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Sex-Roboter Liebe und Sex mit Robotern

In London diskutieren Wissenschaftler verschiedener Disziplinen über Liebe und Sex mit Maschinen. Es gibt bereits eine Lobbygruppe für ein Verbot von Sex-Robotern.

Frauen als reine Sex-Objekte: Fördert die Entwicklung frauenfeindliche Haltungen? Foto: istock

Der erste Konferenztag ist fast vorbei, da wird doch noch die wichtigste Frage gestellt: Wie sieht denn nun der ideale Sex-Roboter aus? Lachen ist verboten, peinliches Schweigen auch. „Also, er muss gar nicht unbedingt wie ein Mensch aussehen“, beginnt Kate Devlin, Hochschuldozentin für Computing an der Universität von London. „Seidig, sanft, nachgiebig. Aber auch nicht zu nachgiebig.“ Eleanor Hancocks Exemplar sähe aus wie ein Avatar aus dem gleichnamigen Science-Fiction-Film.

Der Süden von London, Stadtteil New Cross. Im armseligen Hinterhof der Weltstadt liegt das Goldsmith College, von Goldschmieden als Berufsfachschule gegründet, inzwischen berühmt für Avantgarde-Künstler wie Antony Gormley und Damien Hirst sowie Experimentierstätte für Soziologen und Programmierer. Was wäre besser geeignet als Schauplatz für einen Kongress zum Thema „Liebe und Sex mit Robotern“, wie ein 2007 erschienenes Buch des einstigen Schachgroßmeisters und Spieleproduzenten Levy heißt? Besser geeignet jedenfalls als Malaysia, wo eine geplante Tagung kurzerhand von der Polizei verboten wurde, wie Professor Adrian Cheok, einer der Organisatoren, lachend berichtet. Cheok und seine Mitorganisatorin Devlin haben rund drei Dutzend Computeringenieure, Ethiker und Historiker versammelt, gemeinsam wollen sie über „die Zukunft des Roboter-Sex“ nachdenken.

„Fröhlich, ein bisschen chaotisch“, findet der deutsche Maschinenethiker Oliver Bendel von der Fachhochschule Nordwestschweiz die Atmosphäre. „Die Leute wollen nachdenken und experimentieren, ehe man Verbote ausspricht.“ Tatsächlich gibt es bereits eine Lobbygruppe für den Verbot von Sex-Robotern, angeführt von der in Leicester lehrenden Maschinenethikerin Kathleen Richardson. Die Maschinen würden den traditionellen Blick auf Frauen als Sex-Objekte befördern und Beziehungen auf die rein körperliche Komponente reduzieren, argumentiert die Engländerin.

Sex ist leicht, Liebe ist schwierig

Der Diskussionsgegenstand bleibt in Goldsmith theoretisch, man wollte wohl den Anschein einer Verkaufsmesse vermeiden. Im Internet lassen sich Objekte betrachten, die beispielsweise das US-Unternehmen Abyss Creations für rund 5000 Dollar verkauft: Lebensgroße, mit sprachlichen Fähigkeiten ausgestattete Bewegungsmaschinen, mit Haaren, feiner Silikonhaut, Armen und Beinen – und natürlich den primären und sekundären Geschlechtsorganen. „Fast schockierend“ sei die Ähnlichkeit mit echten Menschen, findet Bendel.

Einen feinen Unterschied allerdings gibt es: Puppen wie „Roxxxy“ sind „immer geil“, wirbt deren Hersteller True Companion. Aber gehört zur treuen Gefährtin nicht doch ein wenig mehr als allzeit verfügbarer Sex? Eines der Probleme, die Technikern Kopfzerbrechen bereitet, wie Professor Cheok weiß. Den „Sex-Teil“ würden Programmierer schon bald lösen können, „aber der Liebes-Aspekt ist schwierig“.

Der Mann mit dem schönen Job-Titel eines „Professors für durchdringende EDV“ sagt Sexrobotern eine große Zukunft voraus: Vielleicht werde Geschlechtsverkehr mit Robotern bald ganz normal sein, glaubt Cheok – ein bisschen wie das Hören einer Beethoven-Symphonie. Normalerweise benutze man dazu die Stereoanlage, „nur ein- oder zweimal im Jahr gönnen wir uns einen Konzertbesuch“. Hingegen beschwören Skeptiker die Gefahr herauf, die Maschinen könnten zum Aussterben der Menschheit mangels Fortpflanzung beitragen. Aliens würden irgendwann unseren Planeten besuchen, fürchtet die Website Gizmo, „und nur noch Roboterteile sowie Überreste jener dämlichen, fleischlichen Geschöpfe vorfinden“.

Bendel mag das nicht recht glauben. Man habe es mit einem Nischengeschäft zu tun. „Wir sollten das weder hypen noch verdammen.“ Bendel wehrt sich jedenfalls dagegen, die Sex-Roboter in die frauenfeindliche Ecke abzudrängen. Erstens gebe es auch männliche Puppen, und zudem: „Beim Dildo wird der Mann schließlich auch komplett auf sein Geschlechtsteil reduziert.“

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