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„Lesen durch Schreiben“ Streit um Schreiblern-Methoden

In der Debatte um die Fibel-Methode und das reformpädagogische Konzept „Lesen durch Schreiben“ spricht sich der Verband Bildung und Erziehung für mehr Flexibilität aus.

19.09.2018 07:42
Schreibübungen
Wie lernt man das Lesen und Schreiben am besten? Darüber ist ein Streit ausgebrochen. Foto: imago

In der Debatte um Schreiblernmethoden für Grundschüler fordert der Verband Bildung und Erziehung mehr Mut zur Flexibilität. Der Vorsitzende Udo Beckmann kritisierte am Mittwoch im Deutschlandfunk die Forderung von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), die Schreiblern-Methoden an deutschen Schulen zu überdenken. Die Lehrkräfte an den Grundschulen wüssten selbst am besten, mit welchen Methoden sie arbeiten sollten.

Er wundere sich, dass die Bildungsministerin aus einer einzigen Studie ableite, die Ergebnisse müsssten in der Praxis gleich Anwendung finden, sagte Beckmann. Auch gegen einen flächendeckenden Einsatz der sogenannten Fibel-Methode sprach sich Beckmann aus. „Die Welt in den Grundschulen sieht anders aus“, sagte er. In der Grundschule gebe es eine große Vielfalt von Kinder; die Lehrer müssten sich deshalb fragen, wie man die einzelnen Kinder am besten fördern könne.

Viele arbeiteten erfolgreich mit einem Lese- und Schreiblernkonzept nach dem Spracherfahrungsansatz, der Teile der Methode „Lesen durch Schreiben“ integriere, erläuterte Beckmann. Aber es sei völlig falsch zu sagen, dass diese Methode von den Grundschulen in Reinform angewandt werde.

Karliczek dringt darauf, die Schreiblernmethoden an deutschen Schulen zu überdenken. Nach einer Studie der Universität Bonn führt die herkömmliche Fibel-Methode zu deutlich besseren Rechtschreibleistungen als die reformpädagogische Methode „Lesen durch Schreiben“.

Auch der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke), sieht Handlungsbedarf. Man werde die Studie mit Experten in Schule und Wissenschaft besprechen.

Der Deutsche Lehrerverband hatte bereits ein bundesweites Verbot der Methode „Lesen durch Schreiben“ gefordert. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger nannte es „erschreckend“, dass sich die Lernweise in den vergangenen Jahren an deutschen Grundschulden etablieren konnte, ohne dass dazu jemals eine seriöse Überprüfung stattgefunden habe. „Kinder wurden damit zu Versuchskaninchen einer übereifrigen Reformpolitik gemacht“. (kna)

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