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Schule Daran erkennt man einen guten Lehrer

1. UpdateWichtig ist vor allem die Beziehung zu den Schülern und die Fähigkeit, sie für den Unterrichtsstoff zu begeistern.

Lehrerin und Schüler an einer Tafel
Sollen Pädagogen auch noch Wandertage, Klassenfeste, Klassenfahrten, Betriebs- und Sozialpraktika perfekt organisieren? Foto: dpa

Klar ist, dass Seiteneinsteiger in den Beruf des Lehrers, die fachlich gut sein mögen, sozial- und sonderpädagogisch nicht so erfolgreich sein können, weil ihnen entsprechende Ausbildungs- und Fortbildungsanteile fehlen. Klar ist auch, dass die Lust, Lehrer zu sein, schwindet, wenn man alljährlich nur einen befristeten Anstellungsvertrag erhält und in den Sommerferien gar kein Honorar bekommt. Klar ist zudem, dass die Freude über die Gesichter junger Menschen nicht ausreicht, wenn das Schulgebäude marode ist, wenn es an der Ausstattung für einen modernen Unterricht fehlt und wenn Eltern mehr verlangen, als der Kräftehaushalt eines Pädagogen hergibt. Klar ist umgekehrt, wenn Eltern und Lehrer gut miteinander kooperieren, wenn Lehrer bereit sind, Hausbesuche zu machen und einzelnen Schülern nach Schulschluss Nachhilfe zu geben, so dass die Schüler merken, „an dem komme ich nicht vorbei“, dass sie dann erfolgreicher und beliebter sind.

Im Moment merken wir, wie wichtig es für Lehrkräfte ist, mit der Zeit zu gehen und flexibel zu sein, wenn es beispielsweise um die Erkenntnis geht, dass multimedial vernetzte Kinderzimmer zu anderen Hirnvernetzungen und damit zu einem ganz andersartigen Lernen in unseren jungen Menschen geführt haben, getreu dem Satz, dass heutige Lehrer einmal für Kinder früherer Zeiten ausgebildet wurden, die es heute gar nicht mehr gibt.

Schwierig ist für die jetzigen Lehrer außerdem, dass ihr öffentliches Ansehen durch die Bemerkung Gerhard Schröders, als er noch niedersächsischer Ministerpräsident war, zu einer Schülerzeitungsredaktion („Ihr wisst doch, was das gelegentlich für faule Säcke sind“), immer noch stark ramponiert ist. Zusammen mit einer durchwegs unzeitgemäßen Ausstattung der Schulen, wachsenden Schülerzahlen und damit zu hohen Klassenfrequenzen, der enorm ausgeweiteten Heterogenität der Lerngruppen durch Inklusions- und Integrationsprimate, der viel zu hohen Wochstundenverpflichtung, dem Ausbau Richtung rhythmisierte Ganztagsschule sowie der exorbitant gewachsenen Bürokratisierung des Schulalltags trifft leider allzu oft der Satz zu: „Der heutige Lehrer erinnert an einen Schiffbrüchigen, der in tosender See auf einem Floß sitzend versucht, mit Hilfe einer Apfelsinenkiste, die sich auch noch zufällig auf seinem Floß befindet, um ihn herumschwimmenden Delfinen beizubringen, wie ein Computer funktioniert.“

Eine bessere Schule mit einer höheren Zahl guter Lehrer setzt eine völlig veränderte Lehrerbildung und eine bessere Besoldung voraus, mit der dann ganz andere Menschen in den Beruf gelangen als heute noch – Menschen, die bereit sind, in einer Schule zu arbeiten, die nicht vorrangig für Lehrer da ist, sondern für Kinder und Jugendliche und für die Zukunft unserer Gesellschaft. Das kann nur eine Schule sein, die sich eher als kundenorientierter Dienstleistungsbetrieb und nicht mehr länger als so etwas wie ein Pflichtrestaurant mit Aufesszwang begreift.

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