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Ungläubiger Islam-Prof Muhammad Kalisch ist kein Muslim mehr

Radikale Gläubige bedrohen Muhammad Kalisch seit Jahren. Nun hat der Abtrünnige wieder eine seiner strittigen Ansagen gemacht: Er ist offiziell kein Muslim mehr. Von Annika Joeres

22.04.2010 00:04
Von Annika Joeres
Muhammad Kalisch lehrt Islamwissenschaft an der Uni Münster, Muslim will er nicht mehr sein. Foto: privat

Muhammad Kalisch scheut die Konfrontation nicht. Seit Jahren forscht der Münsteraner Islamwissenschaftler hinter Gitterstäben; selbst die Toiletten sind gesichert. Radikale Gläubige bedrohen den Abtrünnigen seit Jahren. Nun hat der 44-Jährige wieder eine seiner strittigen Ansagen gemacht: Kalisch ist offiziell kein Muslim mehr. Deutschlands erster Ausbilder für muslimische Religionslehrer hat sich vom Glauben abgewandt.

Seine neuerliche Glaubensabsage dürfte das dünne Tischtuch zwischen Kalisch und den Gläubigen endgültig zerrissen haben. Erbost hatte er sie schon, als er die Existenz Mohammeds anzweifelte. Die muslimischen Verbände rannten Sturm gegen den Zweifler und setzten eine zweite Professur in Münster durch. Denn Kalisch ist nicht einfach einer von rund 3,4 Millionen Muslimen in Deutschland. Er war der Pionier für eine Ausbildung muslimischer Lehrer unter staatlicher Aufsicht.

Aber der zentrale Prophet des Islam hat für Kalisch nie gelebt. "Ich fasse zusammen, was unter Wissenschaftlern längst bekannt ist", sagte er einmal lapidar. Dabei ist Kalisch, der als Jugendlicher zum Islam konvertierte, nicht bloß Kritiker des Islam. "Ich gehe davon aus, dass den Religionen keine Historie zugrunde liegt", sagt er. In den heiligen Schriften sei eine Scheinwelt geschaffen worden, die außerhalb der Theologie keine Evidenz habe.

Den Zeitpunkt seines Austritts hat er bewusst gewählt: In diesem Monat nämlich wurde ihm der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide zur Seite gestellt. Er wird die Ausbildung staatlich geprüfter Islamlehrer übernehmen. Knapp zwei Jahre hatte das NRW-Wissenschaftsministerium nach einem geeigneten Kandidaten gesucht.

Mit seinen Bekenntnissen hat Kalisch deutlich gemacht, wie eng die Verbände und Kirchen mit den Theologie-Lehrstühlen verknüpft sind. Er sucht die Auseinandersetzung geradezu. Er holte internationale Skeptiker nach Münster, die kund taten, dass am Beginn des Christentums nicht der Mensch Jesu stand, der vergöttlicht wurde, sondern eine rein mythische Idee. Auch die Erzählungen des Alten Testaments, der Exodus, das Königreich David und Salomos sind für diese Forscher erfunden. "Zweifler sind noch eine Minderheit in der Religionswissenschaft", sagt Kalisch. Er ist überzeugt, dass sie zahlreicher werden.

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