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Stiftungsprofessuren Gegen Militärforschung

Kritik an Stiftungsprofessuren: Mehr als 60 Bremer Wissenschaftler haben am Dienstag einen Appell gegen Militärforschung und Stiftungsprofessuren an der Universität Bremen veröffentlicht.

An der Universität Bremen gibt es Streit um Stiftungsprofessuren für Militärforschung. Das Bild zeigt den Teichbereich des Expo-Projektes "Universum" der Bremer Uni. Foto: dpa

Die Unterzeichner des Appells gegen Militärforschung in Bremen, darunter viele bereits pensionierte renommierte Professoren, wenden sich dagegen, dass die Gründer des Raumfahrtkonzerns OHB, Christa und Manfred Fuchs, der Universität Bremen eine Professur für Raumfahrttechnologie gestiftet haben. OHB produziert sowohl zivile als auch militärische Satelliten.

Nach Ansicht der Wissenschaftler setzt diese Stiftungsprofessur die Freiheit von Forschung und Lehre aufs Spiel und widerspricht dem Gründergeist der 1971 eröffneten Universität.

Auch andere befristete Stiftungsprofessuren aus der Wirtschaft, die dann nach Jahren von der Hochschule weiterfinanziert werden, bewirken aus Sicht der Unterzeichner eine „Außensteuerung der Universität“. Nach Auskunft der Uni-Pressestelle wurden von den derzeit rund 280 Professuren 18 gestiftet; neun von ihnen sind inzwischen in den regulären Betrieb überführt worden.

Einer der Initiatoren der Erklärung, der emeritierte Sozialarbeitsprofessor Rudolph Bauer, sagte am Dienstag, die von der Wirtschaft finanzierten Lehrstühle seien ein „Einfallstor“, um die Universitäten „dienstbar“ zu machen. Die Bremer Reformhochschule hatte in ihren Gründungsprinzipien die „gesellschaftliche Verantwortung“ der Wissenschaft betont. 1986 wandte sich der Akademische Uni-Senat ausdrücklich gegen Rüstungsforschung.

Ein Sprecher von Rektor Wilfried Müller verteidigte die OHB-Professur. Sie sei am angesehenen „Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation“ (ZARM) angesiedelt, das anwendungsorientierte Grundlagenforschung betreibe, sagte er der FR. Natürlich sei nicht auszuschließen, dass die Ergebnisse auch militärisch zu nutzen seien. Aber diese Problematik gelte in vielen Fällen, und wenn man sie vermeiden wolle, „dürfte man eigentlich gar nichts mehr forschen“. Klar sei aber, dass sich die Universität nicht aktiv an Kriegsforschung beteilige.

Die Universität hatte dem Ehepaar Fuchs bereits 2009 den Titel „Ehrenbürger und Förderer der Universität Bremen“ verliehen. Demonstranten versuchten damals vergeblich, dem OHB-Gründerpaar einen „blutigen Schreibtischtäter-Schreibtisch“ als Alternativauszeichnung zu übergeben.

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