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Studium Studenten sind schlecht auf digitale Arbeitswelt vorbereitet

Laut dem „Hochschul-Bildungs-Report 2020“ bereiten deutsche Hochschulen ihre Studenten nicht ausreichend auf die Anforderungen der zunehmend digitalisierten Arbeitswelt vor.

Studenten werden nicht ausreichend auf das digitale Arbeitsleben vorbereitet. Foto: Reuters

Der Richter von morgen sucht mit Analyseprogrammen nach relevanten Daten zu einem Fall. Er findet mittels einer Software alles Wichtige in Urteilen zu früheren Fällen. Und mit Unterstützung von Algorithmen lässt er sich potenzielle Bausteine für sein Urteil zusammenstellen. Alles Quatsch?

Von wegen – meinen jedenfalls der Stifterverband für die deutsche Wirtschaft und die Unternehmensberatung McKinsey. Die Digitalisierung verändere auch die technikfernen Berufe und genau darauf seien die deutschen Hochschulen noch nicht ausreichend eingestellt, halten sie in ihrem Hochschulbildungsreport fest. „Unsere Hochschulen bereiten Akademiker nicht ausreichend auf die Arbeitswelt 4.0 vor“, sagte am Montag Volker Meyer-Guckel, der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbandes bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

Die Grundlage für diese Diagnose ist folgende Einschätzung: Rund ein Viertel der Tätigkeiten, die Akademiker in ihren Berufen ausüben, könnten automatisiert werden. Stifterverband und McKinsey berufen sich dabei auf eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, wobei Meyer-Guckel zugibt, dass sich ein solcher Wert nur annäherungsweise ermitteln lässt. Das heiße übrigens nicht, dass Jobs wegfielen, sagte Jürgen Schröder, Senior-Partner bei McKinsey. Vielmehr entstünden Freiräume für eine hohe Qualität der Arbeit. So habe der Richter mit der Hilfe digitaler Werkzeuge künftig mehr Zeit, sich dann tatsächlich mit dem Fall zu beschäftigen.

Diese sehr optimistische Einschätzung mag man teilen oder auch nicht – haben doch technische Veränderungsprozesse in der Vergangenheit immer wieder auch zu Jobverlusten geführt. Da die Entwicklung sich jedoch nicht einfach aufhalten lässt, ist es vernünftig, sich mit den Vorschlägen im Hochschulbildungsreport zu beschäftigen. Und da lassen sich drastische Abweichungen von der Realität erkennen.

Fallen in Zukunft vor allem akademische Routinetätigkeiten weg, so führte Meyer-Guckel aus, dann werde mehr selbstständiges und kollaboratives Arbeiten verlangt. Deshalb sollten Hochschulen ihren Studierenden mehr Wahlmöglichkeiten und Raum für individuelle Schwerpunkte bieten – also etwas, was vielen Studenten in Zeiten verschulter Bachelor-Studiengänge oft fremd geworden ist. Wichtig für ein solches individuelles Studium sei ein „begleitendes Kompetenzcoaching“. Auch das dürften die wenigsten Studenten an Massenuniversitäten bislang erlebt haben.

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