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Raumfahrt Wie „BepiColombo“ den Merkur erforschen soll

Die europäisch-japanische Mission „BepiColombo“ macht sich auf den Weg zum Merkur. Wir erklären Aufgabe und Zeitplan - und was sich die Wissenschaftler von dem Projekt erwarten.

Engineer looks at BepiColombo at the ESA's ESTEC space centre, in Noordwijk
Ein Ingenieur schaut auf die Raumsonde "BepiColombo" der Esa. Foto: rtr

Die Mission „BepiColombo“ führt gleich zwei Raumsonden zum Planeten Merkur. Der sonnennächste und kleinste Planet unseres Sonnensystems ist das Ziel der anspruchsvollsten interplanetaren Mission, die die europäische Raumfahrtorganisation Esa bisher durchgeführt hat. „BepiColombo“ besucht mit Merkur einen Planeten, der von der Erde aus nur schwer zu beobachten ist: Blickt man Richtung Merkur, schaut man automatisch auch in Richtung der Sonne. Und die ist so hell, dass sie den kleinen Planeten meist überstrahlt. Erforscht ist der Merkur bisher kaum - nicht nur, weil er schwierig zu beobachten ist, sondern auch weil seine Nähe zur Sonne es Raumsonden nicht gerade leicht macht. Die FR gibt einen Überblick über die Mission „BepiColombo“.

Die Aufgabe der Mission „BepiColombo“

Die Mission „BepiColombo“ - benannt nach dem italienischen Mathematiker Giuseppe „Bepi“ Colombo - besteht eigentlich aus zwei Raumsonden. Die fliegen - zunächst vereint in der „Muttersonde“ MCS (Mercury Composite Spacecraft) -  zum sonnennächsten Planeten Merkur. Dort angekommen, trennt sich die Sonde „Mercury Planetary Orbiter“ (MPO) von der „Muttersonde“ ab. MPO wird von der Europäischen Raumfahrtorganisation Esa gebaut und gesteuert und soll die Oberfläche sowie die innere Zusammensetzung des Merkur untersuchen. Die zweite Sonde, die sich von MCS löst, ist der „Mercury Magnetospheric Orbiter“ (MMO). Er wird von der japanischen Raumfahrtorganisation Jaxa geliefert und gelenkt und soll die Magnetosphäre - die Region um den Planeten, die vom Magnetfeld des Merkurs beeinflusst wird - erforschen.

Die „Muttersonde“ MCS bleibt zurück und mit ihr alle Elemente, die die beiden Raumsonden im Orbit um den Planeten Merkur nicht mehr benötigen - beispielsweise den Antrieb durch Solarenergie oder den Sonnenschutz.

Was Wissenschaftler wissen möchten

Die Mission „BepiColombo“ soll den bisher nur wenig erforschten Planeten Merkur genauer untersuchen und dabei unter anderem herausfinden, wie ein Planet so nah an einem Stern entstand und wie er sich entwickelt hat. Von besonderem Interesse sind Geologie, Zusammensetzung, Struktur und die Krater des Planeten. Untersucht werden die kaum vorhandene Atmosphäre und die Magnetosphäre des Merkur. Außerdem soll nach Esa-Angaben ein Test von Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie durchgeführt werden.

Zeitplan der „BepiColombo“-Mission

„BepiColombo“ soll im Oktober 2018 (derzeit ist der Start für den 20. Oktober 2018 um 3:45 Uhr deutscher Zeit geplant) an Bord einer Ariane-5-Rakete vom Weltraumbahnhof in Kourou abheben. Neun Mal wird die Raumsonde die Schwerkraft von Erde, Venus und Merkur nutzen, um ihre Flugbahn anzupassen, bis sie im Dezember 2025 am Merkur ankommt. Dann sind zahlreiche Manöver notwendig, um die beiden Sonden in ihre Umlaufbahnen um den Merkur zu manövrieren. Im März 2026 soll die europäische Sonde MPO dann den finalen Orbit um den Merkur erreicht haben, etwas mehr als ein Jahr später - Anfang Mai 2027 - ist die geplante Mission zu Ende. Es besteht jedoch die Möglichkeit, die „BepiColombo“-Mission um ein weiteres Jahr zu verlängern.

Der Planet Merkur

Merkur ist der kleinste Planet unseres Sonnensystems. Er befindet sich ganz im Inneren und ist unserer Sonne mit einem durchschnittlichen Abstand von etwa 58 Millionen Kilometern am nächsten. Tagsüber wird es auf dem Merkur bis zu 430 Grad Celsius heiß, nachts kühlt es auf bis zu -170 Grad Celsius ab. Merkur zählt zu den erdähnlichen Planeten und ist benannt nach dem römischen Götterboten Mercurius. Der Planet Merkur hat keine eigenen Monde - es gibt jedoch die Hypothese einiger Wissenschaftler, dass Merkur einst ein Trabant des Planeten Venus war.

Weil es in der Nähe der Sonne heiß ist und die Strahlung sehr intensiv wird, gibt es kaum Raumsonden, die den Merkur bisher erforscht haben. Die Sonde „Mariner 10“ der US-Raumfahrtorganisation Nasa - an der auch Namensgeber Giuseppe Colombo beteiligt war - flog in den Jahren 1974 und 1975 mehrere Male am Merkur vorbei und schickte danach die ersten Nahaufnahmen des Planeten zur Erde. Die Nasa-Sonde „Messenger“ umkreiste den Merkur von 2011 bis 2015 und kartografierte den Planeten dabei erstmals vollständig. Im April 2015 wurde sie gezielt auf dem Merkur zum Absturz gebracht. Knapp zehn Jahre später könnten - wenn die Mission planmäßig verläuft - gleich zwei Raumsonden um den Merkur kreisen und neue Details vom kleinsten Planeten des Sonnensystems zur Erde schicken.

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