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Max-Planck-Institut Keine Versuche an Affen mehr

Fernsehaufnahmen zeigen einen blutverschmierten Affen, angeblich in einem Max-Planck-Institut in Tübingen gefilmt. Nach Drohungen von vermeintlichen Tierschutzaktivisten sollen die Wissenschaftler ihre Primatenforschung nun einstellen.

03.05.2015 21:21
"Affenfolter stoppen!" Tierschützer demonstrieren in Tübingen gegen den Einsatz von Affen in der Forschung. Foto: dpa

Der Direktor des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik will nach Drohungen und Beschimpfungen von vermeintlichen Tierschutzaktivisten in den vergangenen Monaten Konsequenzen ziehen. Nach Angaben der Gesellschaft in München werde der Neurowissenschaftler Nikos Logothetis seine Primatenforschung abschließen und künftig nur noch mit Nagetieren arbeiten. «Das wird noch zwei, drei Jahre dauern, bis die Experimente abgeschlossen sind», sagte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur.

Nach einem Fernsehbericht über die Affenversuche war das Institut in die Kritik geraten. Darin waren im vergangenen September Bilder gezeigt worden, die ein Tierschützer mit versteckter Kamera gemacht haben soll. Die Aufnahmen zeigen Affen mit Implantaten im Kopf, eines der Tiere ist blutverschmiert, einem anderen läuft Spucke oder Erbrochenes aus dem Mund. Daraufhin hatte sich auch die Staatsanwaltschaft Tübingen eingeschaltet und das Max-Planck-Institut Ende Januar durchsucht. Fraglich ist, ob bei den Versuchen gegen den Tierschutz verstoßen wurde. Den Ermittlungen waren mehrere Strafanzeigen vorausgegangen.

Palmer bedauerte die Entscheidung des renommierten Wissenschaftlers. «Die Experimente, die Logothetis durchführt, sind absolute Weltspitze.» Er halte die Entscheidung, die Affenversuche einzustellen, für einen «schweren Rückschlag für die Forschung».

Die Max-Planck-Gesellschaft will weiterhin Tierversuche an Affen durchführen. «Dies ist nach wie vor der einzige Weg, um Behandlungsansätze zu entwickeln für neurologische Gehirnerkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson und psychiatrische wie Schizophrenie», teilte die gemeinnützige Forschungsorganisation mit. «Die immer wieder aufkeimenden Anfeindungen, die Vielzahl an Drohmails und Beschimpfungen über die vergangenen Monate hinweg waren jedoch eine große Belastung für alle Beteiligten», hieß es.

Die Landestierschutzbeauftragte von Baden-Württemberg, Cornelie Jäger, zeigte sich erleichtert. «Selbstverständlich frage ich mich nun (...), welche Auswirkungen diese Entscheidung für andere Forschungseinrichtungen hat, die bislang sehr ähnliche Experimente durchführen», erklärte Jäger in einer Mitteilung am Sonntag.

Wenn ein so renommierter Forscher wie Logothetis die chronisch-invasiven Neurokognitions-Experimente an Rhesusaffen künftig für entbehrlich halte, stelle sich die Frage, ob für vergleichbare Versuche überhaupt noch eine Notwendigkeit bestehe. Die Unerlässlichkeit ist laut Jäger nach dem Tierschutzrecht eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Genehmigung von Tierversuchen. «Nach meiner Einschätzung ist der Punkt erreicht oder überschritten, bis zu dem nach Ansicht der Forscher immer wieder zur Prüfung neuer Methoden auf die Versuche an den Rhesusaffen zurückgegriffen werden musste.» (dpa)

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