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Psychologie Forscher beweisen: Geld verdirbt den Charakter

Steve Jobs war nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil er kurzerhand seine eigenen Gesetze aufstellte und sich nicht um Moral kümmerte. Nach Experimenten sagen US-Forscher: Wer Geld hat, sieht Gier eher positiv - und betrügt öfter. Das Fazit der Wissenschaftler: Reichtum fördert die Unmoral.

28.02.2012 13:12
Steve Jobs und sein Erfolg: Wie der Apple-Gründen neigen auch andere erfolgreiche und reiche Menschen dazu, sich ihre eigenen Gesetze zu schreiben. Foto: imago

Reiche lügen und betrügen häufiger als Menschen mit niedrigerem sozialem Rang. Außerdem nehmen sie anderen im Straßenverkehr öfter die Vorfahrt. Das ist das Ergebnis von sieben Experimenten, die US-amerikanische Forscher in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“ vorstellen. (doi: 10.1073/pnas.1118373109) Wahrscheinlich verhielten sich Angehörige höherer sozialer Schichten deshalb unmoralischer, weil Gier in diesem Teil der Gesellschaft in einem positiveren Licht gesehen werde, spekulieren die Psychologen. Aber „wahrscheinlich gibt es auch Ausnahmen von den Trends“, ergänzen sie.

Wie die Forscher beobachteten, verhielten sich Menschen mit offensichtlich teureren Autos im Straßenverkehr unfairer: In San Francisco nahmen sie an einer Kreuzung häufiger die Vorfahrt und bremsten weniger oft für Fußgänger, die an einem Zebrastreifen warteten.

Auch in anderen, in der Studie gezielt herbeigeführten Situationen verhielten sich diejenigen weniger anständig, die nach eigener Einschätzung einer höheren sozialen Schicht angehörten. Nach Angaben von Paul Piff von der University of California in Berkeley und seinen Kollegen betrogen diese Probanden bei einem Spiel, bei dem sie Geld gewinnen konnten, häufiger. Die Probanden gaben in Befragungen auch an, einen Bewerber bei einem Vorstellungsgespräch eher anzulügen, wenn dieser sich erkundigte, wie sicher die Stelle sei.

Bonbons von Kindern weggenommen

Ihren eigenen Angaben nach würden sozial Höhergestellte in einer hypothetischen Situation eher Kopierpapier aus dem Büro mitnehmen, illegal Software kopieren oder ein Konkurrenzunternehmen ausspionieren. Sie tendierten auch dazu, Wechselgeld, das sie zu viel erhalten haben, einzubehalten. Wenn die Forscher den Probanden Bonbons anboten, die ausdrücklich für Kinder im Nachbarlabor bestimmt waren, griffen die Reichen zudem häufiger zu als Probanden der unteren Klassen.

Auf den ersten Blick möge das verwundern, schreiben die Forscher, da untere Schichten es eigentlich nötiger hätten, zu schummeln und sich einen Vorteil zu verschaffen. Aber nicht der höhere soziale Rang per se sei verantwortlich für das unmoralischere Verhalten, sondern die Einstellung der Probanden zum Gierigsein.

Angehörige höherer Schichten sahen diese Charaktereigenschaft als weniger negativ an als niedrigere. „Wirtschaftliche Ausbildung mit seinem Fokus auf die Maximierung von Selbstinteressen mag Menschen dazu bringen, Gier als positiv und förderlich zu sehen“, spekulieren die Wissenschaftler über den Grund dieser Sichtweise.

Steve Jobs kreierte sich eine eigene Realität

Eine andere Erklärung könnte das Beispiel Steve Jobs liefern, wie ihn sein offizieller Biograph Walter Isaacson beschrieb. Dass Jobs ausgesprochen arrogant und cholerisch war, ist kein Geheimnis. Dahinter stand aber - nach Meinung vieler, die mit ihm zusammengearbeitet haben und von Isaacson interviewt wurden - Jobs Überzeugung, klüger als andere zu sein.

Dieser fast unmenschliche Glaube an die eigene Überlegenheit ließ ihn regelmäßig die gesellschaftlichen Standards brechen und jegliche Höflichkeitsfloskeln vergessen. Jobs bog sich die Realität regelrecht zurecht und scherte sich nicht darum, ob er bzw. Apple Ideen von anderen Unternehmen übernahmen.

Jobs Credo war: Großartige Künstler klauen. Berühmt berüchtigt war sein Reality distortion field - eine Eigenschaft, die Hürden des Alltags einfach zu ignorieren und seine eigene Gesetze festzulegen. Die Folge dieser Eigenschaft war eine wohl einmalige Kreativität - doch auch viele an Mobbing und Verletzungen psychisch zerbrochene Mitarbeiter.

Ähnlich den Probanden in den Studien der US-Forscher knauserte Jobs auch mit dem Geld. Er ließ verdiente Mitarbeiter ohne Boni ausgehen, wenn sie zufällig nicht zur passenden Zeit im Unternehmen aktiv waren. Auch soll er den Erlös aus dem Verkauf der ersten Apple I-Computers, die sein Partner Steve Wozniak entwickelt hatte, nicht fair geteilt haben

Lesen Sie, wie auch ärmere Menschen leicht zum Betrügen verführt werden können.

Doch man muss kein geistiger Überflieger oder reicher Spekulant sein, um schamlos zu betrügen: Auch sozial niedriger Gestellte ließen sich zu unmoralischem Handeln verführen.

In einem Experiment forderten die US-Forscher die Probanden dazu auf, zunächst drei Vorteile von Gier aufzulisten. Damit sollte die ursprüngliche Einstellung der Teilnehmer zu diesem Wesenszug manipuliert und ins Positive verschoben werden.

Tatsächlich verhielten sich die Probanden anschließend deutlich unfairer und eigennütziger als in den vorhergehenden Durchgängen. „Das lässt vermuten, dass Individuen höherer und niedrigerer Schichten sich nicht unbedingt in ihrer Fähigkeit unterscheiden, sich unethisch zu benehmen, sondern vielmehr in ihrer Tendenz, dies auch zu tun“, heißt es in der Studie.

Aber es gebe natürlich auch Ausnahmen, bei denen sich Menschen der höheren Klasse sehr ethisch verhalten und „dem großen Guten nützen“, schreiben die Forscher. Als Beispiel nennen sie den Microsoft-Gründer Bill Gates, dessen Privatstiftung etwa die Forschung nach Impfstoffen vorantreibt und AIDS-Kranke behandelt.

Positiv fallen auch die ehemaligen Vizepräsidenten der Unternehmen Worldcom und Enron aus dem Rahmen - Cynthia Cooper und Sherron Watkins. Beide hatten als „Whistleblower“ Betrug und Fehlverhalten im eigenen Unternehmen an die Öffentlichkeit gebracht. Die Schlussfolgerung der Forscher lautet daher: „Soziale Klasse und Unethik sind weder grundsätzlich noch notwendigerweise miteinander gekoppelt.“ (dapd/vf)

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