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Studieren ohne Grenzen Stipendienprogramm in Krisengebieten

In vielen Krisengebieten auf der Welt ist der Zugang zur Bildung versperrt. Der Verein „Studieren ohne Grenzen“ fördert Bildungshunger und soziales Engagement in Brennpunkten und ermöglicht unter anderem Stipendien.

Stipendiat Abdul Hakim Faizy (dritter von links) gibt für seine Landsleute in Afghanistan ehrenamtlich Englischkurse gegeben. Foto: sog (2)

Seine Eltern waren ungebildet und arm, aber Abdul Hakim Faizy hat es geschafft, trotzdem zu studieren. Darauf ist der Afghane sehr stolz – aber er ist auch dankbar für das Hochschulstipendium, das es ihm ermöglichte, an der Universität in Herat, im Westen Afghanistans, seinen Abschluss zu erwerben. Zumal Abdul Hakim Faizy dabei viele Hindernisse überwinden musste: Nach dem Tod seines Vaters kam er ins Heim, das Studium hätte er nicht aus der eigenen Tasche finanzieren können.

Das ist eines von vielen Beispielen, wie der Verein „Studieren ohne Grenzen“ Menschen in Krisenregionen unterstützt. „Unser Ziel ist, dass die jungen Menschen in ihrem Heimatland studieren können und ihr Wissen an andere weitergeben“, sagt die 21-jährige Studentin Luisa Bischoff, die in der Frankfurter Lokalgruppe des Vereins aktiv ist. Ihr gefällt das Konzept, die Stipendiaten nicht in unser europäisches Wertesystem zu zwängen, sondern die Entwicklung in Ländern wie etwa dem Kongo zu fördern, der gezeichnet ist von jahrzehntelangen Kriegen und Korruption.

„Über Skype halten wir Kontakt zu den Stipendiaten und den Partnerorganisationen vor Ort, mit denen wir zusammenarbeiten“, berichtet Fenja Bremer. Die 22-jährige Politik- und VWL-Studentin ist Koordinatorin der Frankfurter Lokalgruppe. Bereits in der Bewerbungsphase für die Stipendien achten drei unabhängige Gutachter auch auf das soziale Engagement. Schließlich ziele die Förderung darauf ab, „dass die Bewerber ein eigenes soziales Projekt in ihrer Region umsetzen“, sagt Bremer.

In der 200 000-Einwohner-Stadt Kindu hat der Medizinabsolvent Amisi Bamavu Charles beispielsweise eine eigene Krankenstation mit einer 24-Stunden-Notstation aufgebaut. „Das ist die einzige in der ganzen Stadt“, berichtet Fenja Bremer. Ein Erfolg, der sie stolz macht. Ihr Verein unterstützte den Mediziner auch noch nach seinem Stipendium mit Zuschüssen für das Krankenhaus.

Ein anderes Beispiel ist Legeny Numbi Shaka, der wöchentlich eine erfolgreiche Radio-Show für Kinder veranstaltet. „Das ist ein großer Spaß. Schon mehr als hundert Schulklassen waren bei ihm“, sagt Bremer. „Die Kinder lernen dort, miteinander zu kommunizieren.“ Neben 17 Kongolesen in Kindu werden derzeit 40 Agrarwissenschaftler in Mweso gefördert.

„In Sri Lanka bieten wir halbjährige Computerkurse an“, berichtet Bremer. Damit werden die Teilnehmer fit gemacht für den Arbeitsmarkt. Mehr als 20 Jahre lang hatte in dem Inselstaat ein grausamer Bürgerkrieg zwischen Tamilen und Singhalesen getobt. Um wiederum das Bibliotheksprojekt in Tschetschenien umzusetzen, mussten Fenja Bremer und ihr Team auch Sprachbarrieren überwinden: „Wir haben lange Zeit mit dem Übersetzungsprogramm Google Translate auf Deutsch und Russisch miteinander kommuniziert.“ Mittlerweile hat sich aber ein Deutsch-Professor aus der Hauptstadt Grozny bereiterklärt zu dolmetschen. Der Bedarf an Fachliteratur an den drei staatlichen Hochschulen ist enorm, da ein Großteil des Buchbestandes während des Krieges zerstört worden ist.

Aktuell arbeitet die Frankfurter Lokalgruppe mit bei dem Aufbau eines Stipendiatenprogramms für Ruanda. Oft sind persönliche Kontakte der Anlass für den Start eines neuen Projekts, so auch in Ruanda: „Ein Vereinsmitglied von uns ist dort geboren“, sagt Fenja Bremer. Mit anderen Studierenden zu arbeiten, mache ihr großen Spaß, „aber wir haben auch viel Verantwortung“.

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