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Schulen Forscher fordern massiven Ausbau von Ganztagsschulen

Bildungsexperten fordern massive Investitionen in ein flächendeckendes Angebot von Ganztagsschulen in Deutschland. Der Bedarf steigt.

Schulunterricht
Vor allem muss die Qualität des Schulunterrichts stimmen, sagen Gewerkschafter. Foto: dpa

Mehr als 30 000 zusätzliche Lehrer, 3,3 Millionen zusätzliche Plätze und Baukosten von 15 Milliarden Euro – für ein Ganztagsschulangebot, das den Wünschen der Eltern entspricht, sind laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung erhebliche Investitionen notwendig. Die Autoren der Studie, unter ihnen der Bildungsforscher Klaus Klemm, skizzieren ein ehrgeiziges Programm: Sie schlagen vor, bis 2025 für 80 Prozent der Schüler Ganztagsplätze zu schaffen.

Dabei beziehen sie sich auf eine repräsentative Umfrage, in der sich knapp drei von vier Eltern (72 Prozent) einen Platz auf einer Ganztagsschule für ihr Kind wünschten. Die Forscher gehen davon aus, dass der Bedarf weiter steigt – angesichts der fortwährenden Flexibilisierung in der Arbeitswelt eine plausible Annahme.

Zum Vergleich: Bislang haben bundesweit nur vier von zehn Schülern einen Platz an einer Ganztagsschule. Lehrerverbände und -gewerkschaften betonen einerseits die Dringlichkeit des Ausbaus, fürchten andererseits auch, dass dafür nicht ausreichend Geld in die Hand genommen wird.

„Lernen braucht Zeit – und die Schulen sollen immer mehr soziale und gesellschaftliche Probleme ausgleichen“, sagte Ilka Hoffmann, im Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für das Thema Schule zuständig, der Frankfurter Rundschau. Und deshalb sei sie für einen konsequenten Ausbau von Ganztagsschulen.

„Es nützt aber nichts, wenn Schüler einen Platz bekommen, aber die Qualität nicht stimmt“, fügt Hoffmann hinzu. Daher müsse massiv investiert werden, auch und gerade in Lehrer und Erzieher. Auch der Verband Bildung und Erziehung hält einen solide finanzierten Ausbau von Ganztagsschulen für „zwingend erforderlich“.

Daran, dass ein Ausbau von Ganztagsschulen viel Geld kostet, gibt es keinen Zweifel. Zusätzlich zu den Kosten für den Umbau und die bessere Ausstattung von Schulen fallen laut der Bertelsmann-Studie 2,6 Milliarden Euro jährlich für zusätzliches Personal an. Dabei haben die Bildungsforscher so gerechnet, dass die Hälfte der zusätzlichen Zeit in der Schule mit Lernen verbracht werden soll. Hinzu kommen umfangreichere Pausen.

Doch ist ein so rascher Ausbau überhaupt möglich? Aus Sicht der Forscher fehlt es derzeit noch am entschiedenen politischen Gestaltungswillen. Sie rechnen vor, die Dynamik des Ganztagsschulausbaus habe in den vergangenen Jahren spürbar nachgelassen. In den Jahren von 2003 bis 2009 seien jährlich 175 000 zusätzliche Ganztagsplätze geschaffen worden. Danach seien es nur noch knapp 120 000 Plätze pro Jahr gewesen.

Es braucht mehr Personal 

Der Druck auf die Politik, mehr Plätze an Ganztagsschulen zu schaffen, dürfte in den kommenden Jahren allerdings zunehmen. Zum einen, weil es den Bedarf gibt. Zum anderen, weil mehrere Parteien im Wahlkampf in ihren Programmen zumindest einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler in Aussicht gestellt haben: So auch Union und Grüne, die gerade gemeinsam mit der FDP über eine Jamaika-Koalition verhandeln.

Sollte es in den kommenden Jahren zu größeren Fortschritten kommen, dürfte eine Schwierigkeit sein, ausreichend rasch zusätzliches qualifiziertes Personal zu finden – die Ausbildung von Lehrern dauert Jahre. GEW-Vorstand Hoffmann warnt: „Schon jetzt fehlt es oft an Grundschullehrern und Erziehern. Die Bedingungen für sie müssen attraktiver werden. Und es braucht eine gemeinsame nationale Anstrengung, um mehr Menschen für diese Berufe auszubilden. Das alles sehe ich noch nicht.“

Vor allem bleibt noch die Finanzierungsfrage. Das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern ist zwar insoweit gelockert, dass der Bund finanzschwachen Kommunen bei Gebäudeinvestitionen helfen kann. Doch für die Kosten für Lehrer müssen die Länder allein aufkommen. SPD, Grüne, Linke und FDP setzen sich dafür ein, die Regeln zu ändern, damit der Bund helfen kann. Die Union lehnt dies bislang ab. Ohne sie geht es aber nicht – es ist eine Verfassungsänderung nötig.

GEW-Vorstand Hoffmann fordert: „Das Kooperationsverbot muss fallen. Bund, Länder und Kommunen müssen bei der Bildung ohne Eitelkeiten zusammenarbeiten. Sonst wird es nicht funktionieren.“

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