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Roboter und Schadenersatz Wer haftet, wenn Roboter Fehler machen?

Roboter, die dazulernen. Computer, die autonome Entscheidungen treffen. Mit den juristischen Folgen befassen sich Experten bei einer Tagung in Bielefeld. Vieles müsse noch geregelt werden, erläutert der Würzburger Jurist Professor Eric Hilgendorf.

09.05.2012 13:34
Matthias Benirschke, dpa
Roboter «Johnny» in den Technischen Sammlungen in Dresden. Eine Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern forscht an der Entwicklung eines autonomen mobilen Assistenzroboters. Foto: dpa

Die rasante technische Entwicklung macht gesetzliche Regelungen für Roboter notwendig, fordert der Würzburger Jurist Eric Hilgendorf. „Rechtsprechung brauchen wir, wenn Gerichtsverfahren entschieden werden müssen“, sagte Hilgendorf. „Und es scheint so zu sein, dass es künftig viele Gerichtsverfahren geben wird rund um Roboter, oder wie wir sie lieber nennen: autonome Systeme.“ Juristen, Informatiker, Philosophen und Soziologen haben in dieser Woche drei Tage lang am Zentrum für Interdisziplinäre Forschung der Uni Bielefeld über Roboterrecht diskutiert.

„Es gibt dazu schon Urteile. Da geht es vor allem um Haftungsregelungen zivilrechtlicher Art, also etwa um Schadenersatz“, sagte der Professor von der Forschungsstelle Robotrecht der Universität Würzburg. Als Beispiel nannte er den Robodoc-Fall, eine Operationsmaschine, die vor einigen Jahren bei Operationen Hüftknochen zu tief ausgefräst hatte. „Hier war es ein einfacher Fall: Der Hersteller der Maschine musste haften.“

„Jetzt haben wir das Problem, dass die Maschinen immer autonomer werden. Sie werden korrekt ausgeliefert, lernen im Laufe der Zeit dazu, leider aber möglicherweise das Falsche“, sagte Hilgendorf. „Wenn daraus ein Schaden entsteht, kann der Hersteller mit starken Argumenten sagen: Das ist nicht mein Verschulden.“

So sind in Japan bereits erste Pflegeroboter im Einsatz. Die Maschine übermittelt Daten des Patienten, im Notfall schlägt sie Alarm. „Der Roboter könnte gelernt haben, ein Schnarchen als harmlos zu erkennen. Beim nächsten Patienten ist es dann ein Erstickungsanfall, den die Maschine aber für Schnarchen hält. Wer haftet?“

Roboter zu bestrafen macht keinen Sinn

„Autohersteller arbeiten an selbstfahrenden Fahrzeugen, es gibt Überwachungsroboter, Industrieroboter“, zählte Hilgendorf auf. „In der Industrierobotik versucht man jetzt, Mensch und Maschine direkt zusammenarbeiten zu lassen. Also zum Beispiel Schweißarbeiten, die von einem Menschenarm und einem Roboterarm gemeinsam ausgeführt werden.“ Aber kann eine Maschine für jede Bewegung des Menschen vorprogrammiert werden?

„Außerdem nehmen die Möglichkeiten, Technik in Menschen einzubauen, rasant zu“, stellte der Jurist fest, etwa für Parkinson-Patienten. Bei einigen Patienten komme es durch Hirnschrittmacher zu Fehlverhalten, etwa wegen eines verstärkten Sexualtriebs. „Können die dann hinterher sagen, ich war teilweise unzurechnungsfähig?“

„Schnell kommt in diesem Zusammenhang auch die Frage eines Rechtsschutzes für Roboter auf“, bedauerte Hilgendorf. „Wenn man Maschinen beibringt, Emotionen zu simulieren, wird bei vielen Menschen das Bestreben geweckt, diesen Roboter zu schützen.“ Die simple Urform sei Mitte der 90er Jahre das Tamagotchi gewesen. „Maschinen irgendwelche Rechte einzuräumen, ist aus juristischer Sicht aber natürlich absurd.“

Andersherum könne sich auch die Forderung ergeben, Roboter bei Fehlverhalten zur Rechenschaft zu ziehen. „Theoretisch könnte man auch einen Roboter bestrafen. Aber Sinn von Strafen ist ja Prävention“, erinnerte der Jurist. „Hier wäre es wohl sinnvoller, die Maschine umzuprogrammieren, als ihn ins Gefängnis zu stecken. Man sollte hier nicht vermenschlichen, etwa wie im Film „I, Robot“. Das ist Science Fiction, aber keine seriöse juristische Fragestellung.“

Derzeit drehe sich die Debatte ohnehin weniger um Haftung, sondern vielmehr um Datenschutz. „Die autonomen Systeme müssen ja ständig Daten von ihrem Gegenüber und der Umgebung aufnehmen. Was passiert damit?“

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