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Öko-Institut „Raus aus dem Elfenbeinturm“

Rainer Grießhammer, Mitglied der Geschäftsführung des Öko-Instituts, über 40 Jahre ökologische Forschung und ihre Erfolge.

Blick auf das heutige Domizil des Öko-Instituts
Das heutige Domizil „Sonnenschiff“. Foto: öko-institut

Herr Grießhammer, das Öko-Institut wird 40 Jahre alt, Sie selbst sind fast von Anfang an dabei. Was haben die früheren „Turnschuh-Wissenschaftler“ erreicht? 
Eine ganze Menge – und mehr, als damals zu erwarten war. Die Gründungsidee des Öko-Instituts war es, die Umweltbewegung wissenschaftlich zu unterstützen. Mit unseren Studien und Öffentlichkeitsarbeit haben wir wesentlich zu einer ganzen Reihe von Erfolgen beigetragen: Die damals massive Verschmutzung von Luft, Wasser, Böden und Lebensmittel wurde gestoppt, Problemchemikalien wie die Ozonkiller FCKW oder das Holzschutzmittel Pentachlorphenol verboten und hochriskante AKW, der Schnelle Brüter und die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf nicht gebaut. 
 
Ziehen Sie bitte eine Bilanz von vier Jahrzehnten Umweltpolitik: Welche Probleme sind gelöst, welche nicht?
Die meisten akuten Umweltprobleme sind gelöst – durch zwar lange umstrittene, aber letztlich einfache Lösungen: den Einbau von Filtern und Katalysatoren, den Ersatz von Chemikalien durch unproblematischere Substanzen oder durch Einführung einer geordneten Abfallwirtschaft. Die grundlegenden Strukturen von Produktion und Konsum wurden aber nicht geändert, dadurch haben sich die großen, „chronischen“ Umweltprobleme aufgebaut: der Klimawandel, das Plastik in den Weltmeeren, und das nun deutlich werdende Bienen- und Insektensterben.
 
Das bedeutet doch: Es ist eine grundlegende Transformation in praktisch allen Sektoren nötig – nicht nur bei der Stromversorgung, sondern auch in der Landwirtschaft, Industrie, Mobilität und bei den Gebäuden. Ist das überhaupt zu schaffen?
Wenn man es wirklich will: Ja.
 
 

Vom Entwurf der „Energiewende“ durch Ihr Institut im Jahr 1980 bis heute, wo wir ein Drittel Ökostrom nutzen, hat es allerdings fast 40 Jahre gedauert...
Solche durchgreifenden Transformationen dauern tatsächlich Jahrzehnte. Zum einen gibt es einen massiven Widerstand aus den alten Strukturen, zum anderen müssen große Infrastrukturen geändert werden, etwa bei der Stromerzeugung, beim Tankstellennetz oder beim Gebäudebestand. 
 
Wie kann die Transformation trotzdem schneller werden? 
Die technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen haben sich in den letzten Jahrzehnten außerordentlich beschleunigt. Die Energiewende-Studie haben wir im Institut noch auf Schreibmaschine und mit Kohlepapier-Durchschlägen getippt. Die jungen Leute fragen sich heute, wie man ohne Smartphone überleben konnte. Die Digitalisierung trägt erheblich zu einer Beschleunigung der Energie- und Mobilitätwende bei, obwohl sie gar kein ökologisches Ziel hat. Multimodale Mobilität, autonome Autos oder die Steuerung von 1,5 Millionen Solar- und Windkraftanlagen sind ohne Digitalisierung nicht denkbar.
 
 

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