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Uni Frankfurt Wohnungssuche Studenten Betten für den Härtefall

Mit dem neuen Semester zeigt sich einmal mehr, wie knapp Wohnraum für Studenten in Frankfurt ist. Zum dritten Indoor Camp des Asta an der Goethe-Universität kommen mehr Wohnungssuchende denn je.

Janosch Pfeiffer auf seinem Feldbett im Notcamp des Asta der Goethe-Uni Foto: peter-juelich.com

Janosch Pfeiffers erstes Semester in Frankfurt beginnt hart. Weil der 20-Jährige eine Woche vor Vorlesungsbeginn noch keine Wohnung gefunden hat, muss er auf dem Boden schlafen. Weich ist nur seine Isomatte. Immerhin: Er hat ein Dach über dem Kopf und Gesellschaft. Denn in seiner vorübergehenden Schlafstätte, dem Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim, ist er bei weitem nicht allein. 23 Feldbetten hat der Asta der Goethe-Universität seit Montag aufgestellt, um eine Woche lang Studenten eine Unterkunft zu bieten, die noch keine Bleibe gefunden haben.

20 Anmeldungen seien per E-Mail eingegangen, sagt Daniel Katzenmaier vom Asta. „Es sind so viele wie noch nie.“ Doch es kommen etwa doppelt so viele. Das Angebot gibt es nun bereits im dritten Jahr, jedes Mal seien mehr Menschen gekommen. Das klingt dramatisch, die Bilanz ist allerdings positiv: „Allen konnte eine Wohnung vermittelt werden“, sagt Katzenmaier.

Mietangebote werden im Studierendenhaus ausgehängt, daneben gibt es die Online-Plattform wohnraum-gesucht.de, auf der Asten, Hochschulen und Studentenwerk dazu aufrufen, Wohnungen für Studenten anzubieten.

420 Euro für 18 Quadratmeter

Im Notlager zeigt sich im Kleinen ein großes Problem: Wohnraum für Studenten ist knapp, die Wohnheime sind schnell voll, neue lassen auf sich warten, während die Mieten in der Stadt steigen. „Es ist kein Problem, in Frankfurt eine Wohnung für 500 Euro Miete zu finden“, sagt David Malcharczyk vom Asta. Aber viele Studenten hätten nicht mehr als 300 Euro zur Verfügung. „Das Wohnraumproblem wird nicht richtig erkannt“, sagt er.

Janosch Pfeiffer, der aus Meckenheim bei Bonn kommt, hat sich seit Mitte September um eine Wohnung bemüht, früher ging es nicht, da er im Ausland war. Nach eigenen Angaben hat er 100 E-Mails geschrieben, drei Antworten bekommen, davon zwei Absagen. Auf ein Wohnheimszimmer hatte er keine Chance, die Warteliste ist lang. Über Facebook erfuhr er von dem Indoor-Camp, am Dienstag fuhr er hin. Bereits am Mittwoch hatte er Erfolg bei der Wohnungssuche: In der Taunusstraße fand Pfeiffer über die Internetplattform „WG gesucht“ ein Zimmer, 18 Quadratmeter mit Küche und Bad, 420 Euro warm – unbefristet. Pfeiffer spricht von einer Notlösung. Langfristig wolle er sich eine WG suchen oder mit ein paar Leuten selbst eine gründen. Das Studium finanzieren ihm seine Eltern.

Vorträge, Lesungen, Party

Obwohl Pfeiffer bereits in die Wohnung darf, bleibt er bis Freitag in der Notunterkunft. „Hier ist es besser als in der leeren Wohnung“, sagt er. „Ich lerne Leute kennen. Es ist gar nicht schlecht, so was zu machen.“ Für Unterhaltung sorgt ein Programm: Es gibt Vorträge zu hochschulpolitischen Themen und eine Einführung in die kritische Theorie, ein Rundgang durch Bockenheim zu den 68ern und eine queerfeministische Lesung sowie eine Soliparty für die Nazi-Aufmarsch-Verhinderer vom 1. Mai.

Janosch Pfeiffer hat seine ersten Bekanntschaften beim gemeinsamen Kochen gemacht. „Ohne das Camp wäre ich ziemlich aufgeschmissen“, sagt er. Die Verzweiflung auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt ist groß: Einer Studie des Immobilienentwicklers GBI zufolge sind Wohnungssuchende bereit, zwischen 430 und 460 Euro für ein WG-Zimmer zu zahlen.

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