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Schule Daran erkennt man einen guten Lehrer

1. UpdateWichtig ist vor allem die Beziehung zu den Schülern und die Fähigkeit, sie für den Unterrichtsstoff zu begeistern.

Lehrerin und Schüler an einer Tafel
Sollen Pädagogen auch noch Wandertage, Klassenfeste, Klassenfahrten, Betriebs- und Sozialpraktika perfekt organisieren? Foto: dpa

In Bayern ist gerade eine Grundschullehrerin strafversetzt worden, weil sie zu gut ist. Alle ihre Schüler hatten die vom Freistaat vorgegebenen Lernziele erreicht, keiner bekam eine 5 oder 6. Daraufhin wurde sie von der Schulaufsicht zur Rede gestellt mit dem Hinweis, dass bei einer Notenskala von 1 bis 6 sämtliche Stufen auszuschöpfen seien und dass der Klassendurchschnitt immer mit einer 3 anzusetzen sei. Das ist aber nun in besonderer Weise ungerecht, weil dann die Schüler in sozialen Brennpunkten besser benotet werden müssen als in Villenvororten mit lauter bildungsnahen und gutbetuchten Familien. Da sie ihr Verhalten nicht änderte, wurde sie schließlich an eine andere Schule versetzt.

Im „Journal of Human Resources“ erscheinen nun die Ergebnisse einer Studie, an der auch das Münchener Ifo-Institut beteiligt war, die in 31 Industriestaaten der OECD ermittelt hat, wie gut Lehrkräfte im Schnitt das Lesen und das Rechnen beherrschen. Danach wurden die Leistungen der Lehrer mit denen der Schüler verglichen, und siehe da, das Ergebnis war: Je höher die Kompetenzen der Lehrer, desto besser die Leistungen ihrer Schüler.

Je höher die Lehrer-Besoldung, desto besser die Schüler-Leistung

Die deutschen Lehrkräfte haben dabei insgesamt gut abgeschnitten: Beim Rechnen kommen sie auf den dritten Platz, beim Lesen auf den zehnten. Und wie so oft schon: Finnische und japanische Lehrer stehen ganz oben, chilenische und türkische ganz unten. Für Lehrerverbände ist dabei interessant: Je höher die Besoldung der Lehrkräfte, umso besser sind die Leistungen ihrer Schüler.

Der Neuseeländer John Hattie, der in Melbourne lehrt, hatte ja schon vor zehn Jahren ermittelt, dass das Wichtigste für den Schulerfolg die Persönlichkeit des Lehrers sei. Daran scheiterte schon der berühmte Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi; er hatte hervorragende und auch richtige Konzepte, die aber wegen seiner skurrilen Persönlichkeit überall zum Scheitern verurteilt waren.

Hattie definiert nach Auswertung von 800 internationalen und nationalen Schülerleistungsvergleichsstudien ebenso wie schon Jahrhunderte zuvor Erasmus von Rotterdam: Ein guter Lehrer vermag zu all seinen Schülern eine gute Beziehung aufzubauen, er kann ihnen gut zuhören, er wirkt mit Leidenschaft, er verfolgt gegenüber Schülern und auch Eltern stets eine klare Linie, er erreicht anspruchsvolle Lernziele, und schließlich gibt er jedem Schüler die Chance, seine Stärken voll zu entfalten. Das erinnert etwas an die vielzitierte „eierlegende Wollmilchsau“. Zum Glück wird nicht auch noch erwartet, dass er gut aussieht und geschmackvoll sowie modern gekleidet ist!

Jedes Jahr wird bundesweit nicht nur die beste Schule gekürt, sondern auch der beste Lehrer, meist auf Vorschlag von Schülern. Die Ergebnisse sind stets fragwürdig; denn ebenso wenig wie es eine an sich beste Schule gibt, denn ob eine Schule gut ist, entscheidet sich vom einzelnen Kind her, gibt es einen besten Lehrer. Ich kenne in Hamburg eine Lehrerin, die für zwei Schüler ihrer Klasse gut ist, weil sie für die beiden genau das präsentiert, was sie so dringend benötigen, und ich kenne andererseits einen sehr guten Lehrer, der für fast alle Schüler seiner Klasse gut ist, aber für zwei ganz und gar nicht. Im Übrigen kommen nur wenige Lehrer und Schulen in den Kandidatenkreis, so dass es irgendwo anders bestimmt noch bessere gibt.

Es fällt auf, dass bei der Begründung für die Kür des Deutschen Lehrerpreises immer das Wort „Begeisterungsfähigkeit“ auftaucht, also die Fähigkeit, Schüler für Unterrichtsstoffe zu begeistern; damit haben wir schon einen Aspekt für das, was einen guten Lehrer ausmacht. Früher nannte man das Motivationsfähigkeit. Das ist allerdings sehr wichtig!

Gehört aber für einen guten Lehrer auch dazu, in einer Klasse mit 36 Schülern überleben zu können? Oder nie krank zu werden? Oder Wandertage, Klassenfeste, Klassenfahrten, Betriebs- und Sozialpraktika perfekt zu organisieren? Oder gar die Integration von Migranten oder die Inklusion, also die gemeinsame Beschulung von Behinderten und Nichtbehinderten, optimal zu bewerkstelligen? Oder die Lust, über das 65. Lebensjahr hinaus Lehrer bleiben zu wollen? Oder teamfähig zu sein?

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