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Tigermücke Rasante Anpassung

Kein anderes Insekt hat sich jüngst so schnell ausgebreitet wie die Tigermücke. Frankfurter Forscher untersuchen nun ihre Kältetoleranz.

Tigermücke
Die Tigermücke überträgt die Erreger von Dengue- und Chikungunya-Fieber. Foto: dpa

Kein anderes Insekt hat sich in den letzten 30 Jahren so schnell weltweit ausgebreitet wie die Tigermücke. Eine Tatsache, die für Menschen und Tiere gefährlich werden kann. Denn die Tigermücke überträgt krankmachende Viren wie die Erreger von Dengue- und Chikungunya-Fieber. Seit einigen Jahren kommen die Blutsauger auch in Europa nördlich der Alpen vor, wo sie auch die Winter überstehen können Für Wissenschaftler ist es überraschend, wie leicht sich die ursprünglich tropische Art an neue klimatische Verhältnisse anzupassen vermag. 

Ein Forscherteam des Universitätsklinikum Frankfurt und des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums hat dieses Phänomen deshalb mit einem Experiment untersucht. Dabei kam heraus, dass ihm ein besonders schneller, epigenetischer Anpassungsmechanismus zugrunde liegen könnte. 

Epigenetische Faktoren bestimmen mit, ob ein Gen aktiv ist. Ein zentraler Prozess dabei ist die Methylierung: Kleine Moleküle docken an die DNA einer Zelle an und können so die Ausprägung von bestimmten Merkmalen aus der Erbinformation kontrollieren. Während die DNA immer konstant bleibt, kann sich die Epigenetik einer Zelle durch Umwelteinflüsse verändern.

Die Frankfurter Forscher setzten die Larven eines tropischen Stamms der Tigermücke Chemikalien aus, von denen bekannt ist, dass sie die Epigenetik beeinflussen. Anschließend sahen sie sich die Auswirkungen auf das für die Frostresistenz der Eier zuständige Erbmerkmal in den darauffolgenden Generationen an. „Wir haben die Eier schrittweise abgekühlt und dann bei rund minus zwei Grad Celsius gelagert, um so einen Winter zu simulieren“, erzählt Aljoscha Kreß vom Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Umweltmedizin der Uni Frankfurt. „Täglich haben wir Teilproben wieder aufgetaut und geschaut, wie viele Eier den ,Winter‘ überstehen.“ So habe man exakt berechnen können, ab wann die meisten Eier durch die Kälte gestorben seien. 

Die Forscher stellten fest, dass die Stechmückeneier durch bestimmte Chemikalien kälteresistent werden – über mehrere Generationen. Die behandelten Mücken konnten die frostigen Temperaturen im Ei um rund 65 Prozent länger überleben. „Epigenetische Veränderungen könnten also für die schnelle Ausbreitung der Art eine wichtige Rolle spielen“, sagt Kreß. Ihr Erkenntnisse habe die Forscher im „Journal of Insect Physiology“ veröffentlicht. 

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