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Tier-Kommunikation Delfine geben sich Namen

Große Tümmler geben sich selbst einen Namen, manche Papageien wissen, was sie sagen. Biologe Mario Ludwig berichtet Erstaunliches über die Kommunikation von Tieren.

Delfine
Das Titelthema der aktuellen Ausgabe: Talk im Tierreich. Große Tümmler stellen sich ihren Artgenossen mit Namen vor. Der Biologe Mario Ludwig erläutert, wie sich Tiere verständigen. Foto: imago

Wir Menschen haben leider keinen Einfluss auf unseren Namen, den wir ein Leben lang mit uns herumtragen müssen. Und bestimmt gibt es nicht wenige, die hadern mit dem, was sich die Eltern für sie ausgedacht haben.

Einem Großen Tümmler kann das nicht passieren. Diese Delfine geben sich selbst einen Namen (es sei denn, man wird als Hauptdarsteller einer Fernsehserie auserkoren und „Flipper“ genannt). Herausgefunden haben diese erstaunliche Tatsache schottische Wissenschaftler, der Biologe Mario Ludwig hat sie für sein Buch „Gut gebrüllt! Die Sprache der Tiere“ aufgeschrieben. Darin stellt er die verschiedenen Kommunikationsformen im Tierreich vor und versetzt die Leser ein ums andere Mal in Erstaunen. Dem Naturbuchautor gelingt das ganz leichtfüßig auf eine unterhaltsame Weise, ohne akademischen Jargon und mit einer bilderreichen, leicht verständlichen Sprache. 

Genauso lebhaft kann er auch erzählen von den Erkenntnissen, die er für sein Werk zusammengetragen hat. „Wir Menschen denken oft, Tiere können nicht mithalten bei der Kommunikation“, sagt er: „Das stimmt keineswegs. Tieren gelingt das vielleicht in der Spitze nicht so wie uns, aber in der Breite sind sie toll aufgestellt.“ Schier unglaublich, welche Methoden Lebewesen zur Verfügung stehen, um miteinander zu flirten, zu zeigen, wer wo das Sagen hat, um Artgenossen vor Feinden zu warnen, auf leckeres Fressen hinzuweisen oder den eigenen Willen kundzutun. „Da wird alles Mögliche eingesetzt, Akustik, Optik, Geruch, Körpersprache, Chemie oder auch ein lockendes Kothäufchen wie beim Rotrückensalamander“, sagt Ludwig. Manche Arten haben offenbar sogar auch ein Bewusstsein ihrer selbst und kommunizieren dank dieser Fähigkeit auf eine Weise, wie sie lange Zeit als exklusiv für Homo sapiens galt.

Dass Tiere sich mit Namen „ansprechen“, ist bislang allerdings nur bei Delfinen und bei ihnen auch nur bei der Art „Großer Tümmler“ beobachtet worden. „Sie sind die einzigen Tiere, von denen bekannt ist, dass sie, ebenso wie der Mensch, Informationen über ihre Identität austauschen“, erklärt der Biologe. Und das funktioniert so: Der Name besteht aus einer individuellen Abfolge von Pfeiftönen, die ein Delfin selbst zusammenstellt und mit denen er sich seinen Artgenossen vorstellt. Treffen mehrere Meeressäuger zusammen, die sich nicht kennen, werden zunächst diese „Signaturen“ ausgetauscht, erläutert Ludwig: „Ein bisschen ist das wie bei einer Party, wenn sich fremde Menschen einander vorstellen.“ Doch wie kommen die Großen Tümmler auf ihren Namen? Er entsteht durch „akustisches Lernen“, sagt der Biologe: Bereits die Babys lauschen den Geräuschen in ihrer Umgebung und entwickeln im Laufe der Zeit daraus ihr eigenes, neues Muster. Genau diese Sequenz bilde dann den Namen, „den sie in regelmäßigen Abständen ins Meer hinaus rufen“, über den sie über weite Distanzen auch mit ihrer Familie Kontakt halten können. 

Neben diesen Pfiffen steht Delfinen noch eine ganze Palette weiterer Lautäußerungen zur Verfügung, ergänzt Ludwig: etwa Quietschen, Trillern oder Geschnatter sowie hochfrequente Klicklaute, die außerhalb des menschlichen Hörbereichs liegen. Doch der Biologe hat noch mehr auf Lager, was Menschen erstaunt die Stirn runzeln lässt: Delfine, erklärt er, können sogar Bilder - etwa von Fischschwärmen – mit ihrem hochfrequenten Klangstrahl abscannen – „fast wie bei einer Kamera, die ein Foto macht“.

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