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Universität Marburg Kampf gegen Medizinerfrust in Marburg

An der Uni Marburg starteten Studierende der Medizin bislang mit ungewissen Aussichten. Das soll sich ändern. Geplant ist eine Zusammenarbeit mit dem Klinikum Fulda.

Universität in Marburg
Die Alte Universität in Marburg. Foto: Imago

Hessen geht ein Problem für Studierende der Medizin an. An der Universität Marburg können Studierende teilweise nur bis zum Physikum bleiben. Trotz bestandener Prüfung müssen sie sich für den klinischen Abschnitt eine andere Hochschule suchen. 

Bis zum Wintersemester 2020/21 soll dieser Missstand nach und nach beendet werden – durch eine Zusammenarbeit mit dem Klinikum Fulda. Das gab Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden mit der Marburger Unipräsidentin Katharina Krause und anderen Beteiligten bekannt. 

An den Unikliniken Frankfurt und Gießen besteht das Problem nicht. Nirgends in Deutschland sei es so gravierend wie in Marburg, sagte Krause. Die Universität Göttingen habe eine ähnliche Lösung vereinbart wie Marburg, durch Kooperation mit dem Klinikum Braunschweig. 

„Dem Medizinermangel entgegenwirken“

Marburg nimmt nach Krauses Angaben pro Jahr mehr als 430 Erstsemester auf, die Humanmedizin studieren. Im klinischen Bereich, der nach vier Semestern und dem Physikum beginnt, stehen aber nur 252 Plätze zur Verfügung. Mehr als 180 Studierende starten daher mit einem so genannten Teilstudienplatz. Das bedeutet, dass sie sich nach dem Physikum an anderen Universitäten um eine Fortsetzung des Studiums bemühen müssen. 

Das sei „für Studierende eine extrem unbefriedigende Situation“, aber auch „ökonomischer Unsinn“, konstatierte Minister Rhein. „Wir verlieren damit junge angehende Ärzte.“ Nun stellt das Klinikum Fulda die Plätze für die klinische Ärzteausbildung zur Verfügung. An der Spitze aller Abteilungen stünden habilitierte Medizinerinnen und Mediziner, sagte der Vorstandssprecher der Klinik, Thomas Menzel.

Das Modell ist nach Krauses Angaben bereits mit 35 Studierenden angelaufen, was die Uni bisher noch aus eigenen Mitteln stemme. Von diesem Wintersemester an soll es 40 Plätze geben, im nächsten Jahr dann 80 und ab dem Wintersemester 2020/21 die notwendige Zahl von 185 Studienplätzen. Das Land zahlt dafür nach Rheins Angaben 750 000 Euro in diesem Jahr, 1,2 Millionen Euro 2019 und 3,75 Millionen Euro 2020. Perspektivisch soll Hessen den Planungen zufolge deutlich mehr Geld zur Verfügung stellen. Bis 2024/25 dürfte sich der jährliche Bedarf auf 26,8 Millionen Euro erhöhen. 

Als Kooperationspartner tritt die Hochschule Fulda auf. Sie biete den Medizinern Räume und ihre Mensa an, wie Hochschulpräsident Karim Khakzar erläuterte. Außerdem erhoffe er sich eine Vernetzung zwischen den Medizinern und den Angehörigen anderer Gesundheitsberufe. 
Fuldas Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU), der dem Aufsichtsrat der Klinik vorsteht, sieht in der Konstruktion einen Weg, „dem Medizinermangel entgegenzuwirken“. Es bestünden gute Chancen, dass die Ärzte am Ende ihres Studiums im ländlichen Raum blieben. 

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