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Satire über das Lehrer-Dasein Frau Freitag spioniert in der Schule

Lesetipp: Himmel und Hölle des Lehrerlebens beschreibt eine gelungene Satire über Frau Freitag - samt Anleitung wie man zum Lieblingsschüler wird.

08.09.2011 17:22
Sylvia Meise

Den Himmel, wahlweise die Hölle auf Erden beschreibt Frau Freitag, Klassenlehrerin einer „lernschwachen“ neunten Klasse, Gesamtschule, „in einer deutschen Großstadt“. Manchmal fürchtet sie das komplette Versagen. Fürchtet, aus keinem ihrer nichts arbeitenden, nichts lernenden, kaum Deutsch beherrschenden, sich ewig schminkenden oder alle Hinweise überhörenden, fluchenden, egoistischen Schüler werde je etwas werden.

Doch dann wieder hofft sie und rollt erneut den Felsbrocken Bildung den Berg hoch. Immer wieder von vorn. Dabei nimmt Frau Freitag kein Blatt vor den Mund: Lehrer, Nicht-Lehrer, Eltern und Schüler werden hingabevoll und kenntnisreich kategorisiert, analysiert und mit spitzem Vokabular perfekt karikiert.

Dass Frau Freitag dabei zu einem Pseudonym greift, ist nachvollziehbar. Und zugleich eine Aussage über den Stand nicht nur unserer pädagogischen Selbstkritikkultur. Wer will schon so jemanden im Kollegium haben? Eine Spionin, die alles mithört und auch noch darüber schreibt. Öffentlich. Die vor nichts und niemand Angst zu haben scheint, und sich sogar über sich selbst lustig macht.

Am besten hat’s bei ihr der Lieblingsschüler, gibt sie zu. Und sie liefert auch gleich eine Anleitung, wie man das wird: 1. Öfter mal in den Unterricht kommen. 2. So tun, als interessiere man sich auch dafür. 3. Mal was Lustiges sagen, aber nicht lachen, wenn sie zum x-ten mal übers Overheadprojektorkabel stolpert. 4. Nicht überangepasst sein. 5. Es schadet nicht, wenn der Schüler gut aussieht.

Da sie weiß, dass sie Lieblingsschüler hat, benotet sie, wen sie gar nicht mag, lieber ein wenig besser. Trotz des täglichen Klassenkampfs um Autorität bemitleidet sie alle Nicht-Lehrer, denn: „In der Schule passiert an einem Vormittag mehr als an allen meinen jugendlichen Wochenenden zusammen.“ Frau Freitag: Chapeau. Das Buch ist zum Schreien komisch und der Wirklichkeit derart nah, dass es wahlweise rührend, witzig oder schmerzhaft ist – so muss gute Satire sein. Sie sollte zur Entspannung an alle Lehrer ausgegeben werden, die Schule besser machen wollen.

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