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Studie über Muslime "Respekt schützt vor Radikalisierung"

Muslimische Zuwanderer werden seltener zu radikalen Islamisten, wenn sie mit ihrer Lebensweise respektiert werden. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung, die jetzt von der privaten Elitehochschule Jacobs University Bremen (JUB) veröffentlicht wurde. 

Respekt gegenüber den Lebensweisen von Migranten schützt vor Radikalisierung. Foto: © epd-bild / Volker Hoschek

„Unsere Studie belegt: Je mehr die Immigranten sich respektiert fühlen, desto weniger anfällig sind sie für eine Radikalisierung“, erläuterte die Psychologin Marieke van Egmond als Mitautorin der gemeinsamen Untersuchung der JUB und der University of Maryland (USA).

Unter Federführung der Professoren Klaus Boehnke und Michele Gelfand hatten die beiden Hochschulen zwischen Ende 2013 und Mitte 2014 insgesamt 464 Muslime befragt, davon 204 in Deutschland, die anderen in den USA und den Niederlanden.

Die meisten von ihnen hätten einen erfolgreichen Bildungswerdegang aufzuweisen, schreibt die JUB in einer Zusammenfassung der Studie. Ihnen mangele es nicht an formaler Integration, sondern an Anerkennung für ihre Lebensleistung. Dazu Co-Studienleiter Boehnke, Professor für Psychologie und sozialwissenschaftliche Methodenlehre: „Dies wirft sie zurück auf Lebenssichten, die in der Herkunftskultur ihrer Eltern eigentlich gar nicht mehr favorisiert werden, etwa der Überzeugung, man müsse sich am Dschihad beteiligen.“ Deshalb sollte sich Deutschland bei der Integration von Zuwanderern nicht nur auf Sprachunterricht oder kulturelle Bildung konzentrieren, sondern „wir sollten Respekt für andere Lebensweisen zum Ausdruck bringen“. 

Wie Boehnke auf Nachfrage der FR, berichtete, hatte bereits eine JUB-Studie von 2011 ergeben, dass etwa zwei Prozent der in Deutschland lebenden Muslime offen für radikalen Islamismus seien. Mit der aktuellen Befragung sollte jetzt nach den Ursachen geforscht werden. Dazu wurden die Teilnehmer unter anderem gefragt, wie oft sie sich bereits herabgewürdigt oder wie Außenseiter behandelt fühlten - und ob sie zum Beispiel der Meinung seien, dass Muslime am „kämpfenden Dschihad“ teilnehmen sollten. Dabei zeigte sich laut Boehnke ein klarer Zusammenhang zwischen Ausgrenzung und Radikalisierung.

Besonders gefährdet, so die Studie weiter, seien diejenigen muslimischen Immigranten, die kulturell heimatlos seien, die sich also weder mit der vorherrschenden Kultur ihrer Herkunftsländer noch mit der ihrer Ankunftsländer identifizieren könnten. Dieser Prozess der Marginalisierung verschärfe sich, je mehr sie ausgegrenzt würden, sich diskriminiert fühlten und „den Verlust von persönlicher Bedeutung erfahren“. Für diesen Personenkreis seien radikale Gruppen attraktiv, „weil sie nach dem Freund-Feind-Schema ein klares Zugehörigkeitsgefühl vermitteln“.

Laut JUB-Mitteilung gaben 89 Prozent der Befragten an, sich als Teil von Deutschland zu fühlen. Vorherrschend sei bei ihnen aber der Eindruck gewesen, dass die Deutschen von ihnen eine Assimilierung erwarteten, also eine völlige Anpassung, wie sie von den Befragten mehrheitlich abgelehnt werde.

77 Prozent der Studienteilnehmer sehen in Deutschland ein nicht unerhebliches Ausmaß an Islamfeindschaft - wobei eigene Erfahrungen mit religiöser oder kultureller Diskriminierung nur von zehn Prozent beklagt werden. „Auffällig ist: Je stärker die Teilnehmer sich diskriminiert fühlten, desto weniger waren sie bereit, die Werte ihrer Herkunftsländer zugunsten der in ihrer neuen Heimat vorherrschenden zurückzustellen“, heißt es weiter in der Zusammenfassung der Studie.

Die Untersuchung mit dem Titel „The Struggle to Belong: Immigrant Marginalization and Risk for Homegrown Radicalization“ („Der Kampf um Zugehörigkeit: Die Marginalisierung von Immigranten und das Risiko einer hausgemachten Radikalisierung“) erscheint laut Boehnke demnächst in der Zeitschrift „Behavioral Science & Policy“.

 

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