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Lhapka Gurung Lhoa

In der Mustang-Region im Norden von Nepal lebten die Mustangis. Ihre Sprache nennt sich Lhoa und ist ein Dialekt ohne eigene Lautschrift.

lhakpa gurung
Lhapka Gurung lehrt Kinder aus dem Mustang ihre aussterbende Sprache. Foto: Wolfgang Wesener

Jedes Jahr im Frühling, wenn der Schnee im Himalaya zu schmelzen begann, machte sich die Familie von Lhapka Gurung auf eine große Reise. Die sechs Geschwister und ein Elternteil packten ihre sieben Sachen in der Wohnung in Kathmandu, der Hauptstadt von Nepal, zusammen, und setzten sich in den Bus nach Norden. Nach zwei Tagen stiegen sie um auf Pferde, die zwei weitere Tage brauchten, um die Gurungs in ihr Heimatdorf an der nepalesischen Grenze zu bringen. Dort nutzte die Familie die fruchtbaren Sommermonate für die Landwirtschaft, bevor sie wieder in die Stadt zurückkehrte. Die Reise zu Pferd durch die Hochebenen des Himalaya gehört zu Gurungs schönsten Kindheitserinnerungen. Zumal ihr Leben hier in New York, in einer kleinen Wohnung in Queens, die sie mit ihren Brüdern bewohnt, so ganz anders ist.

Die Mustang-Region im Norden von Nepal, aus der Gurung stammt, ist Welten entfernt von Queens. Und doch versucht Gurung, die in Manhattan als Grundschullehrerin arbeitet, sich so viel davon zu bewahren, wie sie nur irgend kann. Jeden Sonntag trifft sie sich mit anderen Mustangis in New York, es werden traditionelle Tänze gepflegt, Musik gemacht und Gerichte aus der entlegenen Region gekocht, in die bis vor wenigen Jahren noch nicht einmal eine Straße führte. Am wichtigsten ist für Gurung ihre Muttersprache: „Die Sprache ist alles“, sagt sie. Lhoa heißt der Dialekt, mit dem sie aufgewachsen ist und der nur noch von etwa 10 000 Menschen gesprochen wird. Tendenz abnehmend: „Auch in Mustang spricht das niemand mehr. Die Kinder lernen in der Schule nur noch Nepalesisch oder Englisch“, erläutert Gurung. Lhoa hat keine eigene Lautschrift. In New York versucht Lhapka Gurung Kindern von Familien aus dem Mustang Lhoa mündlich beizubringen, um die Sprache zu erhalten. „Es ist wichtig, dass sie wissen, wo sie herkommen“, sagt sie.

Aufgezeichnet von Sebastian Moll

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