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Nationalakademie Stimme der Wissenschaft

Die Nationalakademie Leopoldina berät Politiker seit zehn Jahren. Das Resultat kann sich sehen lassen.

Leopoldina
In dem Saal kommt das Präsidium der Leopoldina in Halle zusammen. Foto: Markus Scholz/Leopoldina

Die Leopoldina, im Jahr 1652 von vier Ärzten in Schweinfurt zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Naturforschern gegründet, zählt zu den ältesten Gelehrtengesellschaften der Welt. Unter den Reichsakademien im 17. Jahrhundert erlangt sie bald einen Sonderstatus, da Kaiser Leopold I. der Leopoldina Zensurfreiheit zusichert.

Die Unabhängigkeit der Wissenschaften haben deren Präsidenten bis heute immer wieder verteidigt – wobei das in der NS-Zeit kaum möglich war. Denn die Faschisten achteten bei der Aufnahme von Akademiemitgliedern nicht in erster Linie auf die wissenschaftliche Qualifikation, sondern auf deren politische Gesinnung. Zudem wurden viele jüdische Wissenschaftler aus der Mitgliederliste gestrichen. Das wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs rückgängig gemacht.

Seit 1878 hat die Leopoldina ihren Sitz in der Universitätsstadt Halle an der Saale. Zuvor war die Akademie während ihrer „Wanderjahre“ dorthin gezogen, wo der jeweilige Präsident wirkte. In der DDR wehrte sich die Akademie gegen die drohende Eingliederung in andere Einrichtungen und pochte auf den freien wissenschaftlichen Austausch in dem totalitären System. Ein starkes Argument des Präsidenten im Fall eines Verstoßes gegen die wissenschaftliche Unabhängigkeit war der Umzug nach Westdeutschland.

Seit nunmehr zehn Jahren ist die Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften, ernannt von der gemeinsamen Wissenschaftskonferenz des Bundes und der Länder: Der Akademie obliegt somit die wissenschaftliche Beratung von Politik und Gesellschaft bis hinauf in die höchsten Ebenen der Macht – in enger Zusammenarbeit mit der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und acatech – der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften.

Die Arbeit der Leopoldina, bezeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Antrittsbesuch im Februar in Sachsen-Anhalt, als „einen Glücksfall für Deutschland“. Mit ihren Analysen und Empfehlungen trage sie ganz entscheidend zu einer Kultur der Willensbildung bei.

Das Resultat kann sich sehen lassen: Mehr als 130 Stellungnahmen, Empfehlungen und Diskussionspapiere hat die Leopoldina gemeinsam mit Partnerakademien und Wissenschaftsorganisationen aus dem In- und Ausland erarbeitet. Das Erstellen ist oft ein langwieriger Prozess und dauert ein bis zwei Jahre, „da die wissenschaftliche Evidenz gesichert sein muss“, betont Stefan Artmann, Leiter der Präsidialbüros. Vor jeder Veröffentlichung prüfen zudem unbeteiligte Wissenschaftler in einem externen Begutachtungsprozess die Arbeiten.

Der Leopoldina gehören rund 1500 Mitglieder aus etwa 30 Ländern an, davon stammen rund drei Viertel der Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Prominente Mitglieder waren unter anderem Marie Curie, Albert Einstein, Charles Darwin, Johann Wolfgang von Goethe, Alexander von Humboldt, Justus von Liebig und Max Planck.

„Wir erleben derzeit verstärkt, wie notwendig eine ausgewogene wissenschaftliche Stimme in politischen und gesellschaftlichen Debatten ist“, sagt Leopoldina-Präsident Jörg Hacker und ergänzt: „Entscheider in der Politik sehen sich mit zunehmend komplexen Themen konfrontiert und nehmen unsere Beratung gerne an.“ Beraten werden Bundestag und Ministerien – bis hin zur Kanzlerin, die zweimal im Jahr gemeinsam mit den Stifterverband zu Fragen der Innovationspolitik auf den neuesten Stand gebracht wird.

Auch auf dem internationalen Parkett mischt die Leopoldina sich ein: Gemeinsam mit Nationalakademien anderer Länder präsentiert sie bei G7- und G20-Gipfeltreffen den Staats- und Regierungschefs wissenschaftliche Erkenntnisse, Einschätzungen und Empfehlungen. Finden die Gipfel in Deutschland statt wie 2015 auf Schloss Elmau (G7) oder 2017 in Hamburg (G20), betreut die Leopoldina die Empfehlungen der Wissenschaftsakademien federführend.

Zentrale Themen der Leopoldina sind aktuell die Digitalisierung und die Folgen für die Gesellschaft, Krankheitsbekämpfung, Welternährung und demografischer Wandel. Häufig spielen dabei ethische Gesichtspunkte eine Rolle. In Deutschland fanden unter anderem die energiepolitischen Empfehlungen nach Fukushima, die Stellungnahme zur Präimplantationsdiagnostik, die kritische Analyse zur Bioenergie sowie zur Praxis und Forschung in der Palliativversorgung besondere Beachtung. Auch die Anwendung neuer Verfahren zur Erbgutveränderung werden seit der Stellungnahme zum Genome Editing im Jahr 2015 in der breiten Öffentlichkeit diskutiert.

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