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Spendenbereitschaft Oxytocin macht spendabler

Je höher der Oxytocin-Spiegel, desto größer die Bereitschaft, etwas vom eigenen Geld abzugeben. Das "Bindungshormon" Oxytocin entfalte jedoch seine Wirkung nur, wenn es um "soziale Nachhaltigkeitsprojekte" gehe, sagen die Wissenschaftler, die zu dem Thema forschen.

Ist der Oxytocin-Spiegel hoch, ist die Bereitschaft zum Spenden größer. (Symbolbild) Foto: imago/Christian Ohde

Wie viel Geld Menschen für eine Sache zu spenden bereit sind, hängt von Spiegel des „Bindungshormons“ Oxytocin ab – je höher, desto größer die Bereitschaft, etwas vom eigenen Geld abzugeben. Das haben Forscher des Universitätsklinikums Bonn jetzt herausgefunden. Allerdings entfalte das Oxytocin nur seine Wirkung, wenn es um „soziale Nachhaltigkeitsprojekte“ geht, sagt René Hurlemann, Direktor der Abteilung für Medizinische Psychologie an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Handele es sich um „rein ökologisch ausgerichete Vorhaben“, steigere das Hormon die Fähigkeit zum Teilen nicht.

Oxytocin sorgt für die Stärkung sozialer Bindungen. Bei Verliebten und beim Stillen ist der Spiegel besonders hoch. Die Wissenschaftler führten für ihre Studie Untersuchungen mit 172 Teilnehmern durch. Jeder erhielt zehn Euro und konnte sich entscheiden, die Summe zu behalten, alles oder nur einen Teil zu spenden. Zwei reale Spendenprojekte standen zur Auswahl: ein ökologisches zu Aufforstung des Regenwaldes im Kongo und ein soziales, mit dem die Lebensgrundlagen von Ureinwohnern im Kongogebiet verbessert werden sollten. Anhand von Speichelproben testeten die Forscher während des Versuchs den Oxytocinspiegel der Teilnehmer.

Dabei zeigte sich: Probanden, bei denen während des Experiments die Hirnanhangdrüse viel Oxytocin ausschüttete, spendeten für das soziale Projekt großzügiger als jene mit geringem Spiegel. Allerdings blieb dieser Effekt für ökologische Projekte aus. In einem zweiten Experiment verabreichten die Forscher einem Teil der Testpersonen per Nasenspray Oxytocin, die anderen bekamen ein Placebo: „Das Muster wiederholte sich: Die Oxytocin-Gruppe spendet im Schnitt mehr als doppelt so viel für soziale Projekte als die unbehandelten Teilnehmer“, sagt Erstautorin Nina Marsh.

Anschließend bekamen die Probanden noch Nahrungsmittel und Kleidungsstücke in Katalogen präsentiert. Sie konnten wählen zwischen einer konventionell produzierten Version oder einer nachhaltigen und sollten für diese einen Preis angeben, den sie bezahlen wollten. Ein Katalog enthielt Ware aus sozialer Produktion, bei der auf gute Arbeitsbedingungen geachtet wurde, der andere bot ökologisch erzeugte Güter an, bei denen Wert auf den Erhalt der Artenvielfalt gelegt wurde. Die mit Oxytocin behandelte Gruppe wählte mehr sozial nachhaltig erzeugte Produkte als die Placebo-Teilnehmer und war bereit, dafür doppelt so viel Geld zu geben. Bei den ökologisch ausgerichteten Waren war praktisch kein Einfluss des Hormons erkennbar.

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