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Steinzeit Umstrittenes Kapitel der Menschheitsgeschichte

Forscher widersprechen der These, dass unsere Vorfahren vor einer Million Jahren Nord- und Mitteleuropa erreichten.

Knochenfund
Der über ein anonymes Paket wiedererlangte untere Teil des gestohlenen Knochenfundes. Foto: S. Döring, R.-D. Kahlke, Senckenberg Weimar

Es ist erst wenige Monate her, dass in einer Studie die bisherige Theorie zur Ausbreitung der Menschen angezweifelt und stattdessen die These aufgestellt wurde, dass die ersten Vertreter der Gattung Homo Nord- und Mitteleuropa bereits vor etwa einer Million Jahre erreicht hätten – gut 200.000 Jahre früher, als es bislang belegt worden war. Ein internationales Team von Steinzeitexperten um den Senckenberg-Wissenschaftler Ralf-Dietrich Kahlke widerspricht dieser These nun wiederum und mutmaßt zudem, dass „Belegstücke“ dieser archäologischen Untersuchung „vermutlich aus der Forschungsgrabung Untermaßfeld gestohlen wurden“, wie es in einer Mitteilung heißt.

Die Fossilfundstelle Untermaßfeld im thüringischen Werratal ist einzigartig für die zeit vor gut einer Million Jahre. Mehr als 17.000 Fundstücke wurden dort nach Angaben von Ralf-Dietrich Kahle geborgen, sie reichen „vom winzigen Froschskelett bis hin zum größten Geparden der Erdgeschichte“. In der umstrittenen, kürzlich im Fachjournal „Journal of Human Evolution“ veröffentlichten Studie hatten die Autoren mehrere Knochen beschrieben, die ihrer Ansicht nach „durch den Menschen mit Werkzeug bearbeitet“ wurden. Das werteten sie als Nachweis dafür, das unsere Vorfahren bereits vor einer Million Jahre Mitteleuropa erreicht hatten.

Fossiler Damhirschknochen als Beweisstück

Ralf-Dietrich Kahlke dagegen sagt: „Wir graben seit den 70er Jahren in Untermaßfeld.“ Beteiligt seien mehr als 30 Forscher aus 20 Instituten des In- und Auslandes. „Spuren fossiler Hominiden sind uns allen noch nie begegnet.“ Zusammen mit internationalen Kollegen untersuchte der Eiszeitexperte von der Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläoontologie in Weimar die beschriebenen Knochen und Steine. Anders als die vorherige Studie kamen sie zu dem Ergebnis, dass es sich „weder um menschliche Werkzeuge handelt, noch dass die Stücke Bearbeitungsspuren aufweisen“. Die vermeintlichen Schnitt- und Hammerspuren an den fossilen Tierknochen hätten sich vielmehr bei genauer Betrachtung als „Folgen von Wurzelätzungen, Fraß von Raub- und Nagetieren sowie unsachgemäßer Bergung herausgestellt“, sagt Sabine Gaudzinski-Windheuser von der Universität Mainz.

Außerdem schreiben die Forscher, dass die Fundstücke auf „fragwürdige Weise in die Hände des Erstautors“ gelangt seien. Anders als behauptet, stammten sie nicht aus einer alten DDR-Sammlung. Das Weimarer Wissenschaftlerteam bringt sie vielmehr mit einer Serie von Diebstählen zwischen 2002 und 2012 in Verbindung. Ausschlaggebend für diese Vermutung sei unter anderen ein fossiler Damhirschknochen, der in einer anonymen Postsendung über das Naturhistorische Museum Schloss Bertholdsburg Schleusingen in die Sammlung der Senckenberg Forschunsstation gelangt sei. Dieses Stück, so Kahlke, sei 2009 „nachweislich aus unserer Grabung gestohlen“ und unter anderem in der umstrittenen Studie präsentiert worden. 

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