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Schule Angst vor Mathe kann schmerzen

Angst vor einer Mathe-Arbeit kann echte Schmerzen verursachen. Das haben ein US-amerikanischer und ein kanadischer Hirnforscher jetzt nachgewiesen.

01.11.2012 12:35
Torsten Harmsen
Mathe kann manchem Angst einjagen. Wissenschaftler versuchen nun, die Ursachen zu ergründen. Foto: dpa

Die Wissenschaftler untersuchten Menschen mit ausgeprägter Mathematik-Angst im Hirnscanner – vor und beim Lösen von Rechenaufgaben. Dabei stellten sie fest, dass die Angst im Gehirn Zentren aktiviert, die normalerweise bei körperlichen Schmerzen reagieren.

Dass Angst vor der Schule  Schmerzen auslösen können, ist keine neue Erkenntnis. Das Phänomen wurde bereits von Thomas Mann in den „Buddenbrooks“ beschrieben. „Ich habe unsinnige Angst, Kai, sie tut mir überall weh im Körper“, sagt dort der zarte, sensible Buddenbrook-Nachkomme Hanno vor der Lateinstunde zu einem Freund.

Heutige Kinder- und Jugendärzte sowie Psychologen kennen das Problem zur Genüge. Kopf- oder Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schlaflosigkeit – all diese realen Symptome haben mit der Angst vor der Schule, vor einzelnen Fächern, Prüfungen, aber auch mit sozialen Ängsten oder echten Mobbingfällen zu tun.

Wie Angst vor sozialer Ablehnung

Eine Verknüpfung von Angst mit Schmerzarealen im Gehirn habe man aber bisher nur bei der Furcht vor sozialer Ablehnung festgestellt, schreiben die Hirnforscher Ian Lyons von der University of Chicago und Sian Beilock von der Western University im kanadischen Ontario. Die soziale Furcht sei tiefsitzend und evolutionär alt. Sie aktiviere dieselben Areale wie die Angst vor Mathematik, vor einem Fach also, das „eine junge kulturelle Erfindung“ sei. Die Ursache für diesen Zusammenhang könne daher nicht in der Evolution liegen“, schreiben die Forscher im Fachmagazin Plos One.

An ihrer Studie nahmen 14 Menschen mit ausgeprägter Mathematik-Angst und 14 nicht ängstliche Kontrollpersonen teil. Die Probanden mussten sich in die Röhre eines Hirncanners legen, der mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) ihre Hirnaktivität aufzeichnete. Auf einem Computerbildschirm erschienen nacheinander Aufgaben aus verschiedenen Fächern, darunter Sprache und Mathematik.

„Entscheidend daran war, dass kurz vor jeder Aufgabe ein farbiger Kreis anzeigte, ob eine Mathematik- oder eine Sprachaufgabe folgen würde“, erklären die Forscher. Dadurch konnten sie vergleichen, ob die Probanden schon bei der Erwartung der Aufgabe unterschiedlich reagierten.

Angst kommt mit der Erwartung

Wie die Ergebnisse zeigten, waren bei den Probanden mit starker Mathematik-Angst bei der Ankündigung einer Rechenaufgabe zwei Hirnareale besonders aktiv: die sogenannte dorso-posteriore Insula (INSp) und der mittlere cingulate Cortex (MCC). Beide Zentren seien beim Menschen an der Schmerzwahrnehmung beteiligt, sagen die Forscher. Die INSp reagiere zudem auf drohende Verletzungsgefahren.

Interessant war, dass die Reaktion nicht auftrat, während die Probanden die Mathe-Aufgaben lösten, sondern nur davor. Das zeige, so die Forscher, dass nicht das eigentliche Rechnen die Schmerzempfindungen auslöse, sondern die Angst im Vorfeld.

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