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Nonicotinoide Weniger Nachwuchs bei den Hummeln

Pflanzenschutzmittel lässt die Hummel-Königinnen weniger Eier legen.

10.09.2017 16:06
Hummel sammelt Nahrung an einem blühenden Rosmarinzweig.
Eine Hummel bedient sich an einem blühenden Rosmarinzweig. Foto: dpa

Bestimmte Pflanzenschutzmittel sind für Hummeln zwar nicht unmittelbar tödlich – langfristig betrachtet aber sehr wohl. In einem Laborexperiment ließ ein Wirkstoff aus der Gruppe der weit verbreiteten Neonicotinoide die Zahl eierlegender Hummelköniginnen um 26 Prozent schrumpfen. Für das Überleben einer Population habe das dramatische Folgen, berichten britische Forscher im Fachjournal „Nature Ecology & Evolution“.

Bei verbreitetem Einsatz der Substanz liege ihr errechnetes Aussterberisiko bei etwa 28 Prozent – und das sei noch vorsichtig geschätzt. Die Wissenschaftler um Gemma Baron von der Royal Holloway University of London in Egham hatten eine sehr sensible Phase im Lebenszyklus der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) betrachtet: Nach dem Winterschlaf sind die Königinnen auf sich allein gestellt, wenn sie ein Nest bauen. Fressfeinde, Parasiten und Krankheiten oder eben Umweltgifte können ihnen dann schwer zusetzen. 

Das Team ließ 319 befruchtete Hummelköniginnen überwintern und variierte dabei drei Faktoren: die Länge des Winterschlafes, den Befall mit einem Parasiten und das Vorhandensein des Neonicotinoids Thiamethoxam. Verwendet wurde über zwei Wochen eine Dosis des Wirkstoffes, wie sie auch durch landwirtschaftlichen Pestizideinsatz in der Natur vorkomme, betonen die Wissenschaftler. 

Das Ergebnis: Ein kurzer Winterschlaf verringerte erheblich die Wahrscheinlichkeit, dass eine Hummelkönigin Eier legte. Einen verstärkenden Effekt des Pestizids fanden die Forscher in diesem Fall nicht, ähnliches galt für den Parasitenbefall.

Mit Thiamethoxam belastete Königinnen legten früher Eier, zudem legten 26 Prozent weniger Königinnen Eier als in der Kontrollgruppe unbelasteter Tiere. Den Zeit-Effekt erklären Baron und Kollegen mit einem Phänomen, das auch von anderen biologischen Arten bekannt ist: Angesichts von Feinden oder anderem Umweltstress beginnen manche Tiere früher als üblich mit ihren Fortpflanzungsaktivitäten. In Modellrechnungen schlossen die Forscher dann aus den gewonnenen Daten auf das Risiko einer Population, wegen des Thiamethoxam-Einsatzes in einem Gebiet zu verschwinden. „Wenn Königinnen keine Eier produzieren und neue Völker hervorbringen, ist es möglich, dass Hummeln ganz aussterben“, erklärte Baron.

Für Dirk Süßenbach vom Umweltbundesamt (UBA) in Dessau-Roßlau fügt sich die aktuelle Studie in das Bild zahlreicher Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre ein: Immer wieder seien die Gefahren, die von Neonicotinoiden für Hummeln, Bienen und andere bestäubende Insekten ausgehen, aufgezeigt worden. Auch eine andere Beobachtung sei bemerkenswert, hebt Süßenbach hervor: „Es ist schon auffällig, dass der Rückgang von Bienenpopulationen und anderen Insekten in verschiedenen Regionen in etwa mit dem Beginn des Einsatzes von Neonicotinoiden zusammenfällt.“

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