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Universitäten Milliarden für die Forschung

Expertengremium vergibt Exzellenzcluster. Am besten schneidet die Uni Bonn ab.

Philipps-Universität in Marburg
Bund und Länder investieren ab dem kommenden Jahr knapp 2,7 Milliarden Euro in die Forschung. Foto: epd

So viele Förderanträge wie noch nie waren im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern, dem Wettbewerb zur Förderung der Spitzenforschung in Deutschland, eingegangen. Besonders hart war diesmal daher der Kampf der Universitäten um die Fördersummen – und das damit verbundene Prestige. Doch von den 88 Förderanträgen aus 13 Bundesländern, die es in die Endrunde schafften, kürten ein internationales Expertengremium und die Wissenschaftsminister am Donnerstag in Bonn knapp zwei Drittel zu Exzellenzclustern: 57 Cluster an 34 Universitäten wurden ausgewählt. Von den 57 Clustern stammen 17 von Universitätsverbünden. In einem aufwendigen Verfahren seien die Projekte ausgewählt worden, betonte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU). Für die Spitzenforschung werde ein neues Kapitel aufgeschlagen. 

Als Kriterien für die Auswahl standen Multidisziplinarität sowie Kooperation mit außeruniversitären Partnern hoch im Kurs, wie Peter Strohschneider, der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, bei der Pressekonferenz betonte. Die Exzellenzstrategie habe die Forschung „im internationalen Vergleich sichtbar belebt“. Darüber hinaus qualifizierten sich insgesamt 17 Universitäten sowie zwei Uni-Verbünde, sich im nächsten Schritt um den Titel „Exzellenz-universität“ bewerben zu können. Rund 49 Prozent der Projekte knüpfen an Exzellenzcluster oder Graduiertenschulen an, die seit 2012 in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert wurden.

Groß wird die Freude an der Uni in Bonn gewesen sein, die mit sechs Clustern an der Spitze der Hochschulen liegt. Doch bei dem Elitewettbewerb gibt es nicht nur Sieger: Komplett leer ausgingen das Saarland sowie die östlichen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Auch Hessen belegt mit nur einem gemeinsamen Cluster der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Gießen einen der hinteren Plätze. Überraschenderweise konnte sich die sonst bei der Drittmitteleinwerbung durchaus erfolgreiche Technische Universität Darmstadt mit ihren zwei Projektanträgen nicht durchsetzen.

Bei der Vergabe geht es um Milliarden: Die ausgewählten Projekte können jährlich mit einer Summe von insgesamt rund 385 Millionen Euro rechnen. Über sieben Jahre hinweg beläuft sich die Summe dann insgesamt auf fast 2,7 Milliarden Euro. Das Geld soll ab dem kommenden Jahr zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent vom jeweiligen Land kommen. Wer von den erfolgreichen Hochschulen sich zudem künftig noch mit dem Titel „Exzellenzuniversität“ schmücken darf, entscheidet sich in einer nächsten Runde im Juli kommenden Jahres.

Voraussetzung, um gefördert zu werben, ist die vorige Einwerbung von mindestens zwei Exzellenzclustern, bei Universitätsverbünden müssen es sogar drei sein. Exzellenz-unis werden mit zehn bis 15 Millionen Euro im Jahr gefördert, Uni-Verbünde mit 15 bis 28 Millionen Euro. 

Im Gegensatz zur vorangegangenen Exzellenzinitiative ist die aktuelle Exzellenzstrategie nicht befristet, bis 2025 müssen die siegreichen Universitäten allerdings erfolgreich eine erneute Begutachtung durchlaufen und zum nächsten Stichtag wiederum genügend Exzellenzcluster vorweisen können. 

Viele Hochschulen bangten im Vorfeld, ob es ihnen gelingen würde, diese Hürde zu nehmen. In Frankfurt, aber auch in Bremen fiel diese Entscheidung bereits im Vorfeld, da beide Unis für zu wenig Anträge einen Zuschlag erhielten. Diese Entscheidung traf die Frankfurter Uni vor einem Jahr hart, die Enttäuschung über das schlechte Abschneiden war groß – umso größer ist nun die Freude in Frankfurt und Gießen, dass zumindest ein Antrag Erfolg hatte. 

In der aktuellen Runde ist auffällig, dass sich die hessischen Unis mit Projekten zur Spitzenforschung bis auf eine Ausnahme nicht durchsetzen konnten – für den Wissenschaftsstandort Hessen ist das eine bittere Niederlage. Einzig die Frankfurter Goethe-Universität und die Liebig-Universität Gießen sind mit einem gemeinsamen Projekt zu einem Cardio-Pulmonalen Institut zur Herz-Lungen-Forschung am Start. Keines der zwei Projekte der Technischen Universität Darmstadt wurde hingegen bewilligt, dabei ging es um die Energiewende sowie die Datenanalyse in den Geistes- und Sozialwissenschaften. „Es ist bedauerlich, dass unsere Forschungsimpulse, hochrelevante Zukunftsthemen auf sehr innovative Weise zu bearbeiten, nicht zum Zuge kommen“, sagte TU-Präsident Professor Hans Jürgen Prömel. Die Uni Gießen hatte sich zudem mit der Philipps-Universität Marburg erfolglos beworben mit einem interdisziplinären Projekt zur Frage, wie Menschen ihr Verhalten an die Umwelt anpassen.

Die positive Dynamik, die sich aus der Stärken-Schwächen-Analyse an den Universitäten speise, werde sich jedoch nur halten lassen, wenn für alle Hochschulen Grundfinanzierung und Qualität sichergestellt seien, betonte Kai Gehring von den Grünen, Bundestags-Fraktionsexperte für Bildung: „Die vielerorts stagnierende oder gar erodierende Grundfinanzierung von Universitäten und Fachhochschulen bleibt das Hauptproblem des deutschen Wissenschaftssystems“, kritisierte er. Bund und Länder müssten dauerhaft in Hochschulen investieren. (mit dpa)

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