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Uniti One Kampfansage an die großen Autokonzerne

Universitäts-Ausgliederungen wollen Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen, die für 15 000 Euro zu haben sind.

Elektroautos
Der E-Go soll es auf 130 Kilometer in der Stunde bringen. Foto: e-go-mobile ag

Die Zukunft des Automobils erinnert eher an ein Kleinflugzeug. Im Uniti One sitzt man zu zweit –hintereinander. Vorne fehlen, zumindest in einer Sonderversion, die Fußpedale. Stattdessen umgreift man eine Art Flugzeugsteuer: Drückt man das Steuerruder nach vorne, beschleunigt das silberne Stadtfahrzeug, zieht man es nach hinten, bremst es ab. Möglich macht das die Steer-by-Wire-Technik, bei der zwischen Lenkrad und Rädern keine mechanische Verbindung mehr existiert. Stattdessen wird der Lenkbefehl vom Sensor am Lenkrad rein elektrisch zum elektromechanischen Aktor geschickt. Damit nicht genug, kommt das futuristische Gefährt auch ganz ohne Armaturenbrett aus.

Die Anzeige mit den Informationen wird auf die Windschutzscheibe projiziert, Head-up-Display nennt sich das. Die Bedienung erfolgt direkt am Steuergriff über ein Tablet.

Gegenüber den Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb soll Uniti One rund 75 Prozent weniger CO2 emittieren. Eine 22-Kilowattstunden-Batterie treibt den 400 Kilogramm leichten Flitzer aus kohlenstoffverstärktem Kunststoff an, der es in 3,5 Sekunden auf 80 Stundenkilometer schafft. Die Batterie soll für 300 Kilometer reichen und in etwa drei Stunden aufladen – an Schnellladestationen schon in einer halben Stunde, zumindest für 200 Kilometer.

Alarm dürfte bei den etablierten deutschen Autokonzernen allerdings etwas anderes auslösen: der Preis. Gegenüber dem 14 900 Euro billigen Uniti One, den es auch als Vier- oder Fünfsitzer gibt, kostet etwa der E-Golf von Volkswagen mit 35 900 Euro mehr als das Doppelte. „Das Monopol der klassischen Autohersteller gerät ins Wanken“, sagt Andreas Knie, Chef des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (Innoz) in Berlin. Das liegt auch daran, dass es viel leichter ist, mit einem Elektroauto auf den Markt zu kommen als mit einem Verbrenner. „Die Autokonzerne waren zu arrogant, jetzt zeigt sich die Lücke in ihrem Portfolio.“

Erstmal soll es den Stadtflitzer nur in Schweden geben – ab 2019. Aber auch in Deutschland macht sich ein Start-up auf, mit einem preisgünstigen E-Mobil VW, BMW und Co den Kampf anzusagen. Und zwar E-Go, eine Ausgründung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Dessen Chef, der Produktionstechniker Günther Schuh, hat schon mit dem Streetscooter Erfolg gehabt – einem Elektro-Kleinbus, den die Deutsche Post inzwischen in Serie bauen lässt. Der Post waren die Angebote der Etablierten zu teuer. Der E-Go-Viersitzer ist als Stadtauto konzipiert. Er soll 130 Kilometer in der Stunde erreichen. 15 900 Euro kostet das Elektrofahrzeug – abzüglich der deutschen Kaufprämie von 4000 Euro für reine E-Autos bleiben 11 900 Euro. Im Oktober sollen die ersten Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert werden – etwa Pflegedienste wie die Caritas. Verkehrsforscher Knie begrüßt die neuen Elektroflitzer. Allerdings müssten sie intelligent genutzt – das heißt: geteilt – werden.

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