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Schnecken Per Zierpflanze nach Europa

Forscher rekonstruieren, wie Schnecken aus Nordamerika eingeschleppt werden.

Bananenschnecke
Die Bananenschnecke ist die größte auf dem Land lebende Schnecke Nordamerikas. Foto: Senckenberg

So mancher Blumenstrauß würde etwas mager aussehen ohne sogenanntes „Bindegrün“ – Füllmaterial, das mehr Volumen geben soll. Doch diese Pflanzen können es in sich haben und unerwünschte Passagiere transportieren. Ein internationales Team aus Senckenberg-Wissenschaftlern und Forschern des Naturhistorischen Museums Göteborg und des Königlich Belgischen Instituts für Naturwissenschaften hat jetzt festgestellt, dass nordamerikanische Tierarten auf diese Weise nach Europa eingeschleppt werden können. So fanden sie heraus, dass verschiedene nicht-heimische Schneckenarten mit dem Import von Salal, einem verbreiteten Bindegrün für Blumensträuße, nach Schweden gelangten.

Ihre Studie dazu haben die Forscher im Fachjournal „Folia Malacologica“ veröffentlicht. Sie empfehlen darin, den Import von Zierpflanzen nach Europa stärker zu kontrollieren, um die Gefahr durch potenzielle neue invasive Arten zu verringern.

Salal Gaultheria shallon gehört zur Gattung der Scheinbeeren, erklärt Heike Reise vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz. Gemeinsam mit einem internationalen Team hat die Malakologin – Weichtierforscherin – im Verlauf des Langzeitprojektes „Synantrope Schnecken und Nacktschnecken“ mehrere Schnecken untersucht, die in verschiedenen schwedischen Blumengeschäften zwischen oder in unmittelbarer Nähe von Salal-Lieferungen gefunden wurden. „Es handelt sich hierbei um die nicht-heimischen Arten Ariolimax columbianus und Prophysaon foliolatum“, erläutert Heike Reise. Sowohl die Pflanze, als auch die Schnecken stammen ursprünglich von der Pazifikküste Nordamerikas.

Ariolimax columbianus ist eine Nacktschnecke. Wegen ihrer Größe und der gelblichen Färbung wird sie häufig auch als „Bananenschnecke“ bezeichnet. Mit bis zu 25 Zentimetern Länge ist sie die größte auf dem Land lebende Schnecke Nordamerikas. Bei Wissenschaftlern sind Bananenschnecken zudem für ein ungewöhnliches Paarungsverhalten bekannt. Beim Fortpflanzungsakt kommt es in etwa fünf Prozent der Fälle dazu, dass ein Geschlechtspartner nach der Übertragung der Samenpakete mit Hilfe seiner Raspelzunge, den noch in der Vagina steckenden Penis des anderen Partners abknabbert und ihn anschließend auffrisst. Auch die Schneckenart Prophysaon foliolatum hat eine besondere Eigenart: Die Tiere sind dazu in der Lage, sich bei einem Angriff selbst den Hinterleib zu amputieren. Diese Fähigkeit brachte ihnen den Beinamen „taildropper“ (Schwanzfallenlasser) ein. Auch diese Schnecke ist nun erstmals ins Europa aufgetaucht, sagt Heike Reise.

Beide Arten sind eigentlich vorwiegend in feuchten Küstenregenwäldern entlang der Westküste Nordamerikas zu Hause, wo sie am Boden leben. „Genau dort gedeiht Salal als üppiger Unterwuchs und wird in riesigen Mengen in Wäldern geschnitten“, erläutert Heike Reise. „Wir gehen davon aus, dass hierbei gelegentlich auch die Schnecken mitgenommen und verpackt werden. Unsere und weitere Funde der nordamerikanischen Arten tauchten immer im Zusammenhang mit dem Bindegrün auf – dies bekräftigt unsere Hypothese.“ Als „begünstigend“ für die unabsichtliche Einfuhr schätzen die Forscher die „schneckenfreundlichen“ Transport- und Lagerbedingungen der Pflanzen ein.

Während viele europäische landlebende Schneckenarten, wie die Rote Wegschnecke oder der Tigerschnegel sich bereits erfolgreich in Nordamerika niedergelassen haben, war die Einfuhr in die entgegengesetzte Richtung bisher weniger bekannt. „Um einer Invasion dieser Tiere entgegenzuwirken, empfehlen wir den von uns aufgezeigten Transportweg zukünftig besser zu kontrollieren“, sagt Reise: „Während dies in den USA und Australien schon sehr gründlich geschieht, muss diesbezüglich in Europa noch nachgerüstet werden.“

Und: Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Schnecken nicht die einzigen ungebetenen Einwanderer sein könnten: Sie sind groß und auffällig, sagt Heike Reise, es könnte deshalb gut sein, dass auch noch viele andere, kleinere Organismen über diese Route unbemerkt nach Europa gelangen.

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