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Umfrage Schulleiter in Not

Die Mangelverwaltung trifft besonders junge Führungskräfte. Bundesweit erste repräsentative Umfrage unter 1200 Schulleitern.

Schule
Eines von vielen Problemen sind die dauerhaft unbesetzten Lehrerstellen. Foto: iStockphoto

Wie zufrieden sind Schulleiter in Deutschland mit ihrem Job? Und wo sehen sie die größten Belastungen im Schulalltag? Darum ging es bei einer bundesweiten, repräsentativen Befragung von 1200 Leitungen allgemeinbildender Schulen, die der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Auftrag gegeben hat. Der Verbandsvorsitzende Udo Beckmann präsentierte die Forsa-Umfrage bei der Eröffnung des 7. Deutschen Schulleiterkongresses in Düsseldorf. Bis Samstag treffen sich dort rund 2500 Teilnehmer und mehr als 120 Experten.

Obwohl die Mehrheit der Schulleiter – knapp 60 Prozent – angab, sehr gern zur Arbeit zu gehen, würde dennoch jeder Vierte (23 Prozent) den eigenen Beruf nicht weiterempfehlen. Noch höher ist dieser Anteil bei den jungen Führungskräften unter 40 Jahren (rund jeder Dritte). Auffällig ist auch, wie groß die Zahl derer ist, die sich im Alltag mit großen Belastungen konfrontiert sehen. Jeweils mehr als 80 Prozent der Befragten nennen an erster Stelle das wachsende Aufgabenspektrum und die steigenden Verwaltungsarbeiten.

Zudem kritisiert eine große Mehrheit der Schulleiter, dass Politiker bei ihren Entscheidungen den Schulalltag nicht ausreichend berücksichtigten. Das schlägt sich auch im Zeugnis nieder: Mit der durchschnittlichen Schulnote von 3,8 wird die Schulpolitik in den jeweiligen Bundesländern bewertet.

Belastende Faktoren: Lehrer- und Zeitmangel

Auch den Lehrer- und Zeitmangel sowie die knappen Ressourcen sehen sehr viele als belastende Faktoren. Knapp ein Drittel fühlt sich zudem unzureichend auf die Position vorbereitet. Trotz der großen Probleme wie dem Lehrermangel, den knapp 60 Prozent der Schulleiter als größte Herausforderung ansehen, sowie der Inklusion und Integration gaben 74 Prozent der Befragten an, ihre Arbeit häufig zu ihrer eigenen Zufriedenheit erledigen zu können. Bei zusammengerechnet 17 Prozent ist das jedoch nur gelegentlich oder nie der Fall. 94 Prozent fühlt sich in ihrer Leitungsfunktion von Lehrerkollegen unterstützt, aber auch durch die Eltern der Schüler (64 Prozent), und etwas mehr als die Hälfte erhält Hilfe von der erweiterten Schulleitung sowie der Schullaufsicht. Jeder dritte Schulleiter gibt an, von Gewerkschaften und Verbänden Unterstützung zu erhalten.

Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung beklagt, dass durch die „Mangelverwaltung insbesondere junge Schulleitungen demoralisiert werden“: Mehr als die Hälfte fühlte sich nicht gut vorbereitet auf die Position und konnte die Aufgaben weniger häufig zu ihrer eigenen Zufriedenheit erfüllen. Bei der neuen Generation von Schulleitern, von denen viele am Anfang einer 30-jährigen Karriere stünden, seien solche Ergebnisse alarmierend, warnte Beckmann. „Die Politik muss die Gelingensbedingungen für Schulleitungen deutlich verbessern.“

Gleichwohl lobte der Verbandschef die verbreitete positive Einstellung: „Trotz aller Hindernisse sind Schulleiter hoch motiviert und lieben ihren Beruf.“ Dass dennoch ein gewisser Prozentsatz berufliche Aufgaben oft nicht zur eigenen Zufriedenheit erfüllen kann, liege „nicht am Idealismus des Einzelnen“, sondern an den ständig wachsenden Aufgaben auch in der Verwaltung sowie dem unzureichenden Zeitbudget. „Dass unter diesen Umständen Stellen nicht besetzt werden können, sollte niemanden verwundern“, sagte Beckmann. Klar sei, dass Schulleiter „angemessen bezahlt werden müssen, um den Beruf attraktiv zu machen“. So gewaltige Herausforderungen wie Inklusion, Integration, digitales Lernen und Lehrermangel lassen sich nur durch größere Investitionen in den Bildungsbereich bewältigen.

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