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Unkrautvernichter Darum ist Glyphosat so gefährlich

Agrarwissenschaftlerin Maria Finckh über ein erhöhtes Risiko für Alzheimer, Parkinson und andere bislang eher unbekannte Gefahren des Unkrautvernichters Glyphosat.

Landwirtschaft
Weltweit ist Glyphosat das am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel überhaupt. Foto: iStock

Die Entscheidung der EU-Kommission, das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat für fünf weitere Jahre zuzulassen, hat nicht nur politisch hohe Wellen geschlagen. Wissenschaftler befürchten Gefahren für die Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Menschen. Ein internationales Team von Forscherinnen und Forschern unter der Leitung der Pflanzenpathologin Ariena van Bruggen von der University of Florida gibt auf der Basis von 220 Studien einen breiten Überblick zu den potenziellen Auswirkungen des Herbizids.

Ihr Fazit: Die in der Landwirtschaft rund um den Globus beliebte Chemikalie verändert die Gemeinschaft der Mikroorganismen in den Böden massiv. Für Menschen erhöht Glyphosat nicht nur das Risiko für Krebs, sondern auch für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson. Und: Es führt zu Kreuzresistenzen gegen Antibiotika. Das bedeutet: Bakterien, die nicht mehr auf Glyphosat reagieren, entwickeln diese Unempfindlichkeiten auch gegenüber anderen Substanzen.

Über diese in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Nebenwirkungen des meistverkauften Herbizids der Welt spricht die Agrarwissenschaftlerin Maria Finckh mit der Frankfurter Rundschau. Die Leiterin des Fachgebiets Ökologischer Pflanzenschutz an der Universität Kassel ist eine der Autorinnen der Publikation mit dem Titel „Environmental and health effects of the herbicide glyphosate“ („Effekte des Herbizids Glyphosat auf die Umgebung und die Gesundheit“).

Wenn von möglichen Gefahren durch Glyphosat die Rede ist, geht es meist um das erhöhte Krebsrisiko. In der aktuellen Analyse warnen Sie und die anderen Autorinnen und Autoren vor allem auch vor Kreuzresistenzen gegen Antibiotika. Wie sind Sie auf diesen Zusammenhang gestoßen?
Ich war 2015 an der University of Florida zu Besuch, um dort über unseren Wissensstand zu Glyphosat zu informieren. In diesem Jahr kochte die Diskussion um das Herbizid erstmals hoch. Ariena van Bruggen hatte damals schon parallel angefangen, in Zitrusplantagen zu Antibiotikaresistenzen zu recherchieren, allerdings zunächst aus einem ganz anderen Grund: Die Amerikaner wollten wissen, ob sie Antibiotika gegen einen neuen Keim einsetzen sollen oder ob es dadurch ein Umweltproblem geben wird.

Bei ihren Untersuchungen war sie dann schockiert, extrem hohe Antibiotikaresistenzen im Boden vorzufinden. Leipziger Forscher um Monika Krüger hatten bereits erhöhte Kreuzresistenzen bei Glyphosat beobachtet. Frau von Bruggen hat deshalb die Organismen, die unempfindlich gegenüber Antibiotika waren, auf eine mögliche Glyphosatresistenz getestet. Dabei stieß sie auf hohe Raten an Kreuzresistenzen: In allen Böden, in denen Glyphosat angewendet wurde, gab es eine erhebliche Resistenz gegen Antibiotika, in diesem Fall Penicillin.

In der Diskussion um Glyphosat stand die Antibiotika-Problematik bisher aber nicht im Fokus.
Im Patent steht bereits, dass das Mittel antimikrobielle Aktivität hat. Glyphosat ist damit de facto als ein Antibiotikum deklariert. Das ist an sich nichts Neues, das ist nur nicht im öffentlichen Bewusstsein.

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