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Medienberichte in Tunesien Gynäkologe zweifelt an Zwölflingen

Eine Zwölflingsschwangerschaft ist von der Natur nicht vorgesehen, sagt Gynäkologe Alexander Strauss. Die Wahrscheinlichkeit sei so klein wie in allen europäischen Ländern gleichzeitig im Lotto zu gewinnen.

19.08.2009 16:08
Laut lokaler Medienberichte soll eine Frau in Tunesien mit zwölf Babys im Bauch bereits im neunten Monat schwanger sein. Foto: dpa

Kiel. Der Kieler Gynäkologe Prof. Alexander Strauss hat Berichte über eine angebliche Zwölflingsschwangerschaft in Tunesien stark angezweifelt. Laut lokaler Medienberichte soll die Frau mit zwölf Babys im Bauch bereits im neunten Monat schwanger sein.

"Das ist völlig unmöglich", erläuterte Strauss im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Es ist Humbug zu behaupten, dass so jemand im Entferntesten in das letzte Drittel der Schwangerschaft kommen könnte."

Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Drillinge erreichten im Schnitt die 33. Woche, Vierlinge die 31. und Fünflinge die 29. Woche. Darüber hinaus gebe es keine Zahlen, erläuterte Strauss. "Aber Sie können sich in etwa ausrechnen, wo Sie bei Zwölflingen landen würden." Dem Gynäkologen zufolge kann die Frau auch nicht wie behauptet die angeblichen Zwölflinge auf natürlichem Wege zur Welt bringen.

"Das ist Quatsch. Eine natürliche Geburt wäre in so einem Fall nicht möglich, und das würde auch niemand, der halbwegs vernünftige Geburtshilfe betreibt, riskieren." Ebenso könne die Schwangerschaft auch nicht wie berichtet auf rein natürlichem Weg zustande gekommen sein. "Das ist in der menschlichen Natur nicht vorgesehen und kommt auch nicht vor", sagte der stellvertretende Direktor der Kieler Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe.

"Natürlich ließe sich sicher eine theoretische Wahrscheinlichkeit dafür berechnen, aber die dürfte etwa so klein sein wie in allen europäischen Ländern gleichzeitig im Lotto zu gewinnen." Seines Wissens sei keine natürliche Zwölflingsschwangerschaft irgendwo auf der Welt dokumentiert, betonte Strauss. "Es gibt Berichte über natürliche Fünflinge, Sechslinge und sogar Siebenlinge - dafür müssen Sie aber zum Teil über 100 Jahre zurückblicken."

Üblicherweise kämen solche hochgradigen Mehrlingsschwangerschaften heute durch einen ethisch fragwürdigen Missbrauch der Fortpflanzungsmedizin zustande. "Dabei wird versucht, die Frau zunächst mit möglichst vielen Embryonen schwanger zu machen, um die "überzähligen" dann wieder abzutöten. Das ist aus gutem Grund in Deutschland verboten."

"Schon jeder Drilling hat ein Risiko von 30 Prozent, schwer krank zu sein oder zu sterben", sagte Strauss. "Bei Fünflingen steigt das Risiko auf 50 Prozent." Darüber hinaus gebe es zu wenig Fälle, um statistische Aussagen zu machen. "Aber mehr als die Hälfte aller Familien mit Drillingen oder höhergradigeren Mehrlingen kann nicht mit ausschließlich gesunden Kindern rechnen." (dpa)

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