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Stockholm / Oslo Die Nobelpreise 2018

Die königlich-schwedische Wissenschaftsakademie zeichnet in Oslo und Stockholm die Nobelpreisträger für Frieden, Wirtschaft, Medizin, Chemie und Physik aus.

Nobelpreis
Die Nobelpreis-Medaille. Foto: Imago

1921 bekam Albert Einstein den Preis zugesprochen, und zwar für „seine Verdienste um die theoretische Physik, besonders für seine Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts“, nicht aber für die Relativitätstheorie, wie man vielleicht denken könnte. Die wirklich revolutionären Dinge werden halt selten gewürdigt. Zu den Gegnern Einsteins zählte auch Nobelpreisträger Philipp Lenard, der als nationalsozialistischer Vorkämpfer der Deutschen Physik alle Ideen Einsteins rundweg ablehnte.

Der Physik-Nobelpreis 2017 brachte wieder den Namen Einstein in die Schlagzeilen. Denn Rainer Weiss, Barry Banish und Kip Thorne erhielten ihn für ihre Beiträge zum Ligo-Detektor und die Beobachtung der Gravitationswellen. Deren Existenz ergeben sich als direkte Folge der Allgemeinen Relativitätstheorie. Einstein lag also richtig, auch wenn er selbst nie daran glaubte,  dass Gravitationswellen nachgewiesen werden könnten.

Chemie-Nobelpreis

Erster Preisträger war der Niederländer Jacobus Henricus van’Hoff für die Entdeckung der Gesetze der chemischen Dynamik und des osmotischen Drucks in Lösungen. 1911 gewann Marie Curie nach der Auszeichnung in Physik 1903 ihren zweiten Nobelpreis für die Entdeckung der Elemente Radium und Polonium. Außer ihr erhielten nur drei Frauen den Chemie-Nobelpreis: Curies Tochter Irène Joliot-Curie (1935), Dorothy Hodgkin (1964) und Ada Yonath (2009).   

1918 ging der Preis an Fritz Haber, der zusammen mit dem Industriellen Carl Bosch ein Verfahren entwickelt hatte, das die Massenproduktion von Kunstdünger möglich machte. Ein Großteil der Menschheit bleibt damit der Hungertod erspart. Doch aufgrund seiner Versuche mit Chlorgas gilt Haber auch als Vater des Gaskriegs – vielleicht dachte er ähnlich wie Alfred Nobel, das extreme Vernichtungswaffen auch extrem abschreckende Wirkung haben würden.

Friedensnobelpreis

Die Vergabe des Friedensnobelpreis führt regelmäßig zu heftigen Diskussionen. Bekannt ist das Bonmot des US-amerikanischen Satirikers Tom Lehrer, der Anfang der 1970er immer seltener auftrat – angeblich, weil die politische Satire nach der Vergabe des Friedensnobelpreises an den damaligen US-Außenminister Henry Kissinger (1973) überflüssig geworden sei. Auch andere Auszeichnungen wie die an Jassir Arafat (1994) oder Barack Obama (2009) waren - und sind noch immer - sehr umstritten. Aber das Komitee trifft oft genug auch eine richtige Wahl, so beispielsweise 1935, als der von den Nazis inhaftierte Carl von Ossietzky den Preis erhielt.

Weitere deutsche Preisträger waren Gustav Stresemann (1926), Ludwig Quidde (1927), Albert Schweitzer (1952) und Willy Brandt (1971). Erste Preisträger waren Henry Dunant, der Gründer des Roten Kreuzes, und Frédéric Passy, Gründer der französischen Friedensgesellschaft.

2014 erhielt die 17-jährige pakistanische Schülerin Malala Yousafzai zusammen mit dem indischen Kinderrechtsaktivisten Kailash Satyarthi den Preis. Yousafzai ist die jüngste Person, die bisher einen Nobelpreis erhalten hat.

Wirtschafts-Nobelpreis

Der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften gilt als der renommierteste im Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Der Wirtschafts-Nobelpreis geht nicht auf Alfred Nobel zurück, sondern wurde nachträglich von der Schwedischen Reichsbank gestiftet - Anlass war der 300. Geburtstag der Bank. Auch hier werden Frauen zumeist übergangen, einzige Preisträgerin bisher ist Elinor Ostrom (2009). 

Literatur-Nobelpreis

Ähnlich wie der Friedensnobelpreis reißt auch die Kritik am Literatur-Nobelpreis nie ab. Natürlich ist es schwer zu entscheiden, wer denn nun das „Vorzüglichste in idealistischer Richtung produziert“ habe. Aber wer Philip Roth ignoriert und dafür Bob Dylan auszeichnet, sollte sich über Kritik nicht beschweren. Arno Schmidt, der in den 1950ern vom „Stigma der Mittelmäßigkeit“ sprach, würde seine Einschätzung heute wohl nichts ändern.

Und Schmidt hatte ja recht: Viele große Schriftsteller sind glatt ignoriert worden. Ein paar seien hier genannt: Leo Tolstoi, Anton Tschechow, August Strindberg, Henrik Ibsen, Mark Twain, Marcel Proust, Rainer Maria Rilke, James Joyce, F. Scott Fitzgerald, Virginia Woolf, Henry James, Franz Kafka, Vladimir Nabokov, Jorge Luis Borges, John Updike oder Philip Roth. Wer aber kennt heute noch Sully Prudhomme, der 1901 den ersten Literatur-Nobelpreis zugesprochen bekam?

Auch die Verleihung 2017 war nicht unumstritten. Ausgezeichnet wurde Kazuo Ishiguro, mit dem kaum jemand gerechnet hatte. Und Philip Roth war damals noch am Leben.

Mehrfache Preisträger

Vier Menschen haben den Nobelpreis gleich zweimal erhalten: Marie Curie (1903 für Physik und 1911 für Chemie), Linus Pauling (1954 für Chemie und 1962 für Frieden), John Bardeen (1956 und 1972 jeweils für Physik) und Frederick Sanger (1958 und 1980 jeweils für Chemie). Gleich dreimal wurde das Internationale Komitee des Roten Kreuzes mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet (197, 1944 und 1963), zwei Friedenspreise gingen an das Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (1954 und 1981).

Nobelpreisträger 2017

Medizin/Physiologie: Jeffrey C. Hall, Michael Rosbach und Michael W. Young (Entdeckungen über die molekularen Kontrollmechanismen des circadianen Rhythmus)

Physik: Rainer Weiss, Barry Banish und Kip Thorne (Beiträge zum Ligo-Detektor und die Beobachtung der Gravitationswellen)

Chemie: Jacques Dubochet, Joachim Frank und Richard Henderson (Entwicklung der Kyro-Elektronenmikroskopie für die hochauflösende Strukturerkennung von Biomolekülen in Lösung)

Frieden: Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen

Literatur: Kazuo Ishiguro

Wirtschaft: Richard Thaler (Beiträge zur Verhaltensökonomie)

 
Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Nobelpreis

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