate ist noch sehr hoch, so können 796 Millionen Menschen weltweit nicht lesen und schreiben, davon sind fast zwei Drittel Frauen. Das passt zum Millenniumsziel Gleichstellung der Geschlechter, mit der es nicht gut bestellt ist. So kommen etwa in Somalia auf 100 Jungen in der Schule nur 55 Mädchen, in Afghanistan sind es 66.

Auch mit dem Lernerfolg sieht es in vielen Entwicklungsländern nicht gut aus. So konnte in Malawi und Sambia 2007 mehr als ein Drittel der Schüler im sechsten Schuljahr nicht fließend lesen. Einer Studie von 2009 zufolge waren in Indien nur 38 Prozent der Viertklässler auf dem Land in der Lage, einen Zweitklässler-Text zu lesen.

Niebel verspricht Hilfe

Die Gebergemeinschaft hat ihr 2000 in Dakar gegebenes Versprechen nicht eingelöst, beklagt der Bericht. Zwar habe sich die internationale Hilfe für Grundbildung fast verdoppelt, doch die Mittel stagnierten seit 2008. Der Bericht schätzt die Finanzierungslücke auf 16 Milliarden US-Dollar jährlich, um zu erreichen, dass bis 2015 alle Kinder weltweit eingeschult werden. Auf der anderen Seite kritisiert der Bericht, dass in „21 der ärmsten Länder die Militärausgaben höher sind als für die Grundbildung. Wenn diese Länder ihr Militärbudget um zehn Prozent reduzieren würden, könnten sie 9,5 Millionen Kinder einschulen.“

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) will die Bildung in Entwicklungsländern stärker fördern, um Bildungsarmut zu überwinden. Dazu stellte er am Dienstag in Berlin den Entwurf einer neuen Bildungsstrategie vor. Als Ziele nannte Niebel unter anderem Qualität und einen verbesserten Zugang zur Grundbildung. Er kündigte an, die Entwicklungshilfe für Bildung in Afrika bis 2013 zu verdoppeln.

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