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Universum Extragalaktischer Planet entdeckt

Wissenschaftler des Max-Planck-Institut für Astronomie haben sich auf die Suche nach fremden Galaxien gemacht - und einen erstaunlichen Exoplaneten gefunden. Er kreist noch um einen sterbenden Stern.

19.11.2010 14:11
Kerstin Holzheimer
Der Exoplanet (rechts) und sein Stern HIP 13044 (künstlerische Darstellung). Foto: mpia

Wissenschaftler des Max-Planck-Institut für Astronomie haben sich auf die Suche nach fremden Galaxien gemacht - und einen erstaunlichen Exoplaneten gefunden. Er kreist noch um einen sterbenden Stern.

Er kommt offenbar aus einer fremden Galaxie und hat bisher nur einen technischen Code als Namen: HIP 13044 b. Seine ursprüngliche Heimat war eine nicht mehr existierende Zwerggalaxie. Vor sechs bis neun Milliarden Jahren schluckte die Milchstraße die kleine Galaxie - "ein für die Entwicklung solcher Sternsysteme nicht untypischer Akt galaktischen Kannibalismus", erklären die Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg. Reste der »verschlungenen« Galaxie bleiben dabei oft für Milliarden von Jahren sichtbar, beispielsweise als langgestreckte Sternströme. Auch HIP 13044 ist Teil eines solchen Sternstroms der Milchstraße, des sogenannten Helmi-Stroms.

Jetzt kreist der jupiterähnliche Planet um einen sterbenden Stern - HIP 13044. Doch seine Überlebensfähigkeit hat der kleine Exoplanet schon bewiesen - denn sein Stern hat sich zu einem roten Riesenstern aufgebläht. Rund 500 Exoplaneten - sie kreisen um Sterne in unserer Nachbarschaft - haben Astronomen bereits entdeckt, doch laut MPIA ist dies der erste, der einer anderen Galaxie entstammt. »Dies ist eine für uns sehr aufregende Entdeckung« sagt Rainer Klement vom MPIA. »Erstmals haben wir in einem Sternstrom, in einem Überrest einer anderen Galaxie ein Planetensystem gefunden. Aufgrund der großen Entfernung selbst der uns nächsten Galaxien ist es unmöglich, dort sicher Planeten nachzuweisen. Doch dank der Verschmelzung dieser Zwerggalaxie mit unserer eigenen haben wir jetzt einen extragalaktischen Planeten in Reichweite unserer Teleskope.«

Das ist für die Wissenschaftler besonders interessant, weil unser Sonnensystem in ferner Zukunft ein ähnliches Schicksal erleiden könnte: Auch unsere Sonne wird in rund fünf Milliarden Jahren zu einem Roten Riesenstern werden. Während HIP 13044 unserer Sonne ursprünglich recht ähnlich gewesen sein dürfte, hat er vor einiger Zeit die »Rote-Riesen-Phase« der Sternentwicklung durchlaufen, während derer ein Stern abkühlt und seine Hülle sich auf einige hundert Mal der Größe unserer Sonne aufbläht. Anschließend erreichte der Stern seinen vergleichsweise ruhigen heutigen Zustand, der insgesamt einige Millionen Jahre dauern dürfte. In dieser Phase gewinnt der Stern seine Leuchtkraft aus der Kernfusion von Helium zu schwereren Elementen, berichtet das Team um Johny Setiawan, Leiter des Forschungsprojekts.

Setiawan und seine Kollegen vermuten, dass die derzeit sehr enge Umlaufbahn von HIP 13044 b (der durchschnittliche Abstand des Planeten von seinem Stern beläuft sich auf ganze 12 Prozent des Abstandes Erde-Sonne, mit einer Umlaufzeit von nur 16,2 Tagen) ursprünglich deutlich größer war, und dass sich der Planet während der Rote-Riesen-Phase auf seinen Stern zubewegt hat. Es gibt Anzeichen dafür, dass auch die inneren Planeten des Systems ihrem Stern in dieser Phase näher gerückt sind – und dies nicht überlebt haben »Für einen Stern dieses speziellen Typs rotiert HIP 13044 vergleichsweise schnell«, so Setiawan weiter.

»Das lässt sich erklären, wenn der Stern seine inneren Planeten verschluckt hat, als er ein Roter Riese war; dadurch hätte sich seine Rotation beschleunigt.« Auch die Tage von HIP 13044 b dürften gezählt sein. Auch ihn droht sein Stern zu verschlucken. Um ihre Daten zu erweitern, suchen die Wissenschaftler jetzt weitere Gestirne, die sterbende Sterne umkreisen. Und sie müssen noch weitere Rätsel lösen. Denn der Stern HIP 13044 verfügt nur über leichte Elemente wie Wasserstoff oder Helium. Dabei müsste er eigentlich über schwere Elemente verfügen. Doch er ist metallarm und laut Astronomen ärmer an schwereren Elementen als jeder andere Heimatstern bislang entdeckter Exoplaneten. Setiawan fügt hinzu: »In dem derzeit favorisierten Modell der Planetenentstehung ist schwer zu erklären, wie sich um einen Stern, der so wenig schwere Elemente enthält, überhaupt ein Planet gebildet haben kann.«

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