Lade Inhalte...

Uganda „Aus der Dunkelheit ins Licht“

Reinhard und Irmgard Berle aus Fritzlar helfen aidskranken Kindern und Frauen in Uganda.

Kampala
Im Institut für Infektionskrankheiten in Kampala. Foto: rtr

Einsam. Klein und unterversorgt. Mehr tot als lebendig. Das war das Schicksal der zweijährigen Tendo, als sie von ihrer aidskranken Mutter hilflos in einem Haus in Uganda zurückgelassen wurde. Tendo ist eines von vielen Kindern, die ohne die Hilfe von Hilfsorganisationen, wie dem in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) ansässigen Verein Tabitha Global Care, kaum Chancen im Leben hätten. Für diese Kinder und ihre Familien setzen sich Reinhard und seine Ehefrau Irmgard Berle seit Jahren ein. 

Frau Berle, Herr Berle, Sie reisen mehrfach jährlich nach Uganda, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen und zu helfen. Wie entsteht der Kontakt? Wie kamen Sie zum Beispiel auf die kleine Tendo? 
Reinhard Berle: Der Kontakt zu den bedürftigen Menschen entsteht durch die Projektleiterin von Tabitha Global Care Uganda, Linda Mukisa. Im konkreten Fall von Tendo wurde Linda auf die dramatische Situation von Dorfbewohnern aufmerksam gemacht und um Hilfe gebeten. Eine Nachbarin hat das hilflose Kind vorübergehend in Obhut genommen. Durch eine Patenschaft wurde dem Kind geholfen, damit es in der Familie aufwachsen kann.

Wie kamen Sie darauf, Kindern in armen Ländern wie Uganda zu helfen? 
Irmgard Berle: Durch eine Reise im Jahr 1979 nach Indien, Nepal und Bangladesch sind wir auf die Not der Kinder in armen Ländern aufmerksam geworden und haben bereits mit einer persönlichen Patenschaft begonnen. Eine Afrikareise in 1983 hat dann die Liebe zu Uganda ausgelöst. Da wir selbst keine Kinder haben, uns aber Kinder immer am Herzen lagen, waren wir motiviert, den Ärmsten der Armen zu helfen.

Wie kann man sich das Leben der Kinder dort vorstellen? 
Irmgard Berle: Kinder werden in Uganda sehr früh in die Verantwortung genommen. So sind sie beispielsweise immer mit den Frauen für das Wasserholen zuständig. Oft über kilometerweite Wege, dabei versäumen sie die Schule, weil es dafür keine Kraft, Zeit und finanziellen Mittel gibt. Die kleine Tendo ist ein Waisenkind, die Mutter hat sie aus Verzweiflung zurückgelassen, vielfach nehmen sich solche Mütter das Leben. Tendo wäre ohne Patenschaft immer eine Belastung für die Gastfamilie gewesen und der Weg auf die Straße wäre vorgezeichnet gewesen. Mit der Patenschaft spürt das Kind eine besondere Liebe, eine Wertachtung. Sie bekommt Nahrung, darf zur Schule gehen – ein Privileg. Bildung ist der Schlüssel für eine bessere Zukunft.

Wie wirken Sie der Sorge der Menschen entgegen, dass ihre Spenden nicht direkt den betroffenen Kindern vor Ort zugutekommen? 
Reinhard Berle: Jeder Mensch hat die Sorge, dass seine Spende nicht das Ziel erreicht. Tabitha Global Care arbeitet in Deutschland ehrenamtlich, also ohne Verwaltungskosten. Der Spender wird durch eine durchgängige Transparenz in Form von Bildern und Berichten, die den Verlauf eines Projektes aufzeigen, informiert. Beispielsweise beim Brunnenbau werden Bilder von den Bohrarbeiten bis zur Einweihung geliefert. Tabitha ist in Uganda und Sambia als gemeinnützige Organisation staatlich anerkannt und registriert. Damit unterliegt der Verein strengen staatlichen Kontrollen und wird von unabhängigen Wirtschaftsprüfern überprüft. Diese Kontrollen erstrecken sich auch auf die Dörfer, in denen Tabitha tätig ist.

Was sind die Ursachen dafür, dass es so viele verwaiste Kinder wie Tendo in Uganda gibt?
Irmgard Berle: Die Ursachen liegen vielfach in den wechselnden sexuellen Beziehungen der Männer, die die Krankheit in die Familien tragen. Aber auch fehlende Hygiene in Krankenhäusern ist oft ein Problem. ,Geh‘ nicht ins Krankenhaus, sonst kommst du mit Aids wieder raus‘, so einer der Sprüche. Wenn die Männer dann sterben, stehen die Frauen allein mit den Kindern und haben wenig Chancen. Oftmals bleiben nur Großmütter mit 14 oder mehr Enkelkindern zurück, die sie kaum verpflegen können.

Wie stark verbreitet sind HIV und Aids in Uganda und warum? 
Reinhard Berle: Die Dunkelziffer ist hoch, da HIV ein Tabuthema ist. Tabitha betreut im Moment elf Aids-Selbsthilfegruppen in verschiedenen Dörfern. Jede Gruppe hat zwischen 20 bis 50 Teilnehmer. Es geht darum, den Frauen das Gefühl zu vermitteln, so lange du lebst, gehörst du dazu. Und dafür zu sorgen, dass sie ihre notwendige Medizin bekommen und kleine Projekte zur Selbsthilfe anzustoßen.

Ist der Welt-Aids-Tag ein besonderer Tag vor Ort? Und wird er auch so wahrgenommen? 
Reinhard Berle: Aids ist in Uganda ein Unwort, man spricht es kaum aus. Menschen sterben auch nur „an der Krankheit“. Mit Aids wirst du diskriminiert, Nachbarn meiden dich und Vermieter kündigen dir die Wohnung. Beim Aids-Tag geht es darum, betroffenen Menschen ihre Würde zu geben, sie aus der Dunkelheit ins Licht zu holen. In diesem Jahr wird er im Dorf Kawolokota mit über 500 Personen stattfinden. Somit wird der Tag besonders wahrgenommen, da auch Politiker zugegen sind. Dabei geht es um Aufklärung und Information. Zum Beispiel erzählen Frauen über ihren Lebensweg und berichten von dem Leid durch Aids. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Uganda

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen