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Sozialverhalten bei Orcas Orcas sind Muttersöhnchen

Orca-Weibchen leben lang. Mit bis zu 90 Jahren schwimmen und jagen sie in ihrer Familiengruppe, lange nachdem sie die Fähigkeit zur eigenen Fortpflanzung verloren haben. Womöglich kommt diese verlängerte Alterszeit den erwachsenen Söhnen zugute.

13.09.2012 10:36
Leben gerne in Gruppen: Orcas. Foto: dapd

Orca-Weibchen leben lang. Mit bis zu 90 Jahren schwimmen und jagen sie in ihrer Familiengruppe, lange nachdem sie die Fähigkeit zur eigenen Fortpflanzung verloren haben. Womöglich kommt diese verlängerte Alterszeit den erwachsenen Söhnen zugute.

Schwertwal-Weibchen leben besonders lange, um ihre Söhne versorgen zu können: Sie kümmern sich selbst im hohen Alter noch intensiv um ihren erwachsenen männlichen Nachwuchs und stellen so offenbar dessen Überleben sicher. Sterben sie, steigt die Wahrscheinlichkeit für den Tod des Sohnes im Folgejahr immens an, wie eine Studie eines internationalen Biologenteams zeigt. Das könnte erklären, warum bei Orcas - ähnlich wie beim Menschen - die Weibchen noch viele Jahre nach dem Ende ihrer Fortpflanzungsfähigkeit weiterleben. Was genau die Mütter für ihre Söhne tun, ist allerdings noch unklar, schreiben Emma Foster von der University of Exeter und ihre Kollegen im Fachmagazin „Science“.

Langes Leben ein evolutionärer Vorteil?

Orca-Weibchen können bis in ihr viertes Lebensjahrzehnt Nachwuchs bekommen. Ihre Lebenserwartung liegt jedoch bei bis zu 90, manchmal sogar 100 Jahren. Damit sind die Schwertwale eine der ganz wenigen Tierarten, bei denen die Weibchen ihre fruchtbaren Jahre deutlich überleben. „Biologisch betrachtet ist diese Post-Menopause ein wirklich bizarres Konzept“, kommentiert Studienleiterin Foster. Warum es sie überhaupt gibt, wird bereits seit vielen Jahren intensiv untersucht. Es gibt zwei Thesen: Entweder ist die Post-Menopause eine normale Begleiterscheinung einer hohen Lebenserwartung. Oder aber sie bringt einen evolutionären Vorteil mit sich, der dazu führte, dass die entsprechenden Weibchen mehr Nachwuchs hatten und sich das Merkmal deswegen durchsetzen konnte.

Bei Orcas scheint Letzteres zuzutreffen, das legen nun die neuen Ergebnisse nahe. Foster und ihre Kollegen hatten dazu Berichte über zwei sogenannte Resident-Orca-Gruppen ausgewertet, die 36 Jahre lang die gleichen Küstenabschnitte vor dem US-Bundesstaat Washington und dem kanadischen British Columbia frequentierten. Insgesamt wurden die Daten von 589 Tieren erfasst, von denen 297 während der Studienperiode starben. Auf dieser Basis ließ sich eine Überlebenswahrscheinlichkeit für jedes einzelne Tier in jedem Alter berechnen, erläutert das Team.

Söhne ohne Mutter nur bedingt überlebensfähig

Das Ergebnis: Der Tod einer betagten Mutter wirkte sich verheerend auf die Überlebenswahrscheinlichkeit ihrer Söhne aus - vor allem dann, wenn diese bereits erwachsen waren. So wurde die Wahrscheinlichkeit, dass ein über 30 Jahre altes Männchen im Folgejahr starb, durch den Verlust der Mutter um einen Faktor 14 erhöht. Töchter profitierten zwar ebenfalls von der Anwesenheit einer älteren Mutter, bei ihnen war der Effekt jedoch sehr viel weniger ausgeprägt, berichten die Forscher.

Erklären lasse sich das vermutlich durch die ungewöhnliche Gesellschaftsstruktur der Orcas: Sie leben in Gruppen, die über die mütterliche Abstammungslinie definiert sind. So bleiben sowohl Töchter als auch Söhne einer Schwertwalmutter ein Leben lang an ihrer Seite. Ebenfalls in die Gruppe integriert werden sämtliche Nachkommen der Töchter. Die Söhne müssen dagegen auf ihren Nachwuchs verzichten: Ihre Kinder bleiben nicht bei ihnen und ihrer Mutter, sondern bei der Partnerin - also sozusagen bei der „Schwiegertochter“ der alten Orca-Weibchen - und sie leben in deren Gruppe.

Gene werden so effektiv verteilt und erhalten

Wenn ein Weibchen also dafür sorgen will, dass seine Gene möglichst effektiv verteilt und erhalten werden, sei es aus Sicht der Evolution nur logisch, sich vor allem auf das Überleben der Söhne zu konzentrieren, sagt das Team. Denn die geben die Gene zwar weiter. Da die Enkel aber nicht in der eigenen Gruppe bleiben, belasten sie die Ressourcen nicht zusätzlich.

Foster und ihre Kollegen wollen nun untersuchen, wie genau die Mütter ihre Söhne unterstützen. Denkbar sei zum einen, dass sie ihnen bei der Futtersuche helfen. Zum anderen könnten sie ihnen jedoch auch in potenziell gefährlichen Situationen beistehen.

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