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„March for Science“ Forscher wollen mehr mit Bürgern sprechen

Weltweit gehen heute Wissenschaftler beim „March for Science“ auf die Straße. Auch in Frankfurt wird demonstriert. Oberbürgermeister Peter Feldmann wird bei der Eröffnung teilnehmen.

March for Science in Washington
Wissenschaft dient dem Allgemeinwohl – Demonstranten beim „March for Science“ im April 2017 in Washington. Foto: rtr

Donald Trump hat es vorgemacht und bereits Nachahmer gefunden. Mit lautstarkem Populismus lässt sich die öffentliche Diskussion bestimmen, selbst gesicherte Erkenntnisse der Wissenschaft stellt der US-Präsident infrage. Denn Trump glaubt nicht an den Klimawandel – auch wenn sich fast alle Wissenschaftler einig sind, dass der Mensch zur Klimaerwärmung beiträgt. Seit seinem Amtsantritt kürzt der Präsident Forschungsetats und streicht Klimaschutzprogramme zusammen.

Das stößt auf Widerstand. Vor allem diejenigen, deren Beruf auf dem sachlichen Austausch von Argumenten beruht, sind entsetzt angesichts der vernunftwidrigen Vorgänge, die Trump in Gang setzt – und wollen etwas dagegen tun. Deshalb gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am heutigen Samstag weltweit auf die Straßen, um mit einem „March for Science“, einem Marsch für die Wissenschaft, ein Zeichen gegen die neue Gängelung von Forschung und Lehre zu setzen.

„In Deutschland haben wir zwar eine komfortable Situation“, sagt Susanne Ficus, die den Protestmarsch in Frankfurt am Main mitorganisiert. In den USA und in der Türkei gebe es bereits Redeverbote für Wissenschaftler. „Wenn populistische und autoritäre Kräfte an Zulauf gewinnen, dann ist das auch eine Gefahr für eine freie Wissenschaft in Deutschland“, fürchtet Ficus, die selbst lange wissenschaftlich tätig war und mittlerweile im Vertrieb eines Biotech-Unternehmens arbeitet. Und dabei von ihren Kunden erfährt, dass auf Konferenzen mitunter Posterwände frei bleiben, weil Wissenschaftler kein Einreisevisum für die USA erhalten haben.

Dabei finden viele Forscher, dass Wissenschaft nicht für sich selbst existiert, sondern der Gesellschaft auch etwas zurückgeben sollte, indem sie politische Entscheidungen mit ihren Erkenntnissen verbessert. „Der March for Science tritt dafür ein, dass Regierungen die Suche nach der Wahrheit und nach den bestmöglichen Lösungen für unsere Probleme nicht verhindern, sondern den offenen Austausch auch über kontroverse Ideen zulassen und fördern“, sagt Enno Aufderheide, Biologe und Generalsekretär der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, der in Köln für die Wissenschaft auf die Straße gehen will.

Viele Universitäten, Hochschulen, Fachgesellschaften und Stiftungen haben in Deutschland zu der Demo aufgerufen, die Unterstützerliste ist lang. Über 1700 wissenschaftliche oder wissenschaftsnahe Institutionen und Einzelpersonen haben sich online zu dem Protestmarsch und seinen Zielen bekannt, darunter Universitäten und renommierte Institute.

Auch in Frankfurt wollen Forscher auf die Straße gehen. Wie schon im Vorjahr wird auch der Oberbürgermeister der Stadt, Peter Feldmann (SPD), bei der Eröffnung des Wissenschaftsmarsches an der Bockenheimer Warte dabei sein. Unterstützung erhält Feldmann vom Chemie-Nobelpreisträger Hartmut Michel und von der Direktorin des Senckenberg-Forschungszentrums für Biodiversität und Klima, Katrin Böhning-Gaese. Der Protestzug zieht dann durch die Innenstadt zum Römerberg.

Dort wollen weitere Politiker und Wissenschaftler zu den Demonstranten reden – und diese sich direkt mit den Bürgern austauschen. „Die Wissenschaft sitzt immer noch im Elfenbeinturm“, sagt Mitorganisatorin Ficus. Die Forscher sprächen oft eine komplizierte Sprache, deshalb sei es wichtig, sich mit der breiten Öffentlichkeit auseinanderzusetzen und Forschung verständlich zu erklären.

Dazu werden am Samstag eigens Info-Inseln auf dem Frankfurter Rathausplatz eingerichtet, bei denen sich Wissenschaftler den Fragen der Bürger stellen. Der Atmosphärenphysiker Joachim Curtius will mit einigen Mythen um den Klimawandel aufräumen, aber auch um Artenvielfalt, Verschwörungstheorien oder Homöopathie soll es gehen.

Dass es mit einem einmaligen Aktionstag nicht getan ist, weiß auch Ficus. Der erste March for Science im Vorjahr habe aber schon etwas angestoßen. Seither gebe es regelmäßige Diskussionsveranstaltungen und Experimente mit Schülern. „Das reicht zwar noch nicht, aber es ist ein Anfang, damit wieder mehr Bürger die Errungenschaften der Wissenschaft schätzen“, sagt Ficus.

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