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Umfrage an Schulen Lehrer: Beschimpft, bedroht, beleidigt

Eine Umfrage unter 1200 Schulleitern kommt zu einem erschütternden Ergebnis: Zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer werden sogar körperlich angegriffen.

Studie
An fast jeder zweiten Schule sind Lehrer in den vergangenen fünf Jahren Opfer von psychischer Gewalt geworden. Foto: imago

An fast jeder zweiten Schule in Deutschland sind Lehrkräfte in den vergangenen fünf Jahren Opfer von psychischer Gewalt geworden. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) hervor, für die das Meinungsforschungsinstitut Forsa bundesweit 1200 Schulleiterinnen und Schulleiter allgemeinbildender Schulen befragt hat. 48 Prozent gaben demnach an, dass es in den vergangenen fünf Jahren Fälle von psychischer Gewalt an ihrer Schule gegeben habe. 20 Prozent berichteten von Cybermobbing gegen Lehrkräfte. An jeder vierten Schule (26 Prozent) wurden Lehrerinnen und Lehrer sogar körperlich angegriffen. „Die Ergebnisse sind so eindeutig wie erschütternd“, sagt VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann.

Besonders auffällig sind die Befunde der Grundschulen. Knapp ein Drittel (32 Prozent) der befragten Schulleitungen berichtete von körperlicher Gewalt gegen Lehrkräfte. An Haupt-, Real- und Gesamtschulen waren es zwölf Prozent, an Gymnasien vier. „Es zeigt sich zum Teil ja schon in der Kita, dass viele Kinder gewisse Verhaltensmuster zu Hause nicht lernen“, sagt Beckmann. „Wenn Eltern ihren Forderungen mit Gewalt Nachdruck verleihen, muss man sich nicht wundern, wenn Kinder das dann auch machen.“ Hinzu komme, dass an Grundschulen besonders oft weibliche Lehrkräfte unterrichteten. Mit dieser Frauenrolle kämen manche Grundschulkinder nicht zurecht.

Ergebnis ist erschütternd

Ein Aspekt der Umfrage stimmt den VBE jedoch verhalten positiv: Das Thema ist nach Einschätzung von Udo Beckmann kein Tabu mehr. Nur 39 Prozent der Rektorinnen und Rektoren hielten Gewalt gegen Lehrkräfte für ein Tabuthema. Bereits 2016 hatte der Verband eine Erhebung in Auftrag gegeben, damals aber Lehrkräfte direkt befragen lassen. Von ihnen hatten mehr als die Hälfte (57 Prozent) beklagt, dass mit dem Thema weitgehend nicht offen umgegangen werde. Zuvor gab es nach Angaben des VBE keinerlei Erhebungen zur Gewalt gegen Lehrkräfte.

„Seit wir das öffentlich gemacht haben, merken wir, dass betroffene Kolleginnen und Kollegen eher den Mut haben, Unterstützung einzufordern“, so der VBE-Chef. Offenbar mit Erfolg: Wird ein Lehrer oder eine Lehrerin Opfer von Gewalt, wird er oder sie nach Einschätzung der meisten Schulleitungen (87 Prozent) vor Ort gut unterstützt. „Darüber freuen wir uns natürlich“, sagt Beckmann: „Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Jede zehnte Schulleitung schätzt, dass die Lehrkräfte nach einem Vorfall nicht ausreichend unterstützt werden konnte.“

Nach Gründen gefragt, gaben 63 Prozent an, dass sich die betroffenen Schülerinnen und Schüler uneinsichtig zeigten. Mehr als jeder Zweite (59 Prozent) berichtete von Eltern, die nicht kooperationswillig waren. Besonders bitter stößt Beckmann der am dritthäufigsten genannte Grund auf: „Jede dritte Schulleitung sagt, dass sich das Schulministerium des Themas nicht ausreichend annimmt“, berichtet Beckmann. Das sei „skandalös“.

Der VBE sieht sich dadurch in der Einschätzung bestätigt, dass die Kultusministerien der Länder dem Thema keine Beachtung schenken. Der Verband hatte 2017 bei Ministerien abgefragt, ob Statistiken zu Vorfällen von Gewalt gegen Lehrkräfte geführt und öffentlich zugänglich gemacht würden. Das Ergebnis: „Manche lassen sich von ihren Schulämtern berichten, andere geben offen zu, dass nach wie vor entsprechende Statistiken nicht geführt werden. Andere hätten sie zwar, würden sie aber nur bei parlamentarischen oder Medienanfragen veröffentlichen. Manche antworteten nach Angaben des VBE gar nicht.

„Die Politik darf mit ihrer ‚Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß‘-Haltung in keinem einzigen Bundesland mehr durchkommen“, fordert Beckmann. Statistiken müssten geführt und veröffentlicht werden. Schulpsychologen oder Sozialarbeiter sollten Lehrkräfte unterstützen. Zudem fordert der VBE ein breites Fortbildungsangebot, um Lehrerinnen und Lehrer besser auf das Verhalten in Konfliktsituationen vorzubereiten.

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