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Neil deGrasse Tyson „Rezept für den Abbau unserer Demokratie“

Der US-Astrophysiker Neil deGrasse Tyson warnt in einem Video davor, Wissenschaft nicht ernst zu nehmen. Das sei das „Rezept für den vollständigen Abbau unserer informierten Demokratie“, sagt er.

Neil deGrasse Tyson
Neil deGrasse Tyson sieht eine beängstigende Abnahme der wissenschaftlichen Bildung in den USA. Foto: imago stock&people (imago stock&people)

In den USA ist Neil DeGrasse Tyson eine Art Wissenschafts-Star. Der Astrophysiker und Buchautor ist bekannt, seine Worte haben Gewicht, unter Präsident George W. Bush saß er in gleich zwei wissenschaftlichen Komitees. Nun wendet sich der Astrophysiker mit einem viereinhalbminütigen Video an seine Fans in den sozialen Netzwerken. In dem Video seien die „wahrscheinlich wichtigsten Worte“ zu hören, die er „jemals gesprochen“ habe, schreibt Tyson auf Facebook.

Im Video geht es um den Niedergang der wissenschaftlichen Bildung in den USA. „Wissenschaft ist ein fundamentaler Teil des Landes, das wir sind“, stellt Tyson in dem Video fest. Um das Land zu werden, das die USA heutzutage seien, hätte man in vielen Industrien Pionierarbeit geleistet -  Innovationen in Wissenschaft und Technologie inklusive.

Wenn es darum gehe, Entscheidungen über Wissenschaft zu treffen, hätten im 21. Jahrhundert jedoch viele Menschen die Fähigkeit verloren, einzuschätzen, was wahr ist und was nicht. Diesen Wandel sieht Tyson als „Rezept für den vollständigen Abbau unserer informierten Demokratie“.

Das Video, das alleine auf Facebook bereits mehr als 6,5 Millionen Mal aufgerufen und mehr als 200.000 Mal geteilt wurde, zeigt immer wieder Ausschnitte aus politischen Debatten und Nachrichten. In einem der Clips ist US-Vizepräsidenten Mike Pence in seiner Zeit als Kongressabgeordneter zu sehen. „Lasst uns verlangen, dass Lehrer in Amerika die Evolution nicht als Fakt sondern als Theorie unterrichten“, sagt Pence und zeigt sich als Kreationist, der die Evolution leugnet. In einem anderen Ausschnitt geht es um den Klimawandel, den Kritiker als „unbewiesene Wissenschaft“ sehen - zwei Seitenhiebe auf die aktuelle US-Regierung, deren Umgang mit Wissenschaft den „Science March“ am kommenden Samstag provoziert hat.

Deshalb versucht Tyson zu erklären, warum Wissenschaft eine „großartige“ Sache ist: Es gehe einzig darum, herauszufinden, was wahr ist. Man habe eine Hypothese, teste sie und erhalte ein Ergebnis. Dieses Ergebnis wiederum würde von einem Rivalen aufgegriffen und mit einem noch besseren Experiment getestet. Am Ende stelle man vielleicht fest, dass man etwas Neuem auf der Spur sei. „Daraus entsteht eine neu aufkommende Wahrheit“, so Tyson. Diese Vorgehensweise funktioniere besser als alles andere, was sich die Menschheit bisher ausgedacht habe.

„Ich kann nicht sagen, dass ich nicht glaube, dass E=mc2 stimmt - diese Option gibt es nicht“, sagt Tyson weiter. „Wenn es eine etablierte, wissenschaftliche Wahrheit gibt, ist sie wahr - ob man daran glaubt, oder nicht.“ Je früher man diesen Fakt verstehe, desto früher könne man politische Gespräche darüber beginnen, wie man die Probleme löse, vor denen die Menschheit stehe - beispielsweise den Klimawandel. „Erkennt, was Wissenschaft ist und erlaubt ihr, das zu sein, was sie kann - im Dienste der Zivilisation“, schließt Tyson seinen Appell. „Wir haben es in unserer Hand.“

Auch der Physiker und TV-Moderator Ranga Yogeshwar hat sich im FR-Interview zum Thema geäußert: „Zum Teil wird Wissenschaft bereits regelrecht abgelehnt – wie man an der Debatte in den USA um den angeblich nicht vorhandenen Klimawandel sehen kann. Deshalb muss die Wissenschaft jetzt aufstehen und die Logik der Aufklärung verteidigen“, sagt Yogeshwar, der beim „Science March“ in Berlin als einer der Redner angekündigt ist.

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