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Riedberg Echte Forensiker brauchen mehr Zeit

Bei der Night of Science auf dem Frankfurter Riedberg gibt es Boom-Themen – und lange Warteschlangen.

Night of Science 2017
Roboter spielen Fußball bei der Night of Science. Foto: Peter Jülich

Irgendjemanden, der beliebter ist, gibt es oftmals. Das weiß auch Jan Ferner. Da könnte man meinen, ein wenig betrübt schaut er hinüber zur anderen Gruppe; aber er nimmt es mit Humor. „Du nimmst mir wieder alle weg“, sagt er zu der jungen Frau, die ein Schild mit „Forensik für Anfänger“ hochhält und wohl um die 30 Leute hinter sich herzieht. Bei Jan ist es nur eine Handvoll. „Spinnerei im Magneten“ steht auf seinem Schild.

Es ist Samstagabend. Campus Riedberg. Es ist Night of Science. Hinter dem juvenilen Namen offenbaren sich nicht weniger als 70 Vorträge, Podiumsdiskussionen und über ein Dutzend Führungen rund um die Wissenschaft – von 17 Uhr am Nachmittag bis 5 Uhr in der Früh.

Die Uhr in dem Raum zeigt gerade kurz nach neun am Abend. Es ist eng, ein orangefarbenes Licht flackert durch die Dunkelheit. Absperrbänder halten die Leute zurück. „Die Leiche wurde schon abtransportiert“, sagt Felicitas Kutz. Auf dem Boden sind noch ihre abgesteckten Umrisse zu erkennen. Kutz promoviert zurzeit, ebenso wie Heidi Zetzsche und Tassilo Grün, mit denen sie die Führung „Forensik für Anfänger“ anbietet – die, die so sehr reüssiert bei den Besuchern. „Die Methoden hier sind halt sehr populärwissenschaftlich“, sagt Zetsche.

Die Besucher lernen in 45 Minuten, wie der Todeszeitpunkt einer Leiche bestimmt werden kann: anhand der Körpertemperatur, der Totenflecken, der Leichenstarre – oder der Insekten auf dem Körper. Und dass DNA-Tests und die Gel-Elektrophorese in der Realität so ganz anders ablaufen als im Fernsehen. Wesentlich langsamer vor allem.

„Es war schon interessant“, sagt Mark im Nachhinein – aber zu eng. Hinten habe er gar nichts sehen können. „Das hätte viel besser in einen Vorlesungssaal gepasst.“ Aber wie dem auch sei, jetzt müsse erst einmal der Magen besänftigt werden. Schließlich heißt es Night of Science, da sollte eine solide Grundlage nicht unterschätzt werden.

Wie in einer Ameisenkolonie

Ebenso wenig wie die Wartezeiten. Innerhalb der ersten Minute seien die Führungen jeweils ausgebucht, sagt Melina, die in einem Zelt steht, vor dem Massen warten. Jede Stunde gibt es die neue Chance, auf kostenlose Tickets. „Wir warten hier seit 20 Minuten“, erzählt Christian. Man wolle zu – natürlich – Forensik für Anfänger. Gerade erzählen er und seine Freunde, dass man länger zu warten bereit sei, da ruft Melina durch die Nacht, dass das Warten keinen Sinn mehr habe, weil der Andrang vorne zu groß sei. „Nutzen Sie die Zeit lieber sinnvoll“, gibt sie freundlicherweise noch mit auf den Weg.

Auf der Rückseite des Programmheftes ist für solche Situationen vorgesorgt. In Kästchen kann der eigene Plan eingetragen werden – und nebenan gleich der Plan B. Verärgert sei er nicht über das viele Warten und die Absage, sagt ein Freund von Christian, „aber es ist schon schade, wenn man nicht reinkommt.“

Auf dem Campus mutet es an wie in einer Ameisenkolonie. Es ist ein einziges menschliches Gewusel in der Dunkelheit, ein Chaos für die Wissenschaft.

David Plano weiß schon gar nicht mehr, wie viel Uhr es eigentlich ist, zu sehr ist er mit der Betreuung der Leute beschäftigt. Stickstoff-Eis bieten der Pharmazie-Student und seine Kommilitonen an. „Es ist von der Konsistenz cremig mit feinen Kristallen.“ Und es dampft. Wie sollte es anders sein, ist auch die Schlange vor dem Eiszelt lang.

Vor den Hörsälen pumpen sich Wachleute auf, damit die Räume nicht überquellen. Aber es gibt auch Ausstellungen, beispielsweise über Meteoriten und Mineralien. Dorthin zieht es zwar Menschen, aber längst nicht in Massen. Es gibt eben doch immer irgendjemanden, der beliebter ist.

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